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Marktformen

Charakterisierung von Angebot und Nachfrage anhand unterschiedlicher Merkmale. Nach dem Merkmal »Anzahl der Marktteilnehmer« können folgende statischen Marktformen unterschieden werden.

Charakterisieren die Konkurrenzsituation auf dem Markt. Auf der Angebotsseite stehen viele kleine oder wenige mittlere oder ein großer Anbieter vielen kleinen, wenigen mittelgroßen oder einem großen Nachfrager (Nachfrageseite) gegenüber. Bei einem Angebotsmonopol befindet sich nur ein Anbieter (Monopolist) auf einem relevanten Markt. Ein Angebotsoligopol ist durch wenige (mittelgroße) Anbieter und viele kleine Nachfrager gekennzeichnet, ein Polypol durch viele kleine Anbieter und viele kleine Nachfrager.

(engl. market forms) Marktformen geben Aufschluss über die genaue Struktur von Angebot und Nachfrage. Üblicherweise erfolgt eine Klassifizierung einzelner Marktformen unter mengenmäßigen (morphologischen) Gesichtspunkten. Hierbei ist die Anzahl der Anbieter bzw. Nachfrager auf einem Markt entscheidend. Dabei können angebotsund nachfrageseitig zusammen neun Marktformen unterschieden und in einem Schema (Marktformenschema) gegenübergestellt werden.

Je nach Marktform lassen sich in Abhängigkeit von der Anzahl der Marktteilnehmer folgende typische Verhaltensweisen auf der Anbieterseite feststellen: In einem Polypol (griech. polys = viele, polein = verkaufen) beliefern unzählig viele Anbieter einen Markt, so dass der Einzelne aufgrund fehlender Marktmacht keinen Einfluss auf den sich ergebenden Marktpreis (Preisbildung) nehmen kann. Er wird deshalb auch als Preisnehmer (price talcer) oder Mengenanpasser bezeichnet. Findet der polypolistische Wettbewerb sowohl auf der Angebots als auch auf der Nachfrageseite statt (zweiseitiges Polypol) und werden die Modellbedingungen des vollkommenen Marktes (Homogenität der Güter, Fehlen von Präferenzen, volle Markttransparenz, keine Markt in und ustrittsbarrieren, unendlich rasche Reaktionsgeschwindigkeit der Marktteilnehmer) erfüllt, spricht man von vollkommener (auch: vollständiger) Konkurrenz.

Das Oligopol (griech. oligos = wenig, polein = verkaufen) lässt sich durch eine geringe Anzahl von Anbietern beschreiben, die in einer engen Reaktionsverbundenheit stehen. Im einfachsten Fall sind es zwei; es wird von einem Dyopol (griech. dyos = zwei, polein = verkaufen) gesprochen. Die Automobil und Mineralölwirtschaft sind Beispiele für einen solchen Oligopolmarkt (Marktkonzentration). Die einzelnen Unternehmen halten jeweils einen derart großen Marktanteil, dass jede Veränderung des Absatzpreises, der Angebotsmenge und qualität eines Anbieters Einfluss auf die Marktsituation hat und Reaktionen der anderen Anbieter hervorruft. Ein Preiswettbewerb ist in einem solchen Markt nur zu erwarten, wenn Mitkonkurrenten aus dem Markt gedrängt werden sollen bzw. Preisführerschaft angestrebt wird (Marktführerschaft, Wettbewerbsstrategien). Realistischer ist eine aufeinander abgestimmte Preispolitik. Der Wettbewerb vollzieht sich i. d. R. über die Qualität und Differenzierung der Produkte (Produktdifferenzierung; Qualitätswettbewerb) bzw. über den Service (Kundendienst) oder die Werbung. Beim Monopol (griech. monos = allein, polein = verkaufen) setzt der alleinige Anbieter (Monopolist) seinen gewinnmaximalen Preis bzw. die entsprechende Angebotsmenge fest. Zwar muss er aufgrund des fehlenden Wettbewerbs die Reaktion aktueller Konkurrenten nicht fürchten, ein möglichst hoher Gewinn lässt sich jedoch nur realisieren, wenn er die Reaktion der Nachfrager auf die Veränderung der Absatzpreise (Elastizität) mitberücksichtigt.

