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Konjunkturtheorien

Ansätze zur Erklärung der zyklischen Entwicklung (Konjunkturzyklus) der gesamtwirtschaftlichen Aktivität, d.h. der Gesamtheit von makroökonomischen Variablen in der Zeit. Sie entwickelten sich als Krisentheorien mit der industriellen Revolution und erlangten insb. seit der  Weltwirtschafts- krise wirtschaftspolitische Bedeutung. Mit dem Entstehen einer systematischen empirisch-statistischen Konjunkturforschung (Clement Juglar, Wesley C. Mitchell, Arthur Spiethoff, Ernst Wagemann etc.) wurden die Konjunkturtheorien zunehmend zu Konjunkturmodellen formalisiert. In steigendem Masse werden sie auch für die offene Volkswirtschaft entwickelt, da der internationale Konjunkturzusammenhang bei einer steigenden Integration für die Erklärung der Konjunkturentwicklung immer bedeutsamer wird. Die ersten Konjunkturtheorien erklärten die zyklische Entwicklung nicht ökonomisch, sondern über zyklisch exogene Störungen einer Volkswirtschaft. Derartige sich über die Ernten auswirkende (zyklisch wiederkehrende) kosmische Gegebenheiten können Sonnenflecken (Williams Stanley Jevons) oder Naturkatastrophen aufgrund bestimmter Sonne-Mond-Erde-Konstellationen (Fienry L. Moore) sein. Die Möglichkeit zyklischer Schwankungen aufgrund von (auch derartigen) Zufallsprozessen wurde später nachgewiesen (Eugen E. Slutzky), womit die Grundlage für die (auf erratischen, unkorrelierten "Schocks" aufbauenden) modernen stochastischen Konjunkturtheorien (Ragnar Frisch, Robert E. Lucas, Jr.) gelegt wurde. Auch Erklärungen in Richtung politischer Unruhen (Johan A. Akerman) oder des politischen (Wahl-)Zyklus (Bruno S. Frey, W.-D. Nordhaus) gehören in diese Kategorie. Zu den ökonomischen Konjunkturtheorien zählt die Gruppe der historisch-ökonomischen Theorien, die die zyklische Entwicklung auf eine bestimmte Wirtschaftsordnung und -Verfassung zurückführen. Hierzu rechnen marxistische Krisentheorien, aber auch jene Theorien, die die Konjunktur monokausal über eine einzelne Ursache oder multikausal über einen Ursachenkomplex zu erklären versuchen. So werden betont: •   das Investitionsverhalten (Überinvesti- tionstheorien; Joseph A. Schumpeter; Knut Wickseil), •   die Einkommensverteilung ( Unterkonsumtionstheorien; Erich Lederer; Erich Preiser), •   die Geldmenge bzw. das Kreditvolumen (monetäre Konjunkturtheorien; Milton Friedman, Ralph G. Fiawtrey) oder •   die instabilen Verhaltensweisen aufgrund von Erwartungs- und Planungsunsicherheit (psychologische Konjunkturtheorie; Walter A. Jöhr, John Maynard Keynes). Die Ökonom. Konjunkturtheorien, die wie die Einkommens- und Beschäftigungstheorie ein interdependentes Marktsystem erklären, unterscheiden sich insb. durch den für die Koordination der individuellen Entscheidungen unterstellten Marktausgleichsmechanis- mus und für die zeitliche Verbreitung von Schocks bzw. Datenänderungen im Rahmen der (zeitlich interdependenten) einzelwirtschaftlichen Entscheidungen vermuteten Mechanismus. Die Konjunkturtheorie aufgrund der Klassischen Theorie und insb. der Neuen Klassischen Makroökonomik (Lucas, Jr.) unterstellt, dass alle Märkte über den Preismechanismus permanent gleichgewichtig geräumt sind und dass die Informationsbeschaffung und -Verwertung (Erwartungsbildung) zusammen mit allen Entscheidungen simultan und ökonomisch-rational aus einem (intertemporalen Nutzen-)Maximierungskalkül erfolgen. Für die zyklischen Schwankungen ist entscheidend, dass die Informationen über veränderte Daten oder Markt- bzw. Systemzusammenhänge zu Beginn eines Diffusionsprozesses unvollständig und zwischen den Wirtschaftssubjekten selbst noch (ad hoc) asymmetrisch verteilt sind. Exogene monetäre Schocks sind die Ursache der Konjunkturschwankungen in dieser sog. Gleichgewichtstheorie des Konjunkturzyklus. Varianten dieser Theorie (J.B. Long, Gh. I. Plosser) betonen als sog. Reale Konjunkturtheorien reale Schocks in Form von Steuer-, Ausgaben- oder Technologieänderungen und eine endogene Anpassung der Geldmenge an Outputvariationen (sog. reverse causation). Neue Varianten erklären Konjunkturschwankungen durch die Präferenzen der Wirtschaftssubjekte in Modellen mit überlappenden Generationen (J.-M. Grandmont) oder durch verschiedene psychologische Faktoren, d.h. sog. Sunspots (C. Azaria- dis, R. Guesnerie). Die zum Keynesianismus zu rechnenden Konjunkturtheorien umfassen die Ansätze aufgrund der sog. Ungleichgewichtstheorie bzw. mengenrationierter Märkte (Edmond Malinvaud) ebenso wie die dem  IS/LM- System verhafteten Multiplikator-Akzelera- tor-Modelle (John R. Hicks, Paul A. Samuel- son) oder an der Einkommens-/Vermögens- verteilung ansetzende Theorien (Richard M. Goodwin, Michal Kalecki, Nicolas Kaldor). Sie verwenden entsprechend den obigen Unterscheidungsmerkmalen unterschiedliche Ausgleichsmechanismen für die Märkte ( Rationierung; Preismechanismus), so dass es bei marktspezifischen Preis- und Mengenrigiditäten in der Zeit zu ungewollter Nachfrage (ungeplante Lagerhaltung; unfreiwillige Arbeitslosigkeit etc.) kommt. Die zeitliche Interdependenz der wirtschaftlichen Aktivitäten wird über die Vermögens- sowie Kapitalakkumulation und z.T. über eine Lohn-Preis- Dynamik in Form der Phillips-Kurve gewährleistet, aber die Erwartungen der Wirtschaftssubjekte werden im Grunde (ad hoc) temporär exogen gebildet. Im Rahmen der Modelle zum Verteilungskampf (R. M. Goodwin) werden heute einerseits Persistenzen und Hysterese erklärt. Andererseits dominieren heute spieltheoretische Ansätze, so dass Konjunkturschwankungen die Folge der strategischen Verhaltensweisen von Gewerkschaften, Unternehmerverbänden, Staat usw. sind.                           Literatur: Lucas, R. E., Jr., Studies in Business Cycle Theory, Oxford 1981. Vosgerau, H.-J., Konjünk- turtheorie, in: HdWW, Bd. 4, Stuttgart u.a. 1978. Teichmann, U., Grundriss der Konjunkturpolitik, 4. Aufl., München 1988. Fleubes, J., Konjunktur und Wachstum, München 1991.  

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