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Currency Board

Eine strenge Form der Wechselkursbindung: Die nationale Währung wird in einem festen Verhältnis an eine ausländische Währung oder einen Währungskorb gebunden.

Die wesentlichen Bestandteile der Currency Boards:

• „Gesetzliche“ Festlegung der Wechselkursrelation. Eine Änderung der gewählten Wechselkursrelation kann also nur durch eine Änderung der gesetzlichen Grundlage erfolgen (im Gegensatz zu einem System mit festen Wechselkursen).

• Vollständige Deckung der monetären inländischen Geldbasis (Banknoten, Münzen, Sichteinlagen) durch Devisenreserven.

• Der Zentralbank wird fast jeder Entscheidungsspielraum entzogen, da etwa Zinsentscheidungen auch den Wechselkurs beeinflussen würden. Damit wird die nationale Geldpolitik weitgehend aufgegeben. Mit dem Currency Board wird die Glaubwürdigkeit und Stabilität einer Fremdwährung (oder eines Währungskorbs) importiert, d.h. die Reputation der Ankerwährung überträgt sich auf die eigene Währung. Durch die Anbindung an eine Fremdwährung mit stabilem, möglichst leicht steigendem Außenwert soll auch die Inflation bekämpft werden: Bei einer Aufwertung der Ankerwährung wertet auch die angebundene Währung auf. Damit sinken die Ausgaben für importierte Güter, womit sich für die Inlandspreise ein Preissenkungsspielraum ergibt: Die Inflationsrate geht tendenziell zurück, es wird Stabilität importiert. Unterstützt wird dieser Prozess durch eine zurückhaltende öffentliche Ausgabenpolitik: Die Kreditwünsche staatlicher Ebenen können von der nationalen Zentralbank i.d.R. nicht mehr erfüllt werden, da sich die Geldbasis an der Höhe der Devisenreserven orientieren muss. Die sinkende Inflation erhöht das Vertrauen in die Stabilität der Volkswirtschaft, was ausländische Investoren zu verstärktem Engagement ermuntern kann. Fiskalpolitische Stabilität und Preisstabilität werden i.d.R. zu niedrigeren Inlandszinsen und damit zu positiven Impulsen für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung führen. Wie die Ereignisse in Argentinien zeigen, kann ein Currency Board zu erheblichen ökonomischen und politischen Schwierigkeiten führen. Sie entstehen vor allem dann, wenn die Wirtschaftspolitik nicht adäquat auf die aus einer Aufwertung resultierenden Konsequenzen reagiert.

