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Sanierungsmanagement


1. Einleitung Betrachtungsobjekt des Sanierungsmanagements sind Unternehmungen in der Krise. Eine   Unter­nehmenskrise liegt vor, wenn Gefahr besteht, für den Fortbestand des Unternehmens wichtige Ziele nicht zu erreichen und das Unternehmen somit partiell oder global in seiner Existenz bedroht ist. We­sentliche Voraussetzung eines erfolgreichen Sanierungsmanagements ist die rasche Überwindung der Krise (Sanierung des Unternehmens) mit Hilfe bestimmter Sanierungsmassnahmen.
2. Formen der Unternehmenskrise Im Rahmen der Definition „Unternehmenskrise” muss zwischen   Unternehmenskrise im engeren Sinne und   Unternehmenskrise im weiteren Sinne differenziert werden. Bei der engeren Auffassung bezeichnet die Unternehmenskrise die Situation eines Unternehmens, in der es bereits zu bedrohlichen erfolgs- und liquiditätsmässigen Engpässen kommt. Bei der Unternehmenskrise im weiteren Sinne liegt hingegen nur eine latente Bedrohung von Erfolgspotenzialen bzw. Erfolgspositionen vor. Von grosser Bedeutung ist diesbezüglich die Kenntnis, dass Unternehmenskrisen nicht unmittelbar auf­treten, sondern schrittweise entstehen, wobei verschiedene Stufen der Existenzgefährdung durchlaufen werden. Wichtige Phasen sind in diesem Zusammenhang die potentielle Unternehmenskrise, die latente Unternehmenskrise und letztendlich die akute Unternehmenskrise. Je früher die   Krisensymptome er­kannt werden und entsprechende Gegenmassnahmen eingeleitet werden, desto geringer ist die Gefahr, dass es tatsächlich zu einer akuten Unternehmenskrise kommt, bei der Erfolg und Liquidität erheblich beeinträchtigt sind. Unternehmenskrisen können in jenen Fällen, in denen die Gefahr rasch erkannt und bekämpft wird, sogar eine Chance zur Erneuerung und Entwicklung des Unternehmens sein. Nach dem Entwicklungsmodell von Unternehmen nach Bleicher ist jeder Übergang zur nächsten Phase der Unter­nehmensentwicklung durch Krisen gekennzeichnet. Neben der nach dem zeitlichen Ablauf orientierten Kategorisierung des Begriffes „Unternehmenskrise” kann auch eine sachliche Differenzierung in Strategiekrise, Erfolgskrise und Liquiditätskrise erfolgen.
3. Krisensymptome und Krisenursachen Unternehmenskrisen kündigen sich in der Regel durch unterschiedliche —s Krisensymptome an, die in den verschiedenen Phasen der Krise (Unternehmenskrise) sehr unterschiedlich ausgestaltet sind. Speziell in den Frühphasen einer Unternehmenskrise sind die Krisensymptome nicht offensichtlich, sondern häufig nur für Experten wahrnehmbar. Für Unternehmer ist es einerseits im Sinne der Früher­kennung sehr wichtig, die Krisensymptome zu orten, um die Gefährdung des Unternehmens zu begrei­fen. Darüber hinaus gilt es herauszufinden, welche Faktoren (Krisenursachen) die Krise herbeiführ­ten, da effektive Gegensteuerungsmassnahmen Kenntnis und sorgfältige Analyse der Krisenursachen voraussetzen.
4. Sanierungsprüfung Für die Entscheidung, ob ein Unternehmen saniert werden kann oder ob es liquidiert werden muss, ist eine sorgfältige   Sanierungsprüfung notwendig. Der Zweck der Sanierungsprüfung besteht darin, Aussagen über die künftige Leistungsfähigkeit des Unternehmens und somit auch über die Eignung der geplanten Sanierungsmassnahmen zu treffen. Im Blickpunkt jeder Sanierungsprüfung stehen die Aspekte   Sanierungsbedürftigkeit,  Sanierungsfähigkeit und   Sanierungswürdigkeit, die in der angegebenen Reihenfolge geprüft werden. Im Rahmen der Sanierungsbedürftigkeitsprüfung ist dabei das Ausmass der Unternehmenskrise zu untersuchen. Bei der Sanierungsfähigkeitsprüfung wird eine Analyse und Prognose der Unternehmenssituation unter rein betriebswirtschaftlichen Aspekten vorgenommen und im Rahmen der Sanierungswürdigkeitsprüfung werden schliesslich die einzelnen Interessenspositionen der am Sanierungsprozess beteiligten Parteien gegenübergestellt.
