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Zwischenziel

Operiert die Geldpolitik mit einem Zwischenziel (z.B. der Geldmenge), bezeichnet man dies als zweistufige Strategie, da sie sich zur Erreichung des Endziels auf eine weitere Variable — eben das Zwischenziel — konzentriert, die sie eher kontrollieren kann. Eine sinnvolle Zwischenzielgröße sollte dabei einen im Zeitablauf stabilen Zusammenhang zum Endziel aufweisen.

Die Bildung von Zwischenzielen setzt eine Zielhierarchie voraus, in der Ziele in einer Rangordnung eingestuft werden, und zwar in Oberziele, Zwischenziele und Unterziele. Ist als Oberziel die Gewinnmaximierung und als Unterziel in der Produktion die Minimierung der Rüstzeiten formuliert, so kann als Zwischenziel die Kostenminimierung angestrebt werden.

werden von der —Geldpolitik während der Übertragung (Transmissionsmechanismus) ihrer Impulse in den realwirtschaftlichen Sektor einer Volkswirtschaft auf die wirtschaftspolitischen (End)-Ziele Produktion, Beschäftigung und Preisniveau verfolgt, da im Laufe dieses Übertragungsmechanismus Wirkungsverzögerungen auftreten; ausserdem könnte eine geldpolitische Massnahme von den Wirtschaftssubjekten nicht angenommen — sinkende Zinssätze brauchen z. B. die Investitionen nicht unbedingt anzuregen — oder auch durch Ausweichaktionen unterlaufen werden. Die Geldpolitik strebt daher mit ihren Massnahmen zunächst bestimmte Zwischenziele im monetären Bereich an, um möglichst frühzeitig und unverfälscht, also ohne den Einfluss von Ausweicheffekten, den Erfolg ihrer Politik beobachten zu können. Diese Konzeption geht auf Karl Brunner und Allan Meltzer zurück. Ende der 60er Jahre beabsichtigte die Deutsche Bundesbank das Zwischenziel -  Kreditvolumen zu beeinflussen, aber auch die freie Liquidität der Geschäftsbanken, um die Geldschöpfung zu steuern. Seit Beginn der 70er Jahre verfolgte die Bundesbank ein Geldmengenziel, nach dem als Zwischenziel die Zentralbankgeldmenge in der Definition der Bundesbank (Zentralbankgeld) so gesteuert werden soll, dass mit der gesteigerten Geldmenge das Wachstum der realen Produktion finanziert werden kann. Ab 1989 hat die Deutsche Bundesbank als Zwischenziel die Geldmenge M3 gewählt. Das angekündigte Geldmengenziel richtet sich also auf eine Geldmengensteigerung im Umfang des Produktivitätsfortschrittes. Für dieses Zwischenziel wird ein Jahr im voraus eine zugelassene Steigerungsrate angekündigt oder aber ein Zielkorridor mit einer Unter-und Obergrenze. Dieses Geldmengenziel soll durch seine Vorankündigung das Preisverhalten der Produzenten und Tarifparteien beeinflussen und durch seine einjährige Festlegung konjunkturelle Aufblähungen und Schrumpfungen der Geldmenge verhindern. Da die Bundesbank mit ihrer Geldpolitik allerdings nicht den Zahlungsverkehr behindern möchte, ist eine exakte Steuerung des Zwischenziels nicht möglich. Eine Steuerung des Zwischenziels Zentralbankgeldmenge oder das der Geldmenge M3 ist im Hinblick auf seine Folgewirkung theoretisch problematisch. Ein Geldmengen-Impuls wird in jedem Falle die Zentralbankgeldmenge und auch die Geldmenge M3 wie beabsichtigt variieren, doch kann die Geldpolitik nicht zugleich auch den Kanal ihrer Verwendung, also die Geldmenge M1 oder M2 bzw. M3, steuern. Nach keynesianischer Auffassung (Fiskalismus) ist für eine Übertragung monetärer Impulse in den realwirtschaftlichen Sektor kurzfristig, d. h. unter konjunkturellem Aspekt, in erster Linie die für Umsätze des Volkseinkommens benötigte Geldmenge M1 massgeblich. Nach monetaristischer Sehweise (Monetarismus), nach der Geldpolitik nicht konjukturell eingesetzt werden sollte, kommt unter längerfristigem Wachstumsaspekt eher die Geldmenge M2 (bzw. M3) für eine Geldmengensteuerung in Frage. Da die Geldpolitik der Bundesbank auch die Erwartungen der Wirtschaftssubjekte stabilisieren möchte, ist für ihre mittelfristige Geldmengenpolitik der gleichgerichtete Einfluss auf M I, M2 und M3 über die Zentralbankgeldmenge massgeblich. Die Vorgabe eines Zwischenziels für die Geldpolitik bedeutet, dass sich Wirtschaftssubjekte mit ihren Aktionen im realwirtschaftlichen Bereich darauf einrichten können und damit durch ihr Verhalten den Zielerreichungsgrad mitbeeinflussen. Die Geldpolitik verwendet deshalb Indikatoren, mit deren Hilfe man ablesen kann, ob die Einwirkung auf das verwendete Zwischenziel in geeigneter Weise erfolgt.         Literatur: Jarchow, H.-J., Theorie und Politik des Geldes, II. Geldmarkt, Bundesbank und geldpolitisches Instrumentarium, 4. Aufl., Göttingen 1984. Neumann, M. J. M., Zwischenziele und Indikatoren der Geldpolitik, in: Brunner, K./Monissen, H. G./ Neumann, H. J. M. (Hrsg.), Geldtheorie, Köln 1973, S. 360 ff.

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