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Goldwährung

Goldstandard

Währungssystem, in dem ausschließlich Gold als gesetzliches Zahlungsmittel dient (Goldumlaufwährung, Goldstandard) oder das Geld (als Goldzertifikat) jederzeit in Gold eingelöst werden kann. Eine aktive Geldpolitik kann in diesem System nur über eine Veränderung der Goldmenge betrieben werden. In einem System der Goldkernwährung wird dagegen lediglich garantiert, daß Banknoten und Giralgeld jederzeit bei der Zentralbank in Gold umgetauscht werden können. Die Geldmenge ist nicht mehr vollkommen durch Gold gedeckt, da sich auch Giralgeld bilden kann. In einem System mit Golddevisenwährung werden Gold und in Gold einlösbare Devisen als Deckungsreserve des Geldumlaufes benutzt. Internationale Transaktionen zum Zahlungsbilanzausgleich erfolgen in Goldtransfers. Die Schweiz verfügt noch über eine Goldwährung. Allerdings wird gegenwärtig deren Aufhebung diskutiert.

Unter einer Goldwährung versteht man eine Währung, deren Wert in Bezug auf das Edelmetall Gold fixiert ist. Goldwährungen gibt es heutigentags nicht mehr. In der Geschichte des Geldes spielte das Gold allerdings eine erhebliche Rolle.

Erste reine Goldmünzen sind aus der Zeit des letzten Lyderkönigs Krösus (Kroisos) überliefert, der um 595 vor Christus geboren wurde und vermutlich 547 starb. Auch sein Vater Alyattes benutzt Gold für die Münzen, läßt sie allerdings aus einer Legierung von Gold und Silber herstellen. Etwa zeitgleich gibt es auch in der griechischen Polis Athen Münzen aus einer Gold-Silber-Legierung namens Elektron. Das Römische Reich hinkt in der Geldentwicklung erst einmal hinterher. Erst 289 v. u. Z. wird in Rom eine Münzwährung eingeführt, allerdings noch nicht als allgemeines Tausch- und Zahlungsmittel. Zum Einsatz kommt neben dem Silber auch das Gold (außerdem Kupfer und die Kupfer-Zinn-Legierung Bronze). Unter dem Kaiser Augustus (27 vor bis 14 nach Chr.) wird im Römischen Reich ein neues Münzsystem mit dem Aureas als Goldmünze eingeführt. Und auch der römische Kaiser Konstantin der Große (306 bis 337) versucht im 4. Jahrhundert eine Neuordnung des römischen Münzwesens. Als neue Goldmünze kommt der Solidus (Schilling) auf. Der Solidus wird alsbald die Hauptwährung des Byzantinischen Weltreiches, das sich aus den Trümmern des Oströmischen Reiches erhebt.

Für Europa ergibt sich in der Folgezeit eine lange Dürreperiode auf dem Gebiet der Goldwährung. Dominierend bei der Goldwährung war die byzantinische und die moslemische Welt, bis sich durch das Aufblühen der oberitalienischen Städte im 13. Jahrhundert ein neuer Wendepunkt in der europäischen Währungsgeschichte ergab. Vilar schreibt in »Or er monnaie dans l’histoire, 1450-1920« (dt. Titel »Gold und Geld in der Geschichte«) über die »Länder des Goldes«: »Das Gold des Westens war schon zur Zeit der Blüte des Römischen Reiches durch den Kauf kostbarer Güter (Seide, Gewürze) nach Osten abgeflossen ... Auf ähnliche Weise wurde Byzanz vom Perserreich der Sassaniden geschröpft, die das Gold horteten und das Silber in Umlauf brachten. Während das Gold von den orientalischen Städten gehortet wird, kann Byzanz... dank der Minen von Nubien (Oberägypten) den Goldsolidus in seinem ursprünglichen Wert von 72 solidi (Hervorhebung von Vilar - d.A.) auf ein Pfund Gold beibehalten ... Dann setzte im Jahre 640 die moslemische Invasion ein, die nacheinander Persien, Syrien, Ägypten und Mesopotamien erreicht, später den Magh-reb, Spanien und Süditalien. Der Kalif Abd-el-Malik läßt 694 Goldmünzen nach dem Vorbild des solidus fertigen, aber mit islamischen Inschriften: Suren aus dem Koran. Dieser moslemische Gold-Dinar... tritt von nun an in Konkurrenz zum Besant, wie der byzantinische solidus im Westen genannt wird... Von dem Zeitpunkt an, als es mehrere Kalifate gab, prägte man, gleich ob in Bagdad, in Cordoba oder in Kairo, Gold ... Lange Zeit kann dieses Gold weit im Mittel-meerraum zirkulieren, denn die Moslems halten die spanischen Küsten, die Balearen, Sizilien und Süditalien besetzt. Der alte Strom, der Gold aus dem Westen gegen die Luxusprodukte des Orients in den Osten des Mittelmeers fließen läßt, geht also weiter. Aber auch der rückständige Westen wird von diesem Handels- und Geldkreislauf erfaßt. Die Moslems kaufen im Westen Zinn, Waffen, Pelze, vor allem auch Sklaven. Aber das moslemische Gold, mit dem diese Käufe bezahlt werden, kehrt schnell über Byzanz in den Orient zurück... So umströmt das Geld den europäischen Kontinent, ohne ihn zu durchdringen.«