Die Märkte lassen sich nach verschiedenen Gesichtspunkten gliedern, wobei es eine eher theoretische und eine eher praktische Gliederung gibt. Die theoretische Gliederung erfolgt nach folgenden Aspekten: /. Regeln des Marktes, wobei die Marktbeziehungen durch Gesetze geregelt werden (Bsp. Kontrahierungszwang der Bundesbahn),
2. Zugang zu den Märkten, der entweder wirtschaftlich oder juristisch eingeengt werden kann (Konzessionen, Kontingente),
3. Vollkommenheit der Märkte (vollkommene und unvollkommene Märkte),4. Struktur der Anbieter und Nachfrager nach Größe und Anzahl (Monopol, Oligopol, Polypol, atomistische Konkurrenz), wobei sich bei der Darstellung der Kombinationen das bekannte morphologische Marktformenschema von Möller (1962) ergibt. Dieses Schema gilt für den vollkom menen Markt und unterstellt, daß Anzahl und Marktanteil einander entsprechen (Symmetrieannahme), d. h. daß »viele« auch einen jeweils kleinen Marktanteil haben.
5. Das Verhalten der Marktteilnehmer, das entweder monopolistisch oder kon kurrenzgebunden sein kann, wobei sich letzteres in ein polypolistisches oder oligopolistisches Verhalten glie dern läßt. Die eher praktische Gliede rung (nach Kotler, Marketing Ma nagement 1982) klassifiziert die Märkte nach der Rolle und den Moti ven der Käufer. Er unterteilt in KonsumentenMarkt, Produzen tenMarkt, WiederverkäuferMarkt, Markt der öffentlichen Be triebe.

Die einfachste formale Abbildung von Uarktstrukturen besteht in der Systematisierung nach dem Merkmal Zahl der Marktpartner. Zusätzlich wird bei dieser Form der Darstellung zwischen vollkommenen und unvollkommenen Märkten unterschieden.

Ein vollkommener Markt liegt vor, wenn die folgenden Prämissen erfüllt sind:

- die Prämisse der Markttransparenz

- die Prämisse der Homogenität (sachliche Indifferenz, persönliche Indifferenz, räumliche Indifferenz, zeitliche Indifferenz)

- die Prämisse der Zeitlosigkeit (unendlich schnelle Reaktionsgeschwindigkeit)

- die Prämisse der fehlenden Behinderung der Marktgeschehnisse durch Eingriffe von außen, z.B. Eingriffe der Binnenhandehpolitik und der Wirtschaftspolitik

- die Prämisse des streng rationalen Verhaltens der Anbieter (Gewinnmaximie-rungshypothese) und der Nachfrager (Nutzenmaximierungshypothese).

Ist eine dieser Bedingungen verletzt, so liegt ein unvollkommener Markt vor. Die Gegenüberstellung der Anbieterund Nachfragerstruktur führt zu dem morphologischen Marktformenschema. Als Beispiel sei das Marktformenschema von Möller (1962) erwähnt. In der Obersicht 94 kennzeichnet »a« den Fall vollkommener, »b« den Fall unvollkommener Märkte.