5. Sanierungsmassnahtnen Bezüglich der Sanierungsmassnahmen muss zwischen der formellen Sanierung und der materiellen Sanierung (Sanierung) unterschieden werden. Das Sanierungsverfahren kann dabei sowohl aussergerichtlich als auch gerichtlich abgewickelt werden. Die formelle Sanierung sollte einen Offenbarungseid darstellen und nicht als einfache „Bilanzkosmetik” missverstanden werden. Das Bilanzbild sollte dabei durch Massnahmen wie etwa der Auflösung stiller Reserven, der Verwendung vorhandener Rücklagen und Kapitalherabsetzungen ohne gleichzeitige Kapitalrückzahlung der betrieblichen Realität angeglichen werden. Im Rahmen der materiellen Sanierung muss weiter differenziert werden zwischen finanzwirtschaftlicher und leistungswirtschaftlicher Sanierung. Die finanzwirtschaftliche Sanierung (Sanierung, finanzwirtschaftliche) umfasst die Summe aller finanziellen Massnahmen, die die Zahlungs- und Ertragsfähigkeit des Unternehmens wiederherstellen. Bei einer einseitigen Konzentration auf die Bekämpfung finanzwirtschaftlicher Probleme werden jedoch nicht alle   Krisenursachen berücksichtigt und die eigentlichen Ursachen der Krisenentstehung vernachlässigt. Ein Unternehmen bleibt deshalb ohne eine Neuausrichtung im Rahmen der leistungswirtschaftlichen Sanierung (Sanierung, leistungswirtschaftliehe) weiter gefährdet. Diese umfasst Massnahmen zur Strukturverbesserung des Unternehmens z.B. durch Desinvestition, Neuinvestition, Organisationsverbesserung, Implementierung von Controlling-Instrumenten, Umfinanzierung etc. Für die Abwicklung einer Unternehmenssanierung ist grundsätzlich sowohl eine aussergerichtliche als auch gerichtliche Sanierungsform denkbar. Bei einer aussergerichtlichen Sanierung einigt sich der Schuldner mit den Gläubigern im Rahmen privatrechtlicher Verträge ohne Einschaltung der Gerichte. Dies ist in der Regel mit geringerer Publizität verbunden. Vereinbarungen zwischen Schuldner und Gläubigern können darüber hinaus auch bereits vor Eintreten eines Insolvenztatbestandes getroffen werden und sehen meist eine Stundung der Forderungen und/oder einen Forderungsnachlass seitens der Gläubiger vor. Gerichtliche Sanierungsverfahren sind einzuleiten, wenn ein Insolvenztatbestand vorliegt. Sowohl Insolvenztatbestände als auch Ablauf und Verfahrensregeln differieren dabei je nach Nation. Obwohl gerichtliche Sanierungsverfahren heute in der Regel als vorrangiges Ziel die Unternehmensfortführung anstreben, kann sich im Rahmen des Sanierungsprozesses auch die Notvvendigkeit zur Liquidation des betroffenen Untemehmens ergeben. Hinweise Zu den angrenzenden Wissensgebieten siehe   Abschlusserstellung nach US-GAAP,  Aktiengesell-schaft, deutsche,   Aktiengesellschaft, österreichische,   Bilanzanalyse,  Businessplan,   Due Diligence,   Existenzgründung,   Finanzplanung,   Gesellschaftsformen, österreichische,  Gesellschaftsrecht, europäisches,   Hedgefonds,  Insolvenzrecht (deutsches),  Internationale Rechnungslegung nach IFRSJahresabschluss nach deutschem Recht,   Jahresabschluss nach schweizerischem Recht,   Kennzahlen, finanzwirtschaftliche,   Kennzahlen, wertorientierte,  Konzernabschluss,   Mergers & Acquisitions,   Private Equity,  RatingMethoden, kreditwirtschaftliche,  Sonderbilanzen,   Unternehmensbewertung,  Venture Capital.

