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Bestandsressourcen

besondere Rohstoffe, die prinzipiell endlichen Beständen in der Erdkruste entnommen werden. Bestandsressourcen wurden in geologischen Zeiträumen vor teils über hundert Millionen Jahren angelegt und sind daher für menschliche Zeithorizonte praktisch nicht regenerierbar. Die jeweils durch Exploration erschlossenen Ressourcenvorräte werden als Reserven bezeichnet. Diese sind wegen der Explorationskosten immer niedriger als die grundsätzlich unbekannte, wenn auch sicher nach oben beschränkte Gesamtmenge an Bestandsressourcen. Aus ökonomischer Sicht stellen Bestandsressourcen ein von der Natur bereitgestelltes Kapital dar. Während jedoch Kapitalgüter wie Maschinen, Werkzeuge oder Gebäude grundsätzlich im Produktionsprozess erzeugt werden können, werden natürliche Ressourcen hier aus begrenzten Beständen entnommen, die dadurch immer kleiner werden. Auf lange Sicht verbleiben daher die folgenden Strategien, um den Auswirkungen der Bestandserschöpfung zu entgehen: •   Substitution einer Ressource A durch eine andere, reichlicher vorhandene Ressource B (Kupfer/Aluminium), im Extremfall durch eine unerschöpfliche Ressource, die dank einer Backstop-Technologie genutzt werden kann. •   Substitution der Ressource durch verstärkten Einsatz anderer Produktionsfaktoren wie Arbeit oder Sachkapital (bessere Wärmedämmung/Heizölverbrauch) . •   technischer Fortschritt, der den Ressourcenaufwand pro Einheit Produktion verringert (elektronische Benzineinspritzung). •   Strukturwandel mit stärkerer Gewichtung der weniger Ressourcen verbrauchenden Branchen (Hochwertige Verarbeitung/ Grundstoffindustrie). •   Wiederverwendung von mineralischen Ressourcen, d.h. Recycling aus verschrotteten Gütern. Für mineralische Ressourcen eröffnen sich hieraus andere Möglichkeiten als für Energieressourcen. Der erhöhte Aufwand anderer Produktionsfaktoren, um den Einsatz der Ressource zu verringern, verlangt bestimmte Effizienzregeln. Die Preisbildung für Rohstoffe, speziell für Bestandsressourcen, unterliegt eigenen Gesetzen. Grundsätzlich gilt auch hier die allgemeine Regel: Der Preis für eine Ressource bestimmt sich durch Angebot und Nachfrage. Wenn die Nachfragefunktion gegeben ist, ist die Angebotsseite näher zu betrachten: Da das Angebot aus nicht-regenerierbaren Beständen natürlicher Ressourcen erfolgt, gelten hier eigene Effizienzregeln, die den Preispfad beeinflussen. Ressourcen aus begrenzten Beständen erzielen eine Knappheitsrente, die gemäss der Hotelling-Regel in der Zeit ansteigt. Zusätzlich zu dieser Knappheitsrente gehen in den Preis einer Ressource die Extraktionskosten ein. Während die Wachstumsrate der Knappheitsrente mit dem Zinssatz gegeben ist, muss ihr Niveau aus dem gesamten Preispfad bestimmt werden. Hierbei spielen die Be- standsgrolse, die Preiselastizitat der Nachfrage und mögliche Preisobergrenzen für die Ressource, die z.B. durch eine Backstop- Technologie gegeben werden, die entscheidende Rolle. Da der Preispfad nicht primär durch die Extraktionskosten bestimmt ist, wirken sich Fehleinschätzungen der Ressourcenanbieter hinsichtlich der drei genannten Parameter kurzfristig als starke Preisschwankungen aus. Wenn z.B. die OPEC 1979/80 davon ausgegangen ist, als Folge ihrer Ölpreiserhöhung werde die Ölnachfrage nur gering zurückgehen, so hat die Reaktion der Ölverbraucher zu einem überraschenden Überangebot auf dem Ölmarkt geführt, das eine Korrektur der Preise nach unten hin erforderlich mache. Die Preisobergrenze für Rohstoffe wird durch Nachfragereaktion oder durch Angebot einer Backstop-Technologie gesetzt. Damit wird eine absolute Obergrenze für den (inflationsbereinigten) Ressourcenpreis gesetzt. Je nach Marktform auf dem Ressourcenmarkt wird diese Preisobergrenze wirksam: Bei vollkommener Konkurrenz wird die Preisobergrenze erst mit der Bestandserschöpfung erreicht; bei monopolistischen Märkten kann der Ressourcenpreis für längere Zeit, und zwar knapp unterhalb der Preisobergrenze, konstant bleiben. Reserven sind durch Explorationsprozesse bekannte Vorräte an Bestandsressourcen. Der Reservenbegriff ist immer von den ökonomischen Bewertungen bestimmt. Da Exploration Kosten verursacht, ist es ökonomisch nicht effizient, einen Bestand an natürlichen Ressourcen erforschen zu lassen, der nicht innerhalb der nächsten Jahrzehnte abgebaut werden soll. Zudem hängt die technisch und ökonomisch nutzbare Ressourcenmenge einer Lagerstätte einerseits von dem dort vorhandenen geologischen Vorkommen ab, zum anderen von den Technologien zur Förderung und Nutzung der Ressource sowie vom Preis der Ressource. Da nach den Effizienzregeln für Bestandsressourcen der Preis langfristig ansteigt, verändert dies die Bewertung geologischer Vorkommen als Reserven. Insb. sind deswegen statische Konzepte, die die bekannten Reserven in Relation zum heutigen Verbrauch setzen und daraus auf die Reichweite von Reserven schliessen wollen, sehr zweifelhafte Indikatoren für die tatsächlich in der Zukunft wirkenden Ressourcenrestriktionen.   Literatur: Dasgupta, P. SJHeal, G. M., Economic Theory and Exhaustible Resources, Oxford 1979. Ströbele, W., Wirtschaftswachstum bei begrenzten Energieressourcen, Berlin 1984.        

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