Mit der wirtschaftlichen Entwicklung der Städte Oberitaliens tritt hier eine Änderung ein.

Die wirtschaftliche Blüte der oberitalienischen Handelsmetropolen führt dazu, daß ab 1252 in Florenz wieder eine Goldmünze geprägt werden, der Flore-nus oder Florin (Florint). Dem florentinischen Beispiel folgten 1259 Perugia, 1273 Lucca, 1284 Venedig, dann Mailand. In der ungarischen Währung Forint lebt der Florin bis auf den heutigen Tag fort, aber nicht nur dort. In Deutschland wurde der Florin wegen seines Rohstoffes bald nur noch Gulden genannt.

Seit den Karolingern wurde Deutschland von der Silberwährung beherrscht. Die Renaissance brachte auch wieder Goldmünzen nach Deutschland, den Gulden und später den Dukaten.

Um 1325 begann man in Deutschland nach dem Vorbild der Florene mit dem Prägen von Goldgulden. Ebenfalls als Goldwährung wurde der Dukaten hergestellt, der sich als wertstabiler als der Goldgulden erwies. »Mit dem Goldgulden und später mit dem Dukaten entstanden aber überregionale, ja reichseinheitliche Wertmesser für das ganze Münzwesen, bis der Goldgulden dann im 16. Jahrhundert als Hauptmünze durch den anfangs wertgleichen Taler als neue Großsilbermünze verdrängt wurde«, schreibt Herbert Rittmann in seinem Buch »Auf Heller und Pfennig. Die faszinierende Geschichte des Geldes und der wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland«.

Im Jahre 1694 wird die Bank of England gegründet. Sie betreibt die Bindung des Pfund Sterling an das Gold, und das ist der Beginn dessen, was wir heute unter Goldwährung verstehen. Durchgesetzt hatte sich die Goldwährung im 19. Jahrhundert, zuerst in Großbritannien (1816), dann in Deutschland (1873) bis zu Rußland (1897) und den USA (1900). »Das 19. Jahrhundert«, schreibt Pierre Vilar, »war ein Zeitalter des stabilen Geldes, der Treue zur Goldwährung in allen Ländern mit entwickelten Volkswirtschaften. Im 20. Jahrhundert entfernte sich ein Land nach dem anderen von der Goldwährung ...« Im Gefolge des Ersten Weltkriegs brach die Goldwährung zusammen. England löste 1931 das Pfund Sterling vom Goldstandard, 1933 verabschiedeten sich die Vereinigten Staaten vom Goldstandard. Er lebte noch einmal auf im Bretton-Woods-Abkommen von 1944, das erhebliche Folgen für die Weltwirtschaft nach dem Zweiten Weltkrieg hatte, doch nach dem Ende des Bretton-Woods-Systems im März 1973 spielt Gold in den internationalen Währungssystemen keine Rolle mehr. Bei einer Goldwährung wurde die jeweilige Währungseinheit in Mengeneinheiten von Gold festgelegt (Goldparität). So konnte sich der konkrete Wert einer Währung aus dem Goldgehalt ergeben. Bei einer reinen Goldumlaufwährung sind Goldmünzen das einzige gesetzlich zugelassene Zahlungsmittel, bei einer gemischten auch Scheidemünzen und Banknoten. Für die Scheidemünzen und Banknoten gab es eine Golddeckung (Goldreserven). Waren Scheidemünzen oder Noten gar an Goldbarren gebunden (sogenannte Goldkernwährung), existierte eine Pflicht der Zentralbanken, sie in Gold einzulösen.

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