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Entscheidungsmodell

Zur Vorbereitung und zum Treffen von Entscheidungen dienen Entscheidungsmodelle. Um konkrete Handlungen ermitteln zu können, ist zumindest für Teilaspekte der Entscheidungssituation ein quantitatives Modell (= Optimierungsmodell) zu formulieren und lösen.
Ein Entscheidungsmodell ist ein Kalkülmodell, bestehend aus einem System von Gleichungen zur logischen Ableitung befriedigender oder optimaler Lösungen eines Entscheidungsproblems aus einer Anzahl von Alternativen. Die Gleichungen bestehen aus einer Zielfunktion und mehreren Restriktionen, die die Lösungsmöglichkeiten einschränken (Alternativmodell).

Der eigentliche Zweck der praktisch-normativen Betriebswirtschaftslehre ist die Formulierung von Entscheidungsmodellen; für ihre praktische Anwendung sind die Beschreibungs- und Erklärungsmodelle Voraussetzung. Mit Hilfe des Entscheidungsmodells wird eine Entscheidung über eine Aktion unter Berücksichtigung einer bestimmten Umweltsituation getroffen. In das Modell gehen einzelne Handlungsalterna tiven, mögliche Umweltsituationen und die von der Unternehmung verfolgten Zielsetzungen ein.
Die Entscheidungsmodelle lassen sich nach Dinkelbach aufgrund der folgenden drei Gesichtspunkten unterscheiden:
1. nach der Anzahl der Zielsetzungen: Es sind eine Zielsetzung oder mehrere Zielsetzungen möglich.
2. nach dem Grad des Informationsstandes über die Umweltsituationen: Es können Sicherheit, Risiko oder Ungewißheit vorliegen. Die Modelle mit Entscheidungssituationen unter Sicherheit, Risiko und Ungewißheit lassen sich auch wie folgt unterteilen:
a) deterministische Modelle,
b) stochastische Modelle,
c) spieltheoretische Modelle.
3. nach der zeitlichen Interdependenz der zutreffenden Entscheidungen: Es können statische und dynamische Modelle unterschieden werden.

