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Institutionalismus

nennt sich eine mit Beginn des 20. Jh. an Bedeutung gewinnende Richtung der amerikanischen Wirtschaftswissenschaft, die die Auffassung vertritt, ökonomische Wirklichkeit müsse unter dem Aspekt historischen Wandels interpretiert werden. Sie müsse daher durch eine exakte (statistische) Beschreibung existierender sozialökonomischer Institutionen erfasst und auf der Grundlage einer Analyse ihrer zahlreichen Wechselwirkungen interpretiert werden. Kennzeichnend ist ein ausgeprägter Pragmatismus, der ohnehin weite Bereiche der amerikanischen Sozialwissenschaften durchdringt. Meist entfalteten sich institutionalistische Argumente über eine Kritik abstrakter theoretischer Wissenschaftssysteme. Institutionalistische Forschung charakterisieren die folgenden Grundauffassungen: •   Ökonomisches Verhalten wird wesentlich geformt durch die institutioneile Umwelt, in der sich ökonomisches Handeln vollzieht (in all ihren Manifestationen). Ökonomisches Verhalten beeinflusst jedoch wiederum die institutioneile Umwelt. •   Dieser Prozess wechselseitiger Interaktion ist evolutionär. Die Umwelt wandelt sich, und mit ihr verändern sich die Determinanten ökonomischen Verhaltens. Daraus resultiert die Notwendigkeit eines "evolutionären" Ansatzes in der Nationalökonomie. •   In diesem evolutionären Prozess der Interaktion gelten als Schlüsselfaktoren die moderne Technologie und die monetären Institutionen des modernen Kapitalismus. •   Für die Nationalökonomie ist das Phänomen des Konflikts bedeutsamer als die Idee einer harmonischen Ordnung, in der unbewusste Kooperation aus einem freien Spiel der Marktkräfte erwächst. •   Da sich in zahlreichen ökonomischen Beziehungen Konflikte ausdrücken und diese Beziehungen nicht unwandelbar sind, sind Raum und Notwendigkeit für eine soziale Kontrolle der ökonomischen Tätigkeit gegeben. •   Die Nationalökonomie muss soviel wie möglich von den Disziplinen der Psychologie, Soziologie, Anthropologie und des Rechts lernen, um zu verstehen, warum menschliche Wesen so handeln, wie sie es in ihren ökonomischen Rollen tun. Menschen sind keine maximierenden Automaten, die mechanisch in einem institutionellen Vakuum reagieren. •   Gelten die genannten Annahmen, ist manches der "orthodoxen" ökonomischen Theorie revisionsbedürftig. Eine neue, umfassendere evolutionäre Theorie - auf der Basis von Verhaltensannahmen, die von anderen Disziplinen der Sozialwissenschaften entdeckt wurden, oder von detaillierten Kenntnissen über die Evolution und die gegenwärtigen Charakteristika der institutioneilen Umwelt - muss aufgebaut werden. Breit angelegte empirische Studien müssen durchgeführt werden, um diese theoretischen Bemühungen zu unterstützen. Als Begründer des Institutionalismus gilt Thor stein B. Veblen; seine Kritik wandte sich vornehmlich gegen die Verhaltensannahmen der amerikanischen Grenznutzenschule und die Folgerungen, die bezüglich der Entwicklung des modernen Wirtschaftssystems geäussert wurden. Wesley C. Mitchell gab der empirischen Konjunkturforschung wesentliche Impulse. Er begründete die Tradition des National Bureau of Economic Research, das über die Erforschung des Konjunkturzyklus hinaus sich um die empirische Erfassung von Volkseinkommensgrössen und Lebensstandards sowie ihrer Einzelkomponenten verdient machte. John R. Commons entwickelte eine Konzeption, die sehr stark von der Entwicklung des amerikanischen Rechtssystems geprägt war: Rechtsordnung und Gesetze sind die Basis jeglicher institutionellen Ordnung; sie sind zugleich Ansatzpunkte für die Gestaltung moderner Wirtschaftsgesellschaften. Auf Commons vermag sich auch jene Forschungsrichtung zu berufen, die vom Begriff der Transaktionskosten her institutionelle Arrangements in modernen Industriegesellschaften erklären will. Transaktionskosten sind Kosten der Nutzung von Institutionen (wie Märkte, Eigentum, Unternehmen). Solche Arrangements sollten durch die Gesetzgebung gefördert werden, bei denen die geringsten Transaktionskosten anfallen. Für Commons stellten auch Eigentumsrechte ein wichtiges ökonomisches Problem dar. Alternative Formen ökonomischer Organisation sind denkbar und unterschiedlich leistungsfähig. Deshalb sind Vergleiche alternativer institutioneller Arrangements eine Voraussetzung für die Entdeckung gesamtgesellschaftlich effizienter Ergebnisse. Seit etwa 1960 stellen Autoren wie Armen A. Alchian, James M. Buchanan, Ronald Coase und Harold Demsetz in Verbindung mit den Begriffen "property rights" und "Transaktionskosten" die sozialen Institutionen derart in den Mittelpunkt ihrer Analysen, dass Hans Albert von der Entstehung eines theoretischen Institutionalismus im Rahmen der ökonomischen Tradition spricht. Er verhelfe einer der zentralen Ideen der Klassik wieder zu ihrem Recht, da er die Bedeutung rechtlicher Regulierungen für die Steuerung sozialer Prozesse hervorhebt. Es werde eine Entwicklung nicht ausgeschlossen, die an die Stelle einer  Wohlfahrtsökonomie, die dazu tendierte, das Problem der sozialen Ordnung auf ein Problem ökonomischer Effizienz zu reduzieren, die Konzeption einer freien Gesellschaft setzt, einer Gesellschaft, in der die Wertungen und Entscheidungen der Individuen eine Chance haben, sich so weit wie möglich im Rahmen einer akzeptablen Rechtsordnung zur Geltung zu bringen ( Neue Institutionenökonomik, Theorie des institutionellen Wandels).                                              Literatur: Dorfman, J. u.a., Institutional Economics, Berkeley, Los Angeles 1963. Montaner, A., Der Institutionalismus als Epoche amerikanischer Geistesgeschichte, Tübingen 1948. Siehe ferner die Beiträge von Meyer, W und Krüsselberg, H. G., in: Schüller, A. (Hrsg.), Property Rights und ökonomische Theorie, München 1983.

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