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Internationale Kapitalbewegungen

Transaktionen zwischen Währungsgebieten, die Änderungen von Höhe und/oder Struktur der Nettoauslandsposition von Volkswirtschaften bewirken. Sie werden statistisch in der - Kapitalbilanz und in der Gold- und Devisenbilanz erfaßt. Kapitalbewegungen im Zusammenhang mit dem internationalen Leistungsverkehr verändern den Saldo zwischen Forderungen und Verbindlichkeiten gegenüber dem Ausland, somit die Höhe der Nettoauslandsposition und des Auslandsvermögens (Transaktion). Finanztransaktionen, also Kapitalbewegungen, die nicht mit Leistungstransaktionen verbunden sind, beeinflussen allein die Zusammensetzung der Nettoauslandsposition, nicht ihren Umfang. Systematisierung internationaler Kapitalbewegungen: a) Autonome Kapitalbewegungen werden ihrer selbst wegen unabhängig von anderen internationalen Transaktionen durchgeführt (z.B. zinsinduzierte Geldexporte, Kapitalexporte öffentlicher Haushalte im Zusammenhang mit der Entwicklungshilfe, Direktinvestitionen). Induzierte Kapitalbewegungen dienen dazu, Wirkungen anderer Transaktionen auf die Zahlungsbilanz zu kompensieren (z.B. Devisenmarktinterventionen der Währungsbehörden, Handelskredite, Verschiebungen der terms of payment). b) Internationale Forderungen und Ver bindlichkeiten mit einer Laufzeit von unter einem Jahr zählen als kurzfristiger, mit längerer Laufzeit als langfristiger Kapitalverkehr. Ökonomisch ist diese Abgrenzung problematisch, weil ein ursprünglich kurzfristiger Kapitalexport (z.B. Erwerb ausländischer Geldmarktpapiere) zu einer längerfristigen Anlage werden kann, während Kapitalbewegungen, die in der Bilanz des langfristigen Kapitalverkehrs erfaßt werden (z.B. Effekten), rasch reversibel sind. c) In der BRD werden Änderungen der Auslandsforderungen und -verbindlichkeiten der Zentralbank unter der Position Veränderung der Nettoauslandsaktiva der Deutschen Bundesbank ausgewiesen, der Kapitalverkehr des privaten Sektors und öffentlicher Haushalte in der Kapitalbilanz. d) In der Bilanz des langfristigen Kapitalverkehrs wird zwischen Transaktionen des privaten und des öffentlichen Sektors unterschieden, beim kurzfristigen Kapitalverkehr wird zwischen Kreditinstituten, Wirtschaftsunternehmen und öffentlichen Stellen differenziert. Ursache internationaler Kapitalbewegungen sind nach der Grenzproduktivitätstheorie unterschiedliche Grenzproduktivitäten des Kapitals als Folge unterschiedlicher Kapitalausstattung. Diese Differenzen führen solange zu Kapitalbewegungen von relativ kapitalreichen Ländern in relativ kapitalarme Länder, bis im Zuge einer internationalen Angleichung der - Kapitalintensitäten ein internationaler Faktorpreisausgleich (Faktorpreisausgleichstheorem)     stattgefunden hat. In Wirklichkeit sind jedoch häufig Kapitalströme von kapitalarmen in kapitalreiche Länder zu beobachten. Die restriktiven Annahmen (vollkommene Konkurrenz, Homogenität des Kapitals, Vernachlässigung von Risiken des internationalen Kapitaltransfers) ermöglichen es nicht, mit Hilfe der Grenzproduktivitätstheorie internationale Kapitalbewegungen befriedigend zu erklären. Langfristige Kapitalbewegungen können als -# Direktinvestitionen oder als Portfolioinvestitionen auftreten. Direktinvestitionen werden vorgenommen, um mit fremden Wirtschaftsgebieten dauerhafte Wirtschaftsverbindungen zu schaffen. Sie sind einer Inlandsinvestition vorzuziehen, wenn unter Berücksichtigung politischer und ökonomischer Risiken eine Produktionsverlagerung in das Ausland dauerhaft höhere Erträge erwarten läßt. Zwischen Industrieländern sind sie häufig absatzmarktorientiert, wobei seit Übergang zu größerer Flexibilität der Wechselkurse diesbezügliche Überlegungen hinzugekommen sind (»exchange rate factories«). Direktinvestitionen können auch an der Bezugsseite orientiert sein, etwa an der Sicherung der Rohstoffbasis oder am relativ niedrigen Lohnniveau. Kurzfristige internationale Kapitalbewegungen werden hauptsächlich von Kreditinstituten und von Wirtschaftsunternehmen zur Nutzung von Kosten- und Ertragsdifferenzen (zinsinduzierte Kapitalbewegungen) oder von erwarteten Wechselkursänderungen (spekulative Kapitalbewegungen) vorgenommen. Zinsarbitragegeschäfte (Arbitrage) setzen ein, wenn Zinsdifferenzen zwischen zwei Ländern nicht von den Kurssicherungskosten, dem Swapsatz, kompensiert werden. Sie kommen zum Stillstand, wenn die mit internationalen Geldmarktgeschäften verbundenen Devisenmarkttransaktionen (Devisenmarkt) den Swapsatz in Übereinstimmung mit der Zinsdifferenz gebracht haben. Bei spekulativen internationalen Kapitalbewegungen (Spekulationsgeschäft) werden offene Devisenpositionen eingenommen, um bei Wechselkursänderungen einen Gewinn zu erzielen oder Verluste auszuschalten (Hedging). Devisenspekulation kann am Devisenkassa-und -terminmarkt durchgeführt werden. Die bisher genannten