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Transmission

dynamische Anpassungsprozesse, die sich in einer Volkswirtschaft im Anschluss an eine Geldmengenausweitung vollziehen. Die Wirtschaftssubjekte sind bei zunächst konstanten Marktdaten nicht mehr mit Niveau und Struktur der von ihnen gehaltenen Vermögensbestände einverstanden und verändern ihre Angebots- und Nachfragepläne auf den verschiedenen Märkten, bis sie erneut eine von ihnen gewünschte Vermögensstruktur erreicht haben. Anliegen der Transmissionstheorie ist die Darstellung dieser Anpassungsprozesse zwischen zwei Gleichgewichtspunkten. Sie fragt nach den Übertragungswegen, auf denen ein monetärer Impuls die Gütermärkte erreicht, nach Wirkungsdauer und Wirkungsverzögerungen (- lag und lag-Struktur des Anpassungsprozesses) und danach, wie sich ein monetärer Impuls kurz- und langfristig in Veränderungen von Preisen und Mengen auf den Gütermärkten aufteilt (Splittingproblem). Letztliches Ziel ist die Erklärung der Bestimmungsfaktoren des realen Volkseinkommens (Sozialprodukt). Grundlage aller Transmissionsmodelle ist die Theorie der relativen Preise, wonach die Wirtschaftssubjekte eine optimale Vermögensstruktur anstreben und den Gegenwartswert ihrer erwarteten Ertragsströme aus der Vermögenshaltung zu maximieren versuchen. Dabei umfaßt das Vermögen neben –9 Geld v.a. fest- und variabelverzinsliche Wertpapiere, Sachvermögen und Humanvermögen (- Humankapitaltheorie). Die Diversifikation dieses gegebenen Gesamtvermögens richtet sich nach den pekuniären und nicht pekuniären Erträgen der einzelnen Aktiva, wobei zu den pekuniären Erträgen die Zinserträge von Wertpapieren, die mit ihren Absatzpreisen bewerteten Produktionsleistungen der Sachaktiva und das Nominallohneinkommen des Humanvermögens zählen. Hinzu müssen die nicht pekuniären Erträge addiert werden, d.h. für die Geldhaltung und die Haltung von Wertpapieren der Nutzen eines allgemeinen Tausch- und Wertaufbewahrungsmittels sowie für die Haltung von Sachvermögen der Gebrauchsnutzen dieses Aktivums. Erhöhungen des gesamtwirtschaftlichen Geldangebots stören dieses Gleichgewicht und lösen Anpassungsprozesse aus, die sich über verschiedene Vermögensmärkte übertragen und schließlich die gesamtwirtschaftliche Produktionstätigkeit beeinflussen: Da sich die Kassenhaltung der Wirtschaftssubjekte erhöht, sinkt der nicht pekuniäre Ertragssatz des Geldes, und die Wirtschaftssubjekte versuchen, ihre überhöhten Kassenbestände auf anderen Vermögensmärkten abzubauen. Jeder Nachfrageanstieg bewirkt dort eine Zunahme des Marktpreises bzw. eine Abnahme des Ertragssatzes und vergrößert die Renditedifferenz relativ zu jenen Märkten, die bislang noch unbeeinflußt geblieben sind. Hierdurch wird eine Kette von Substitutionseffekten ausgelöst, mit der Folge, dass sich der monetäre Impuls von Markt zu Markt fortpflanzt, bis er die Preise aller Aktiva nach oben getrieben und die Sachvermögens- und Humankapitalmärkte erreicht hat. Da neu zu produzierendes Sachkapital und Dienste des vorhandenen Sachvermögens in enger Substitutionsbeziehung zum bereits existierenden Sachvermögen stehen, verursacht jede Abnahme der Marktertragsrate der vorhandenen Sachaktiva unter die erwartete Ertragsrate neu zu produzierenden Sachkapitals (oder ein Anstieg des - TOBINschen q) einen Anstieg der Nachfrage nach Produktionsleistungen. Damit beginnt der monetäre Impuls auf das nominale Volkseinkommen einzuwirken. Welchen Weg die Reaktionskette von Markt zu Markt einschlägt und wie schnell sie die Gütermärkte erreicht, hängt von der relativen Höhe aktivaspezifischer - Transaktionskosten ab: Die Wirtschaftssubjekte werden ihre überschüssigen Kassenbestände zunächst auf jenen Märkten abbauen, auf denen sie sich vergleichsweise kostengünstig über die Struktur der Einzelpreise informieren und ihre aktuelle Bilanzstruktur möglichst schnell anpassen können, und erst dann die Nachfrage nach Aktiva mit höheren Transaktionskosten ausdehnen, so dass der monetäre Impuls nur verzögert die Gütemachfrage anregt. Er führt dort zu einer Produktionsausweitung, sofern die Marktteilnehmer die beobachtbaren Nachfrageänderungen als realwirtschaftlich bedingt fehlinterpretieren oder die Preise wegen bestehender Kontrakte nicht unverzüglich anpassen können. Transaktionskosten und Kosten der Bildung und Antizipation von Erwartungen sind somit verantwortlich für lags der Geldpolitik und ursächlich für kurzfristige Realeffekte monetärer Impulse, die längerfristig jedoch wieder abgebaut werden, wenn die Anpassung des Preisniveaus an unerwartete Geldmengenvariationn vollzogen ist. Moderne Transmissionstheorien schätzen die Bedeutung dieser Kosten unterschiedlich ein und differieren in den Aussagen über die Aufteilung eines monetären Impulses in Preis- und Mengeneffekte sowie über die lag-Struktur des Transmissionsprozesses. Dabei entstehen in der Neuen Klassischen Ökonomie bei systematischen monetären Impulsen keine Realeffekte, weil systematische Erwartungsirrtümer wegen der Annahme rationaler Erwartungsbildung ausgeschlossen sind und alle Preise als vollkommen flexibel angenommen werden, so dass eine vollständige Inflationsantizipation möglich ist (Neue Makroökonomik). Vorübergehende Realeffekt ergeben sich allein bei unsystematischen monetären Impulsen, die die Marktteilnehmer trotz rationaler Erwartungsbildung nicht unmittelbar erkennen können. Demgegenüber unterstellt der Monetarismus kurzfristige Realeinkommenseffekte auch systematischer monetärer Impulse, weil er das Konzept rationaler Erwartungsbildung unter Hinweis auf die Kosten der Informationsbeschaffung ablehnt und wegen bestehender Kontrakte auf Güter- und Faktormärkten die Geschwindigkeit für gering hält, mit der sich Preise und Löhne an veränderte Inflationserwartungen anpassen können. Diese Auffassung vertritt auch der moderne Keynesianismus, der jedoch sehr viel größere Wirkungsverzögerungen der Geldpolitik als der Monetarismus unterstellt und der Meinung ist, dass starke Geldmengenvariationen notwendig sind, um die Nachfrage auf Güter- und Faktormärkten zu beeinflussen. Literatur: Miles, D.K., Wilcox, J. (1991). Thieme, H.J., Vollmer, U. (1987). Brunner, K. (1970)

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