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Beschäftigungstheorie

Einkommens- und Beschäftigungstheorie

auf John Maynard KEYNES zurückgehende, in kurzfristigen makroökonomischen Modellen systematisierte Darstellung und Erklärung der volkswirtschaftlichen Kreislaufgrößen und ihrer Bedeutung für die Nutzung des Arbeitskräftepotentials sowie des sachlichen Produktivvermögens. Hauptelemente der Analyse sind die in geeigneter Weise festgelegten relevanten Größen und Relationen sowie die für einen Zustand allgemeiner Planrealisation formulierten Bedingungen. Die meist als Güter-, Faktor-, Geld- und Wertpapiermarkt charakterisierten Untersuchungsbereiche werden durch spezielle Angebots- und Nachfragegleichungen und Gleichgewichtsbedingungen beschrieben. Der short-run-Charakter kommt in der Annahme eines konstanten Kapitalstocks und einer unveränderten Produktionsfunktion zum Ausdruck. Die u.a. von Joseph SCHUMPETER hervorgehobenen Antriebskräfte der kapitalistischen Entwicklung bleiben damit außer Betracht. In keynesianischen Modellen der Beschäftigungstheorie spielen die Konsumfunktion, die Investitionsfunktion, die Nachfragefunktion für Transaktionskasse und Spekulationskasse sowie die Reallohnbestimmungsfunktion                (Inputregel der Gewinnmaximierung) im Verbund mit fixiertem Geldlohnsatz eine zentrale Rolle. Zusammen mit den Annahmen über die Funktionsverläufe (KEYNES-Fälle) begründen sie die Möglichkeit eines Unterbeschäftigungsgleichgewichts und liefern Argumente für eine Bevorzugung der Nachfragesteuerung als Instrument der Beschäftigungspolitik. Tragende Säule der klassischen Modelle ist statt der Konsumfunktion die zinsabhängige Sparfunktion. Da die Investitionsnachfrage ebenfalls zinsabhängig gesehen wird, folgt die klassische Theorie nicht jener für die Keynesianische Theorie typischen Dichotomie der Spar- und Investitionsmotive. Steuerungsinstrument der Beschäftigung ist der Lohnsatz. Die Preise (und damit auch der Reallohnsatz) sind bei gegebener Beschäftigung durch das Geldangebot bestimmt, da eine Absorption der Geldmenge für spekulative Zwecke ausscheidet und die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes konstant ist. Während im Mittelpunkt der keynesianischen Beschäftigungstheorie Einkommen und Geldmarktzins stehen, nehmen in der klassischen Theorie Kapitalmarktzins und Lohnsatz diese Position ein. In der neoklassischen Beschäftigungstheorie hingegen, welche Bestandsgrößen systematisch in alle Nachfragefunktionen integriert, hat wegen der Definition dieser Bestandsvariablen als reale Größen das Preisniveau eine dominierende Stellung. Die unterschiedliche Problemsicht in den einzelnen Modellen der Beschäftigungstheorie führt zu stark voneinander abweichender Gewichtung der wirtschaftspolitischen Aufgaben und bei gleicher Zielsetzung (z.B. Vollbeschäftigung) zu u.U. konträren Politikempfehlungen (z.B., generelle Lohnsenkung oder Lohnstabilisierung als Mittel der Beschäftigungspolitik). In zunehmendem Mass wird erkennbar, dass man dem Beschäftigungsproblem mit rein ökonomischen Theorieansätzen nicht voll gerecht werden kann. Infolgedessen nimmt man immer mehr politische Aspekte in die Beschäftigungstheorie auf und stellt die Argumentation damit auf eine breitere sozialwissenschaftliche Grundlage. Am konsequentesten geht die Neue Politische Ökonomie diesen Weg. Sie stellt neben die in den makroökonomischen Modellen abgebildeten ökonomischen Systeme entsprechend strukturierte Modelle des politischen Sektors und verknüpft beide Systemkreise durch formalisierte Aussagen über die Wechselbeziehungen. Inhaltlich nimmt damit die neue Beschäftigungstheorie wieder Gedanken auf, die, zwar beschränkt auf den Kampf zwischen Arbeit und Kapital und mit weniger leistungsfähigem theoretischen Instrumentarium, die frühe Volkswirtschaftslehre verfolgt hatte. Unter institutionentheoretischen Gesichtspunkten breitet sich die Überzeugung aus, dass beschäftigungspolitische Erfolge maßgeblich von einer richtigen Aufgabenzuweisung an die verschiedenen Träger der Wirtschaftspolitik abhängen: a) Wachstumspolitik ist bei Regierungen am besten aufgehoben. Sie müssen auf marktwirtschaftliche Rahmensetzungen achten, Risiken tragen helfen, wo die Privatwirtschaft überfordert ist, und bei alledem strenge finanzpolitische Disziplin üben, damit die Staatslast nicht die Leistungsanreize mindert und Budgetdefizite privaten Interessenten auf den Finanzmärkten keine Chance mehr lassen. b) Einkommenspolitik gehört in den Verantwortungsbereich der Marktparteien bzw. ihrer Koalitionäre, die in die Schranken des Tarifrechts verwiesen sind. c) Allokative und generell strukturpolitsche Entscheidungen sind im Rahmen der marktwirtschaftlichen Grundfreiheiten von den einzelnen Unternehmen zu fällen. d) Die Geldpolitik muss dagegen von den Fesseln beschäftigungspolitischer Zielsetzungen befreit sein, weil sonst die Gefahr einer inflationistischen Schlagseite entsteht und kurzfristige beschäftigungspolitische Erfolge mit einer langfristigen Malaise erkauft würden (-4Phillips-Kurve). Literatur: Richter, R., Schlieper, U., Friedmann,W. (1981). Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (Jahresgutachten)

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