Literatur: Albach, H./Hahn, D./Mertens, P.: Frühwarnsysteme, in: ZfB, Ergänzungsheft 2/1979; Bleicher, K.: Das Konzept Integriertes Management, 2. Auflage, Frankfurt/Main 1992; Bratschitsch, R./Schnellinger, W. (Hrsg.): Unternehmenskrisen — Ursachen, Frühwarnung, Bewältigung: Bericht über die Pfingsnagung, Juni 1979, des Verbandes der Hochschullehrer fur Betriebswirtschaft e. V., Stuttgart 1981; Feldbauer-Durstmüller, B./ Schlager, J.: Krisenmanagement, Wien 2006; Feldbauer-Durstmüller, B./Stiegler, H.: Sanierung; in: Küpper, H.-U./Wagenhofer, A. (Hrsg.): Handwörterbuch Unternehmensrechnung und Controlling, 4. Auflage, Stuttgart 2002, Sp. 1727-1735; FeldbauerDurstmüller, B.: Sanierungsmanagement, in: zfo 3/2003, S. 128-132; Heintzen, M./Kruschwitz, L. (Hrsg.): Unternehmen in der Krise, Berlin 2004; Mitter, C.: Distressed Investing und Unternehmenssa­nierung, Wien 2006; Stiegler, H.: Krisenmanagement marktwirtschaftlicher Unternehmungen, in: Schimpf, O./Stiegler, H. (Hrsg.): Jahrbuch des Rechnungswesens 83/84, Wien 1984, S. 9-35; Stiegler, H.: Überblick zu Krisenmanagement, in: FeldbauerDurstmüller, B./Stiegler, H. (Hrsg.): Krisenma­nagement: FrüherkennungSanierungInsolvenzrecht, Linz 1994, S. 8-23; Stiegler, H.: Sanierungs­management, in: Seicht, G. (Hrsg.): Jahrbuch für Controlling und Rechnungswesen \'98, Wien 1998, S. 385-404; Swoboda, P.: Instrumente der Unternehmenssanierung aus betriebswirtschaftlicher Sicht, in: Ruppe, H.-G. (Hrsg.): Rechtsprobleme der Unternehmenssanierung. Wien 1983, S. 3-25. Internetadressen:
(1) Allgemeine Informationen zu Krisenprävention, Krisenbewältigung, Krisenmanagement sowie hilf­reiche Links und Glossare). Deutschland: http://www.akademie.de/fuehrung-organisation/management/links/krisenmanagement/index.html; http://www.existenzgruender.de/imperia/md/content/pdf/gz22.pdf; http://www.infoquelle.de/Management/Krisenmanagement/index.cfm;                                                                http://www.insolvenzrecht.info; http://www.krisennavigator.de; http://www.rostock. ihk24.de/HROIHK24/HROIHK24/produktmarken/index. j sp?url=http%3A//www.rostock. ihk24.de/HROIHK24/HROIHK24/produktmarken/starthiffe/krisenman agementlrecht_krise/Krisenmanagement.jsp Osterreich: http://www.help.gv.at/Content.Node/188/Seite.1880000.html; http://www.unternehmer-in­not.at/.
(2) Konkursstatistiken. Deutschland: http://www.kreditversicherungsnetz.de/htm-bin/informationen.htrn1; http://www.destatis. de/basis/d/insol/insoltabl.php; http://www.destatis.de/indicators/d/ins 11 Oad.htm; http://www.bda­online.de/www/bdaonline.nsf/id/856D196097B37EB8C1256F6C0050ED0D/$file/Insolvenzstatistik_ 2004.pdf. Österreich: http://www.myksv.at/Icsv_edit/KSV/de/03_news/05_statistiken/0 1 insolvenz/index.html. Schweiz: aktuelle Konkursstatistik via e-mail an udemo@bfs.admin.ch erhältlich.
(3) Studien und Beiträge zum Thema Krisen- und Sanierungsmanagement: http://www. krisennavigator.de; http://www.mittelstandsportal.de/management/Insolvenz.pdf; http://www.wiesel­huber.de/diverses/form_studien.html; (Homepage der Verfasser): http://www.controlling.jku.at;
(4) Interessante Links zum Thema Krisenmanagement finden sich unter: http://www. controlling.jku.at/links/hotlinks.htm#Krisenmanagement
(5) Weitere Lehrstühle und Studiengänge, die sich mit dem Thema Krisen- und Sanierungsmanagement befassen: http://www.fh kufstein.ac.at/ksmx/de/i.php?m=allgemein/allg.php; http://rrwnw 1 .wiwi.uni­regensburg.de/ebene2/2_0.html?cmd=4; http://www.wiwi.uni-regensburg.de/drukarczyk/; http://www. people.hbs.edu/sgilson/; http://www.stern.nyu.edu/salomon/creditdebtmarkets/

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