Währungssystem, welches die Landeswährung in einem festen (häufig gesetzlich verankerten) Austauschverhältnis an eine stabile und international gehandelte Ankerwährung bindet. Das Currency Board muss im Austausch gegen die Ankerwährung Landeswährung unbegrenzt ankaufen bzw. abgeben. Dadurch wird die Wachstumsrate der Geldbasis an den Währungsreservenbestand in der Ankerwährung geknüpft. Auf der Aktivseite hält ein Currency Board ausschließlich Auslandsaktiva (welche zum überwiegenden Teil in der Ankerwährung denominiert sind) und Gold. Auf der Passivseite finden sich Bargeld, evtl. (Mindest-)Reserven der Kreditinstitute sowie das Nettovermögen. Letzteres resultiert insbesondere aus der verzinslichen Anlage der Aktiva sowie der unverzinslichen Abgabe von Bargeld und Reserven (Seigniorage). Im Unterschied zu einer Zentralbank verfügt ein Currency Board nicht über Inlandsaktiva, insbes. Forderungen gegenüber staatlichen Institutionen. Kauft (verkauft) eine Zentralbank diese Aktiva, so steigt (fällt) dadurch die monetäre Basis. Diesen diskretionären Spielraum hat ein Currency Board nicht. Hier erhöht (ermäßigt) sich die monetäre Basis entsprechend der Zuflüsse (Abflüsse) an Währungsreserven. Ihren Ursprung nehmen Currency Boards in den britschen Kolonien im 19. Jahrhundert. In den sechziger und siebziger Jahren dieses Jahrhunderts ging ihre Bedeutung zurück. Es wurde als Vorteil angesehen, wenn souveräne Staaten auch souveräne Geldpolitik betreiben können. Seit Beginn der neunziger Jahre erleben Currency Boards allerdings eine Renaissance. Länder, in denen ein Currency Board-System errichtet wurde, sind u.a. Hong Kong (1983), Argentinien (1991) und Litauen (1994), welche den US-Dollar als Ankerwährung gewählt haben sowie Estland (1992) und Bulgarien (1997), in denen der Euro (bis Ende 1998 die Deutsche Mark) als Ankerwährung fungiert. Entscheidender Beweggrund für ein Currency Board ist der Gewinn an Glaubwürdigkeit durch die Wechselkursfixierung. Weiterhin bleibt (im Gegensatz zur -5 Dollarization) der Seigniorage grundsätzlich erhalten. Er wird nur insoweit gemindert wie Anlagen in der Ankerwährung einen geringeren Ertrag erzielen als Anlagen in der Landeswährung. Die gesetzliche Verankerung der - s Konvertibilität bei fixiertem Wechselkurs ist insbes. für ausländische Investoren bedeutend; sie kann auch zu einer gewissen Annäherung des Zinsniveaus an das des Ankerwährungslandes beitragen. Das Verbot der Kreditvergabe an die öffentliche Hand führt zu makroökonomischem Stabilisierungsdruck. Eine vollständige Angleichung der Inflationsrate an die des Ankerwährungslandes muss allerdings nicht erfolgen: Zum einen sind unterschiedliche Preise bei nicht-handelbaren Gütern möglich, zum anderen weisen diese Volkswirtschaften häufig höhere Wachstumsraten auf, welche sich dann auch in höheren Inflationsraten niederschlagen. Nachteilig ist insbes. der mit der Errichtung eines Currency Boards einhergehende Verlust der geldpolitischen Souveränität. Der Verzicht auf Wechselkurspolitik als Anpassungsinstrument verlangt ein erhöhtes Mass an Flexibilität von Lohn- und Finanzpolitik. Daneben besteht die Gefahr prozyklischer Wirkung: In einer Aufschwung- oder Boomphase fließen über Exporterlöse vermehrt Devisen ins Land, was bei Umtausch in Landeswährung zu einer steigenden Geldbasis und sinkenden Zinsen führt. Ein ähnlicher Effekt ist möglich, wenn sich Ankerwährungs- und Currency Board-Land in unterschiedlichen Konjunkturphasen befinden und sich die Geldpolitik des Ankerwährungslandes über Zinsarbitrageprozesse in das Currency Board-Land überträgt. Bei heimischen Finanzkrisen kann ein Currency Board nur in dem Ausmass lender of last resort sein, indem es über Nettovermögen verfügt. In der Entstehungsphase ist zudem Sorge für ein genügendes Mass an Währungsreserven zu tragen. Die Einrichtung eines Currency Boards ist daher primär für kleine offene Volkswirtschaften zu überlegen. Sie muss immer im Vergleich mit alternativen Möglichkeiten der monetären Stabilisierung (--) Dollarization, Doppelwährung, Währungsunion) betrachtet werden. Auch ist die praktische Ausgestaltung sehr heterogen, insbes. bezüglich der Aufgaben und Befugnisse einer neben dem Currency Board weiter existierenden Zentralbank. Literatur: Enoch, C.,Gulde, A.-M. (1998): Are Currency Boards a Cure for All Monetary Problems?, in: Intemationa1 Monetary Fund (Hrsg.): Finance & Development, S. 40 — 43. Walters, A. (1987): Currency Boards, in: Eatwell, J.,Milgate, M., Newman, P. (Hrsg.): The New Pal-grave: A Dictionary of Economics, London u.a., S. 740 — 742. Williamson, J. (1995): What Role for Currency Boards, Institute for International Economics, Washington, D.C.

Currency Boards sind »Währungsämter«, die im Besonderen die Aufgabe haben, die feste Anbindung einer Landeswährung und deren Abdeckung durch Gold oder fremde Leitwährungen zu überwachen.

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