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Konjunkturmodelle

formalisierte Konjunkturtheorien zur Erklärung der  Konjunktur, d.h. der Entwicklung makroökonomischer Variablen (Volkseinkommen, Beschäftigung, Kapazitätsauslastung, Löhne und Preise sowie deren Änderungsraten) in der Zeit. Im Vergleich zur Einkommens- und Beschäftigungstheorie, die insb. nach der keynesianischen Revolution diese Variablen zu einem bestimmten Zeitpunkt erklärt, bilden Konjunkturmodelle mehr oder weniger regelmässige zyklische Schwingungen eines intertemporalen bzw. dynamischen Marktsystems ab. Sie erklären somit erstens Konjunkturzyklen, d.h. kumulative Entwicklungsprozesse einer Variablen im Auf- und Abschwung, deren Wendepunkte und ihre (nicht regelmässige) Wiederkehr in der Zeit. Zweitens erklären sie die beobachteten und stilisierten Regelmässigkeiten in den Verhältnissen der Zeitreihen verschiedener Variablen zueinander, d.h. z.B. die Beobachtung, dass die Zyklen in der Produktion dauerhafter Güter (kurzfristiger Zinssätze) ausgeprägter sind als die nicht-dauerhafter (langfristiger Zinssätze). Wird die "Zeit" als eine stetige Grösse definiert, so wird die Dynamik des Marktsystems durch ein System von (interdependenten und stetig nach der Zeit differenzierbaren) Differentialgleichungen erfasst. Ist die "Zeit" hingegen eine Abfolge von Perioden gleicher Länge (z.B. ein Monat, Quartal oder Jahr), so wird ein System von Differenzengleichungen verwendet. Der Wert der (endogenen) Variablen zu einem bestimmten Zeitpunkt oder in einem Zeitraum ist u.a. bestimmt von den realisierten Werten derselben Variablen in Vorperioden. Aufgrund der hohen Komplexität derartiger Modelle werden die Wertereihen der endogenen Variablen in der Zeit (Zeitreihen) durch Simulation, d.h. eine durch den Computer fortwährend durchgeführte numerische Lösung des Differenzen- bzw. Differentialgleichungssystems generiert. Derartige dynamische Modelle können neben monotonen Entwicklungen der Variablen prinzipiell drei Formen von Schwingungen erzeugen: Die Schwingungen können hinsichtlich Amplitude und Periodizität bzw. Frequenz abnehmen, zunehmen oder gleichbleiben. Der erste Fall erfordert stets neue exogene Anstösse, da das Modell sonst "ausschwingt". Im zweiten ist die Entwicklung instabil, da die Variablenwerte "explodieren", sofern keine Ober- und Untergrenzen (ceilings, floors) wie Kapazitätsbeschränkungen, Abschreibungsobergrenzen etc. existieren (John Richard Hicks). Eine stabile endogen-zyklische Entwicklung einer Volkswirtschaft liegt vor bei gleichbleibenden Schwingungen, die (realitätsfern) harmonisch bzw. sinusförmig oder (realitätsnah) langfristig nicht auslaufend bei nicht harmonischen bzw. sinusförmigen Einzelzyklen (Hugh Rose) sein können. Ein "chaotischer" Konjunkturverlauf liegt im Falle vollkommen aperiodischer Schwingungen vor. Theoretische Konjunkturmodelle analysieren i.d.R., ob (theoretisch begründete und/ oder empirisch beobachtete) Verhaltensweisen zu einer zyklischen Entwicklung der Volkswirtschaft führen. Dazu wird diese Verhaltensgleichung zunächst in einem extrem einfachen Modell (wie z.B. die Akzeleratorhypothese im Lagerhaltungszyklus oder Multiplikator-Akzelerator-Modell) untersucht und dann in ein gegebenes Konjunkturmodell einbezogen, um zu analysieren, wie sich das zyklische Verhalten des Systems kausal ändert. Die Untersuchung der Auswirkungen veränderter Markt- oder Verhaltensstrukturen auf das Gesamtsystem ist notwendig, da die Möglichkeit des wirtschaftspolitischen Experimentes nicht besteht. Katastrophentheoretische Konkjunkturmodelle analysieren die konjunkturelle Dynamik von Systemen bzw. Volkswirtschaften, wenn sich die Verhaltensweisen dann ändern, wenn bestimmte Variable bestimmte Grenzwerte überschreiten, d. h. im Falle von Diskontinuitäten bzw. Strukturbrücken ( Persistenzen). Das Ziel der Entwicklung ökonometrischer Konjunkturmodelle liegt unmittelbar in der numerischen Spezifikation eines Modelles (seiner Variablen, einschl. Parameter, Elastizitäten etc.) für ein bestimmtes Land in einer bestimmten (kalendarischen) Periode. Diese zeit- und raumbezogenen Modelle dienen der Konjunkturprognose. Die verfügbaren Statistiken bestimmen dabei wesentlich die Modellstruktur bezüglich der Aggregation sowie der dynamischen Gleichungen. Ökonometrische Konjunkturmodelle mit guten Expost-Prognosen behalten ihren Erklärungswert solange wie die in ihnen unterstellten Verhaltensweisen stabil und die Marktstruktur sowie der institutionelle Rahmen einschl. der internationalen Verflechtung in Form des internationalen Konjunkturverbundes annähernd unverändert sind und die verwendeten Datenreihen fortgeführt werden (keine neu abgegrenzten Aggregate, neu berechneten Indizes etc.).               Literatur: Enke, H. u.a., Struktur; Konjunktur und Wirtschaftswachstum, Tübingen 1984. Hickman, B. G. (Hrsg.), Economic Models of Cyclical Beha- vior, New York, London 1972. Mullineux, A. W, The Business Cycle after Keynes, Brighton 1984. Ursprung, H. W, Die elementare Katastrophentheorie, Berlin 1982.

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