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Oligopoltheorie

theoretische Erklärung von Verhaltensweisen und Strategien eines Wirtschaftssubjektes, das sich mit nur wenigen anderen auf der Angebotsseite eines Marktes befindet. Das Kernproblem der Oligopoltheorie ist es, sinnvolle Reaktionshypothesen und damit Reaktionskoeffizienten herauszufinden. Die verschiedenen Ansätze in der Oligopoltheorie unterscheiden sich meist lediglich hinsichtlich dieser Hypothesen und Koeffizienten. Gegenstand der Oligopoltheorie ist vor allem die Preisbildung. Es darf jedoch nicht übersehen werden, dass für Oligopolisten neben dem Preis je nach den marktprozessualen Gegebenheiten auch andere Aktionsparameter (z.B. Produkt, Werbung, Service, Forschung und Entwicklung) wichtig sind. Zur Untersuchung der Preisbildung im Oligopol ist es zweckmässig, eine Unterscheidung in vollkommene und unvollkommene Märkte vorzunehmen. Hierbei muss die oligopolistische Interdependenz beachtet werden. Robert Triffin bezeichnet dies als "zirkulare Beziehungen" - Ernst Heuss spricht von "zirkularer Interdependenz" -, d.h. es wird auf die gegenseitige Beeinflussung und damit Abhängigkeit der Oligopolisten abgehoben. Dadurch unterscheiden sich der Oligopolist wesentlich vom Polypolisten und vom Monopolisten. Da die Komplexität der Oligopolmodelle mit der Anzahl der Oligopolisten stark zunimmt, berücksichtigen die meisten Modelle lediglich zwei Oligopolisten, d.h. die Mehrzahl der Oligopolmodelle sind Dyopolmodelle. (1)  Oligopol (Dyopol) auf einem vollkommenen Markt: Den Modellen liegen unterschiedliche Hypothesen (Mengenstrategien) zur Erklärung der Preisbildung zugrunde. (a)  Cournot\'sehe Lösung: Jeder Dyopolist betreibt eine autonome Mengenstrategie, d.h. die Menge des anderen ist für ihn Datum. Für den einzelnen Dyopolisten ist seine eigene Menge Aktionsparameter, während er davon ausgeht, dass seine Mengenvariationen keine Veränderungen der Angebotsmenge seines Konkurrenten auslösen. Die Mengen-Reak- tions-Koeffizienten (Ausdruck dafür, wie der einzelne Dyopolist mengenmässig auf eine Mengenänderung des anderen reagiert) dx2 / dx! und dx! / dx2 sind somit gemäss der Meinung der beiden Anbieter Null. Wird ferner von Produktionskosten abgesehen und von einer linearen Nachfragefunktion ausgegangen, so findet bei Gewinnmaximierung der gegenseitige Anpassungsprozess solange statt, bis auf jeden Dyopolisten ein Drittel der Sättigungsmenge entfällt. Insgesamt werden 2A der Sättigungsmenge angeboten (Cournotsche 2A- Lösung; vgl. Abb.). (b)  Oligopoltheorie Stackeiberg\'sehe Asymmetrielösung: Die Dyopolisten betreiben eine unterschiedliche Strategie; während der eine Anbieter die Menge des anderen wie bei der Cour not\'sehen Lösung als Datum (Abhängigkeitsposition) betrachtet, weiss der andere, dass sich sein Konkurrent ständig anpasst. Er berücksichtigt dies, indem er jeweils die Menge anbietet, die ihm nach der Anpassung seines Konkurrenten den grössten Gewinn abwirft, d.h. er betreibt eine Überlegenheitsstrategie oder er nimmt eine Unabhängigkeitsposition ein. Er ist der Klügere und wirft jeweils die Hälfte der Sättigungsmenge auf den Markt, während der andere, der sich immer anpasst, ein Viertel der Sättigungsmenge anbietet. Die gesamte Angebotsmenge beträgt damit 3A der Sättigungsmenge (Stackelberg\'sche Asymmetrielösung; vgl. Abb.). (c)  Bowley\'sche Lösung: Beide Dyopolisten versuchen nun, eine Überlegenheitsstrategie