Ursachen internationaler Kapitalbewegungen konzentrieren sich auf Stromgrößen und beschreiben Anreize, die zu Nettokapitalbewegungen Anlass geben, die bei flexiblen Wechselkursen Salden in der Kapitalbilanz und kompensierende Leistungsbilanzsalden bewirken. Mit der Liberalisierung des internationalen Kapitalverkehrs und zunehmender Globalisierung der Finanzmärkte verlagert sich der Kapitalverkehr verstärkt auf Umschichtungen der Waltrungsstruktur gegebener Vermögensbestände. Derivative Finanzierungsinstrumente haben zudem Devisenmärkte und monetäre Märkte soweit vernetzt, dass vielfach eine Trennung zwischen Kapital-und Devisentransaktionen nicht mehr möglich ist. Der Finanzmarktansatz des Wechselkurses sieht deshalb internationale Kapitalbewegungen und Devisenmarktgeschäfte als simultane Vorgänge bei der Reallokation von Portfolios international orientierter Anleger an (Wechselkurstheorie). Danach sind internationale Kapitalbewegungen und Wechselkursänderungen Ergebnis von Renditedifferenzen zwischen gleichartigen Aktiva verschiedener Währungsräume, von Wechselkursänderungserwartungen, von Risikoprämien und sich ändernden Anlegerpräferenzen hinsichtlich der Ertrags-/ Risiko-Konstellation von Portfolios. Dauerhafte Kapitalverkehrsbilanzsalden zeitigen einen Realtransfer, der die Weltproduktion erhöhen kann, wenn Kapital von relativ kapitalreichen Ländern in Länder mit geringer Kapitalausstattung fließt. Länder mit Nettokapitalimporten verzeichnen ein gleich hohes Leistungsbilanzdefizit, das ihnen eine Ausweitung der Investition über die inländische Ersparnis hinaus ermöglicht. Die Wirkungen von Kapitalbewegungen im monetären und im güterwirtschaftlichen Bereich sind unterschiedlich, je nachdem, ob feste Wechselkurse oder freie Wechselkurse vorliegen. Bei festen Wechselkursen bewirken Kapitalimporte einen Anstieg der Bankenliquidität und (bei unverändertem Mindestreservesatz) der freien Liquiditätsreserven, so dass die Zinsen sinken und der Finanzierungsspielraum anwächst. Ein dadurch bewirkter Nachfrageanstieg führt je nach Auslastung des Produktionspotentials zu einer Erhöhung von Realeinkommen und Beschäftigung und/oder des Preisniveaus. Umgekehrt können Kapitalexporte eine Einengung des Finanzierungsspielraumes, Preisdämpfungen und steigende Arbeitslosigkeit bewirken. Da Kapitalbilanzsalden und Devisenbilanzsalden zusammengenommen gleich hohe Leistungsbilanzsalden gegenüberstehen, können mittelfristig die güterwirtschaftlichen Wirkungen des Kapitalverkehrs kompensiert werden. Bei flexiblen Wechselkursen stehen Kapitalbilanzsalden stets korrespondierende Leistungsbilanzsalden gegenüber. Die Zentralbankgeldversorgung bleibt durch Kapitalbewegungen unberührt. Auswirkungen auf Preise, Einkommen und Beschäftigung zeitigen Kapitalbewegungen nur dann, wenn z.B. ein Kapitalexport nicht aus bereits vorhandenen Mitteln, sondern aus einer expansiven Zentralbankpolitik finanziert wird. In diesem Fall wird durch den Nettokapitalexport die Absorption (Absorptionstheorie) in dem Mass erhöht, in dem Kapitalbilanz- und Leistungsbilanzüberschüsse auftreten. Die Effizienz der Geld- und Fiskalpolitik wird bei festen und freien Wechselkursen durch internationale Kapitalbewegungen unterschiedlich beeinflußt. Während man eine autonome Geldpolitik bei festen Wechselkursen als unvereinbar mit freiem Kapitalverkehr erachtet, wird nach herrschender Meinung bei flexiblen Wechselkursen durch kapitalverkehrsbedingte Wechselkursänderungen und damit verbundene Leistungsbilanzreaktionen die Wirksamkeit der Geldpolitik verstärkt. Diese Auffassung wird zunehmend kritisiert, weil bestritten wird, dass Import- und Exportmengen kurzfristig auf Wechselkursänderungen reagieren (J-Kurve). In den 50er und 60er Jahren wurde der internationale Kapitalverkehr häufig als störend bei der Realisierung binnenwirtschaftlicher Ziele erachtet und unterlag deshalb in den meisten Ländern vielfachen staatlichen Reglementierungen (Devisenbannwirtschaft, Devisenbewirtschaftung). Dabei wurde übersehen, dass freier internationaler Kapitalverkehr untrennbares Korrelat eines freien internationalen Leistungsverkehrs ist. Seit Ende der 70er Jahre fand eine weitgehende Liberalisierung des internationalen Kapitalverkehrs statt. Verfügbare Indikatoren deuten an, dass seitdem die Expansion der Finanztransaktionen wesentlich stärker gewesen ist als der Anstieg der Leistungstransaktionen. Es zeigt sich auch, dass freier Kapitalverkehr nicht mit größerer wirtschaftspolitischer Autonomie einhergeht, sondern eine verstärkte internationale Kooperation insbes. der Geldpolitik erzwingt, weil binnenwirtschaftlich motivierte Politikaktionen bei verstärkter Integration der Finanzmärkte in andere Länder schnell übertragen werden. Literatur: International Monetary Fund (1991). Kindleberger, Ch.P., Lindert, P.H. (1978)

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