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Wettbewerbsintensität

Das Konzept der optimalen Wettbewerbsintensität ist ein von Erhard Kantzenbach formuliertes Leitbild der —Wettbewerbspolitik, das die Diskussion über die angemessenen Ziele und Instrumente der Wettbewerbspolitik in der Bundesrepublik Deutschland Ende der 60er Jahre wesentlich angeregt und bestimmt hat und das auch für die bedeutsame 2. Novellierung des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB) im Jahre 1973 von erheblicher Bedeutung gewesen ist. Nach Kantzenbach wird die Intensität des Wettbewerbs durch die Geschwindigkeit gekennzeichnet, mit der Vorsprungsgewinne durch den Prozess erfolgreicher Imitation "weggeschmolzen" werden. Diese Geschwindigkeit ist vor allem abhängig von der Stärke des Zwanges zur Reaktion, dem sich die zunächst noch passiven Unternehmen ausgesetzt sehen. Die Notwendigkeit der Reaktion ist dabei um so grösser, je mehr die Unternehmer bei Passivität in ihrer Existenz bedroht sind. Das Ausmass dieser Gefährdung wächst mit dem Gewicht der dann hinzunehmenden Absatzeinbussen. Die Absatzverluste werden dabei um so höher ausfallen, je grösser die Absatzbeweglichkeit zwischen dem aktiven und den passiven Unternehmen ist. Die Absatzbeweglichkeit wiederum wird durch die zwischen den Unternehmen bestehende Reaktionsverbundenheit bestimmt; denn diese gibt an, wie stark der Absatz der einen von wettbewerbsrelevanten Aktionen der jeweils anderen Firma abhängt. Die Stärke der Reaktionsverbundenheit ist dabei nach Kantzenbach gleichbedeutend mit jener der potentiellen Wettbewerbsintensität. Bei unbeschränktem Wettbewerb ist die potentielle gleich der effektiven Wettbewerbsintensität. Je mehr der Wettbewerb beschränkt wird, desto geringer ist das Ausmass, in dem die potentielle Wettbewerbsintensität tatsächlich wirksam wird. Die Reaktionsverbundenheit steigt mit der sich einem aktiven Unternehmen bietenden. Chance, von passiven Unternehmen Nachfrage abzuziehen. Sie wächst darüber hinaus mit der Möglichkeit des aktiven Unternehmens, zusätzlich gewonnene Nachfrage auch zu befriedigen. Die Chance, von passiven Unternehmen Nachfrage abzuziehen, wird durch den Homogenitätsgrad des Angebots und durch das Ausmass an Markttransparenz, also durch den Grad der Marktvollkommenheit bestimmt. Die Fähigkeit, zusätzliche Nachfrage zu befriedigen, bemisst sich durch die Höhe der Reservekapazität. Grad der Marktvollkommenheit und Anzahl der Anbieter bestimmen die Marktform, so dass sich zwischen der Marktform und der Stärke der potentiellen Wettbewerbsintensität nach Kantzenbach folgende Beziehungen ergeben: ·  Die potentielle Wettbewerbsintensität steigt mit abnehmender Anzahl an Konkurrenten und mit zunehmendem Grad der Marktvollkommenheit. ·  Ihren Maximalwert erreicht die potentielle Wettbewerbsintensität im homogenen Dyopol; extrem gering ist sie dagegen im heterogenen Polypol. Von Kantzenbach wird einem funktionsfähigem Wettbewerb vor allem die Aufgabe zugewiesen, eine rasche Durchsetzung des technischen Fortschritts bei Produkten und Produktionsmethoden zu bewirken und eine flexible Anpassung der Produktionsprogramme, -kapazitäten und -verfahren an die eine wachsende Wirtschaft kennzeichnenden Datenänderungen zu gewährleisten. Die günstigsten Voraussetzungen für eine befriedigende Erfüllung dieser sog. dynamischen Wettbewerbsfunktionen scheinen ihm bei unbeschränktem Wettbewerbsverhalten im —weiten Oligopol mit mässiger Produktdifferenzierung gegeben zu sein: Im weiten Oligopol ist die Reaktionsverbundenheit noch nicht wie im engen Oligopol so hoch, dass potentielle Innovatoren durch ein zu rasches Reagieren ihrer Konkurrenten entmutigt oder zur Verminderung des hohen Existenzrisikos dieser Marktform zur wettbewerbsbeschränkenden Verhaltensabstimmung motiviert werden. Die Reaktionsverbundenheit ist auch nicht wie im Polypol so gering, dass passiv bleibende Unternehmen eine Bedrohung ihrer Existenz kaum zu befürchten haben; sie ist vielmehr gerade ausreichend gross, um Wettbewerbsvorstösse noch lohnend erscheinen zu lassen und um einen hinreichend starken Zwang zur Reaktion auf die Aktionen aktiver Unternehmer zu begründen. Aus seinen Überlegungen leitet Kantzenbach für die Wettbewerbspolitik die Forderung ab, ·  polypolistisch strukturierte Märkte durch die Förderung von Kooperationsvereinbarungen und Unternehmenszusammenschlüssen in die Marktform des weiten Oligopols zu überführen, ·  im weiten Oligopol das Instrument einer —Zusammenschlusskontrolle einzusetzen, um zu verhindern, dass sich hier durch ein Fortschreiten des Konzentrationsprozesses enge Oligopole herausbilden, ·    im engen Oligopol die Anzahl der Anbieter durch Entflechtung zu steigern und dort, wo dies nicht möglich oder nicht sinnvoll ist, eine wirksame Missbrauchsaufsicht zu betreiben.      Literatur: Kantzenbach, E., Die Funktionsfähigkeit des Wettbewerbs, 2. Aufl., Göttingen 1967. Bartling, H., Leitbilder der Wettbewerbspolitik, München 1980.

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