zu betreiben. Da das Unabhängigkeitsangebot gleich der Hälfte der Sättigungsmenge ist, bieten beide zusammen die Sättigungsmenge an. uaauren rain aer rreis aur inuh. l(iese Kampfsituation kann nur dann vermieden werden, wenn sich einer dem anderen unterwirft oder sich beide Dyopolisten verständigen (z.B. abgestimmtes Verhalten). (d)  Gemeinsame Gewinnmaximierung: Beide Dyopolisten verständigen sich und betreiben eine gemeinsame Gewinnmaximierung (Kartelle, Kollektivmonopole). Sie bieten nun zusammen die Monopolmenge an (Monopollösung, vgl. Abb.). Hinsichtlich der Gewinne G ergibt sich folgende Reihenfolge der Lösungen: Oligopoltheorie (2)  Oligopol (Dyopol) auf einem unvollkommenen Markt: Bei diesen Modellen steht nun nicht mehr die Mengen-, sondern die Preisstrategie im Vordergrund. Die oligopolistische Interdependenz nimmt auf einem unvollkommenen Markt mit der Heterogenität des Marktes ab. (a)  Launhardt-Hotelling-Lösung: Diese Lösung entspricht der Cournot\'schen Lösung auf dem vollkommenen Markt: Jeder Dyopolist geht davon aus, dass seine abgesetzte Menge vom eigenen Preis und vom Preis des anderen Dyopolisten, der für ihn Datum ist, abhängt (Politik der Preisabhängigkeit). Vor diesem Hintergrund bestimmt nun jeder gemäss seiner Reaktionskurve seinen gewinnmaximalen Preis. Statt einer Mengenreaktions- kurve ergibt sich jetzt jeweils eine Preisreak- tionskurve. (b)  Lösung von Krelle und Ott: Es wird hier von einem "friedlichen" Verhalten der Oligopolisten ausgegangen. Jeder Dyopolist berücksichtigt mögliche Reaktionen des anderen auf seine Preisänderung; er wird nur dann seinen Preis ändern, wenn dies zu einer Erhöhung des Gewinns führt. Es ergibt sich hierbei ein Gleichgewichtsgebiet von Kombinationen beider Preise, bei dem keiner der Dyopolisten an einer Preisänderung interessiert ist. Auf diese Weise wird die in der Realität beobachtete Preisstarrheit erklärt. (c)  Heuss\'scbe Lösung: Jeder Anbieter denkt in der Kategorie der Marktnachfrage; aufgrund von Lernprozessen findet (zunächst) eine Identifikation der Aktions-Reaktions- Verbundenheit zwischen den Konkurrenten beim Einsatz des Parameters Preis statt, was zu einem oligopolistischen Verhalten beim Einsatz dieses Aktionsparameters führt. Es wird eine Politik der festen Preisrelation betrieben. Jeder Dyopolist weiss, dass auf seine Preisänderungen der Konkurrent so reagiert, dass das Preisverhältnis konstant bleibt. Preisführer ist derjenige, dessen Optimalpreis niedriger als sein Gefolgschaftspreis ist. Hierbei kann es im Zeitablauf sowohl zu einem Wechsel in der Preisführerschaft als auch zu einer vorübergehenden Aufgabe des oligopolistischen Verhaltens hinsichtlich des Parameters Preis kommen. Da aufgrund des Erfahrungsprozesses im Laufe der Marktentwicklung eine Identifikation der zirkularen Interdependenz (Aktions- Reaktions-Verbundenheit) bei den Nichtpreis- parametern (Werbung, Produktdifferenzierung, Forschung und Entwicklung) gelingt, wird das oligopolistische Verhalten auch auf den Einsatz dieser Aktionsparameter übergreifen. Die Folge hiervon können weitere Wettbewerbsbeschränkungen sein (abgestimmtes Verhalten, Kartelle).                Literatur: Fehl, U./Oberender, P., Grundlagen der Mikroökonomie, 5. Aufl., München 1992. Heuss, E., Allgemeine Markttheorie, Tübingen, Zürich 1965. Krelle, W., Preistheorie, I. Teil, 2. Aufl., Tübingen 1976.

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