Klassifikaton der Märkte nach Eigenschaften, die für die Erklärung der Preisbildung im Rahmen der Preistheorie relevant sind. Es kann nach quantitativen und qualitativen Merkmalen unterschieden werden (vgl. Abb.). (1)  Bei der Klassifikation nach quantitativen Merkmalen wird auf die Anzahl der Anbieter und Nachfrager sowie deren relative Grösse abgestellt. Diese morphologische Einteilung unterscheidet zwischen einem (Monopol, Monopson), wenigen (Oligopol, Olig- opson) und vielen (Polypol) Anbietern und Nachfragern. Durch Kombination dieser drei möglichen Situationen auf jeder Marktseite werden Marktformen gebildet. Dieses Grundschema kann beliebig ergänzt werden. (2)     Die Kennzeichnung nach qualitativen Merkmalen führt zu vollkommenen (homogene) und unvollkommenen (heterogene) Märkten. Kriterien für einen vollkommenen Markt sind: Nutzenmaximierung der Nachfrager, Gewinnmaximierung der Anbieter, homogene Güter, keine persönlichen, räumlichen oder zeitlichen Präferenzen der Marktteilnehmer, Punktmarkt, vollkommene Markttransparenz sowie unendlich schnelle Reaktion der Marktteilnehmer (vollständiger Wettbewerb; Reaktionsgeschwindigkeit). Auf einem vollkommenen Markt gilt ein einheitlicher Preis (Gesetz der Unter- schiedslosigkeit der Preise). Diese Preiseinheitlichkeit ist Ergebnis eines Marktprozesses und nicht dessen Voraussetzung, wie dies in der statischen Marktformenlehre unterstellt wird. Ein unvollkommener Markt liegt vor, wenn mindestens eine der Bedingungen des vollkommenen Marktes nicht erfüllt ist. Man spricht dann auch von unvollkommener Konkurrenz oder unvollständigem Wettbewerb. (3)    Marktformen Robert Triff in klassifiziert die Märkte nach dem Ausmass der Interdependenz zwischen Anbietern (bzw. Nachfragern). Kriterium hierfür bildet der Triffin\'sche Koeffizient, der identisch ist mit der Kreuzpreiselastizität: Ein reines Monopol liegt vor, wenn T = 0 ist, d.h. eine Preisänderung des Anbieters 2 keinerlei Einfluss auf den Absatz des Anbieters 1 hat. Homogene Konkurrenz ist dann gegeben, wenn Anbieter 1 bei einer sehr kleinen Preissenkung des Anbieters 2 seinen gesamten Absatz einbüsst, d.h. T = ». Zwischen diesen beiden Extremen befindet sich der Bereich der heterogenen Konkurrenz, d.h. oo T 0. (4)    Von den Vertretern der traditionellen Preistheorie wurde von der morphologischen Marktform auf die Verhaltensweise geschlossen. Dieser Ansatz hat sich als zu eng erwiesen; denn das Verhalten der Marktteilnehmer hängt von den marktprozessualen Gegebenheiten ab; die Marktform ist hierbei nur ein Element.                                                Literatur: Willeke, R. Marktformen, in: HdSW, Bd. 7, Stuttgart u. a. 1961, S. 136 ff. Ott, A. E., Grundzüge der Preistheorie, 3. Aufl., Göttingen 1979.

Siehe: Marktformen

Marktformen können aufgrund der Morphologie, der Konkurrenzbeziehungen und der Verhaltensweise unterschieden werden. Aufgrund der Morphologie können Marktformenschemata aufgestellt werden, indem die Struktur des Marktes untersucht wird. Nach der absoluten Anzahl und der relativen Größe der Marktteilnehmer auf der Angebots- und Nachfrageseite können das Monopol, das Oligopol und das Polypol unterschieden werden: Die Zahl der Marktteilnehmer entspricht dabei grundsätzlich der Größe der Marktanteile, d.h. daß beispielsweise im Oligopol nur einige wenige, aber entsprechend große Unternehmungen vorhanden sind. Bei nur zwei Unternehmungen liegt ein Spezialfall des Oligopols, das Dyopol oder Duopol, vor. Eine Erweiterung des Marktformenschemas besteht darin, jeweils monopolistische, oligopolistische und polypolistische Angebots-und Nachfragestrukturen auf vollkommenen und unvollkommenen Märkten zu untersuchen, so daß neben dem Kriterium der Zahl und Größe der Marktteilnehmer auch der Grad der Marktvollkommenheit berücksichtigt wird. Eine andere Möglichkeit, eine Marktformenkonzeption zu entwickeln, die auf die Zahl und Größe der Marktteilnehmer als Gliederungsprinzip verzichtet, zeigen Kaldor und Triffin auf. Sie wählen die Stärke der Wirkung von Preisänderungen irgendeiner Unternehmung auf die Angebotsmenge der Konkurrenzunternehmungen als Kriterium für die jeweils vorherrschende Marktstruktur. Damit wird gleichzeitig versucht, die Unterscheidung in vollkommene und unvollkommene Märkte überflüssig zu machen. Sie benutzen zur Unterscheidung, ob eine homogene Konkurrenz, eine heterogene Konkurrenz oder ein reines Monopol vorliegt, eine Form der Kreuzpreiselastizität, den sogenannten Triffinschen Substitutionskoeffizienten. Eine dritte Möglichkeit, die Marktform zu untersuchen, die von der Verhaltensweise der Unternehmung am Markt ausgeht, entwickelten Ragnar Frisch und Erich Schneider. Hierbei wird unterstellt, daß nur die Verhaltensweisen für die betriebliche Preispo-litik entscheidend seien. Es werden zwei Grundtypen des Verhaltens, das monopolistische und das konkurrenzgebundene Verhalten unterschieden.

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