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Principal Agent Theorie

(engl. principal agent theory) Die Principal Agent Theorie (synonym: agency theory) ist ein wesentlicher Baustein der Institutionen bzw. Organisationsökonomik (auch Neo nstitutionalismus), die als Weiterentwicklung der neoklassischen Theorie betrachtet wird. Geht die neoklassische Theorie vorn Vorliegen eines vollkommenen Marktes (polypolistische Preisbildung; siehe Marktformen) aus, so ändert die institutionenökonomische Theorierichtung mit der «realistischeren» Unterstellung eines unvollkommenen Marktes, der insbesondere auf asymmetrischer Informationsverteilung unter den Marktteilnehmern beruht, den Annahmenrahmen. Die betriebliche Finanzierungstheorie nahm mit als erste der betriebswirtschaftlichen Teildisziplinen (Betriebswirtschaftslehre) diese veränderte Blickrichtung der neoinstitutionalistischen p Volkswirtschaftslehre wahr, da sie seit ihrer Konzentration auf die Funktionsweise des Kapitalmarktes (Beispiel: Capital Asset Pricing Model [CAPM]; siehe auch Modigliani Miller These auf der Grundlage eines vollkommenen Kapitalmarktes) der neoklassischen Mikroökonomik ohnehin schon nahe stand. Aus der Prämisse eines unterschiedlichen Informationsstandes zwischen Transaktionspartnern ergeben sich weitgehende und vielfältige theoretische Konsequenzen. Aus Informationsasymmetrien können konfliktäre Folgeprobleme bei Leistungs bzw. Vertragsbeziehungen entstehen, die grundsätzlich als Principal gent (bzw. Agency )Probleme anzusehen sind. Es wird davon ausgegangen, dass ein «Auftraggeber» (Principal) einen «Auftragnehmer» (Agent) mit der Wahrnehmung seiner Interessen beauftragt. Weiterhin wird angenommen, dass die Vertragspartner über ex nte (vor Vertragsabschluss) bestehende Sachverhalte oder über die ex post (nach Vertragsabschluss) resultierenden Verhaltensweisen der anderen Vertragspartei unterschiedlich gut (asymmetrisch) informiert sind. Im ersten Fall (ex ante) liegt eine «versteckte» . Information (hidden information), im zweiten Fall (ex post) ein «verstecktes Handeln» (hidden action) vor (Unterscheidung nach Arrow). Beide Typen führen zu Marktversagen. Bei versteckter (unvollständiger) Information kann Marktversagen in Form einer Negativauslese (adverse selection) auftreten, die dazu führt, dass Leistungen hoher . Qualität nicht auf den Markt kommen, weil die Nachfrage wegen des schlechteren Informationsstandes (Qualitätsunsicherheit) keinen der Qualität entsprechenden Marktpreis zu zahlen bereit ist. Beispiel: Ein Kapitalgeber (z. B. Kreditgeber) kann die Bonität (Qualität) des Kreditnehmers (Schuldners) nicht vollständig beurteilen. Falls Ersterer daher die Prämie für das Ausfallrisiko, wenn dieses nicht genügend separierbar ist, an der durchschnittlichen Bonität (durchschnittliche Risikoklasse) der Kunden festlegt (auf hoch entwickelten Kapitalmärkten stellen beispielsweise die Beta Faktoren für börsennotierte ~ Gesellschaften ein die Separierung des Marktes ermöglichendes Risikomaß dar), wird dieses nicht genügend spezifizierte (gepoolte) Preisangebot für Kapitalnehmer umso attraktiver, je größer ihr Ausfallrisiko ist, während andere (mit guter Qualität) dem Markt fernbleiben. Führt bei rationalem Verhalten des Finanziers das nun mit gestiegenen Risiken ( Risiko) behaftete, nicht mehr kostendeckende Kreditportfolio (in bestimmter Weise zusammengesetzter Kreditbestand) zu einer Prämienerhöhung, wird der Effekt adverser Auslese weiter verstärkt, so dass der Kapitalmarkt im Extremfall zusammenbrechen kann (siehe in diesem Zusammenhang die Rolle der Finanzaufsicht).

Im zweiten Fall (nach Vertragsabschluss) sind beiden Partnern die Eigenschaften des Vertragsgegenstandes zu Beginn der Geschäftsbeziehung zwar bekannt, es bleiben aber bestimmte spätere Handlungen des Agenten (z. B. niedrigerer Arbeitseinsatz), die Auswirkungen auf den Transaktionsgegenstand (z. B. auf Finanzierungsentscheidungen [Wahl der Finanzierungsform), die bei asymmetrischer Informationsverteilung entgegen der Modigliani Miller These weder irrelevant noch von den Investitionsentscheidungen separierbar sind) haben können, für den Principal unbeobachtbar, zumindest nicht kostenlos beobachtbar (Transaktionskosten). Bei (ex post) opportunistischem Verhalten des Agenten (er handelt entgegen seinen Zusicherungen im Zweifel nur im Eigeninteresse, d. h. ohne Rücksicht auf die in der Regel deutlich abweichenden Interessen zum Schaden des Principals) müsste wegen des daraus folgenden «moralischen Risikos» (moral hazard) der Vertrag nur zu entsprechend schlechteren Konditionen geschlossen werden. Die Vertragspartner würden demgegenüber einen höheren Nutzen erzielen können, wenn ihr künftiges Verhalten bei Vertragsabschluss genau und verbindlich fixiert werden könnte.

Beide aus asymmetrischer Information resultierenden Informations und Anreizprobleme fasst die Abbildung zusammen: Es finden sich in Literatur und Alltag zahlreiche Beispiele für Principal gent Probleme. Hierzu gehören beispielsweise die möglichen Folgen aus Interessendivergenzen zwischen Mutter und Tochtergesellschaften und zwischen dem Vorstand als Insider und dem Anlegerpublikum (Aktiengesellschaft, Stakeholder nsatz). In letzterem Zusammenhang kann die PrincipalAgent Theorie als zentraler Theorieansatz der Corporate Governance Diskussion betrachtet werden. Agency Phänomene finden sich natürlich auch bei anderen Instituten: Exemplarisch sei auf Politiker und Staatsbedienstete als Agenten im Auftrag und zum 4 Nutzen der Bürger als Principale hingewiesen.

Kritisch wird eingewandt, dass im Vergleich zu den stark abstrahierenden, konsistenten Modellen der neoklassischen Theorie aus dem neoinstitutionalistischen Ansatz keine allgemein gültigen Entscheidungsregeln und keine streng optimale Problemlösung abgeleitet werden können. In der Literatur werden zahlreiche typisierte Situationen analysiert und jeweils exemplarische Lösungen aufgezeigt, die für sich als Vorzug mehr Nähe zur Realität beanspruchen.

Siehe auch: Institutionen-Ökonomik, Marketing- Ökonomie

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