Unter Berücksichtigung dieser drei Gesichtspunkte läßt sich nach Dinkelbach die unten angegebene Einteilung der Modelle veranschaulichen.
1.  Im Rahmen präskriptiver Theorien bezeichnet man als Entscheidungsmodell eine ausschnitthafte, vereinfachende und vergröbernde Darstellung eines realen Entscheidungsproblems durch ein System mathematischer Zeichen und Symbole. Die Darstellung erfolgt mit dem Ziel, aus der Analyse des Modells - etwa in Form einer rechnerischen Lösung mittels eines geeigneten Algorithmus - Hinweise für die optimale Gestaltung des modellmässig erfassten Realitätsbereichs zu erhalten. In der Theorie analysierte Entscheidungsmodelle bilden i.d.R. allerdings keinen konkret existierenden Realitätsausschnitt ab, sondern ein durch die Modellprämissen be- zeichnetes Stück "gedachter" Realität. Die sinnvolle Anwendung derartiger theoretischer Modelle auf die Lösung konkreter Entscheidungsprobleme setzt daher eine Überprüfung voraus, inwieweit die Prämissen den Gegebenheiten des vorliegenden Entscheidungsproblems entsprechen; erscheint die dabei erkennbare Diskrepanz zu gross, kann versucht werden, das Modell durch geeignete Umgestaltung besser an die reale Situation anzupassen. Ziel der Formulierung eines Entscheidungsmodells kann es allerdings nicht sein, die Realität in ihrer gesamten Komplexität möglichst vollständig und originalgetreu abzubilden; erst die Abstraktion von etlichen realen Sachverhalten eröffnet Wege, die komplexe Realität in begrenzter Zeit und mit begrenztem Mitteleinsatz zu analysieren und Entscheidungen abzuleiten. In der Betriebswirtschaftslehre werden Entscheidungsmodelle insb. im Rahmen der Entscheidungstheorie, des  0perations Research und der auf einzelne betriebliche Funktionsbereiche ausgerichteten betriebswirtschaftlichen Teildisziplinen behandelt. Die Entscheidungstheorie analysiert in erster Linie die mit verschiedenen Arten von Entscheidungsregeln verbundenen Implikationen, wobei insb. die aus der Unsicherheit der Handlungsergebnisse und aus Zielkonflikten resultierenden Probleme betrachtet werden. Die Handlungsalternativen selbst und die damit verbundenen Ergebnismöglichkeiten werden als gegeben und bekannt vorausgesetzt. Im Rahmen des traditionellen Operations Research steht demgegenüber die Aufgabe im Mittelpunkt, vorgegebene Probleme in einer ganz bestimmten mathematischen Form zum Ausdruck zu bringen, um das so formulierte Modell der Lösung mit Hilfe eines verfügbaren Algorithmus zugänglich zu machen. Hinzu kommt das Bemühen um die Entwicklung neuer und die Verbesserung verfügbarer Algorithmen, um so auch komplexere und auf der Basis weniger eingeengter Prämissen formulierte Modelle rechnerisch lösen zu können. Demgegenüber werden die Zielfunktionen für die jeweiligen Entscheidungsmodelle als gegeben angesehen und im allgemeinen nicht weiter auf ihre präferenztheoretischen Implikationen untersucht. Die Funktionallehren (z.B. Produktionstheorie, Investitionstheorie etc.) schliesslich analysieren die spezifischen Besonderheiten von Entscheidungsmodellen, die sich auf den jeweiligen Funktionsbereich beziehen. Dabei wird im Zusammenhang mit dem übrigen auf den jeweiligen Funktionsbereich bezogenen Theoriengebäude auch die Frage der Herkunft und Ermittlung der benötigten Daten und der zugehörigen Einflussfaktoren erörtert (z.B. Bestimmung von entscheidungsrelevanten Kostensätzen). Ungeachtet dieser unterschiedlichen Untersuchungsschwerpunkte der drei genannten Disziplinbereiche sind im einzelnen vielfältige Überschneidungen zu verzeichnen.
Entscheidungsmodelle können nach unterschiedlichen Kriterien systematisiert werden, so etwa nach
•     der zeitlichen Ausdehnung der Handlungsmöglichkeiten: ein- und mehrstufige Modelle (mehrstufige Entscheidungen),
•     dem Umfang der erfassten Handlungsmöglichkeiten: Total- und Partialmodelle,
•     der zeitlichen Ausdehnung der Ergebnisse: statische und dynamische Modelle,
•     dem Informationsstand über die Handlungsergebnisse: deterministische Modelle mit eindeutig vorhersehbaren Konsequenzen und stochastische Modelle mit unsicheren Ergebnissen (Ungewissheitssituation, Risikosituation),
•     der Anzahl der erfassten Zielgrössen: Modelle mit Einfach- und mit Mehrfachzielsetzung,
•     der Art der zu ihrer Lösung anzuwendenden Rechentechnik, wie z.B. Modelle der linearen Optimierung, dynamischen Programmierung, quadratischen Programmierung, ganzzahligen Programmierung, ferner Simulationsmodelle. Im Rahmen der deskriptiven Entscheidungstheorie werden typisierende Modelle zur Beschreibung des tatsächlichen Entscheidungsverhaltens von Einzelpersonen oder Organisationen gelegentlich ebenfalls als Entscheidungsmodell bezeichnet (Entscheidungsprozess).

Entscheidungsmodelle

Die praktische Wirtschaftspolitik hat immer wieder Entscheidungen über den Mitteleinsatz zu treffen. Dabei helfen Modelle der Entscheidungstheorie, mit denen aus einer Reihe von Handlungsalternativen die beste ausgewählt werden soll.

Dabei werden unterschieden:
• Der normative Ansatz gibt Empfehlungen für die rationale Wahl von Handlungsalternativen. Dabei wird von einem vorgegebenen, allgemein anerkannten Zielsystem ausgegangen.
• Bei der deskriptiven Verfahrensweise werden Aussagen darüber getroffen, wie die Auswahl tatsächlich vorgenommen werden soll. Die Entwicklung des Zielsystems und des Entscheidungsbereichs wird in die Untersuchungen einbezogen. Daher bezeichnet man sie auch als Theorie des Entscheidungs- und Problemlösungsverhaltens.

Der Wert von Entscheidungsmodellen wird in der wirtschaftspolitischen Praxis durch eine Reihe von Faktoren eingeschränkt:
Ökonometrische Modelle sind nur bei quantifizierbaren Größen einsetzbar. Im Rahmen der Ordnungspolitik, aber auch bei längerfristig wirkenden Reformen sind sie ungeeignet.
• Sie setzen weiterhin eine Quantifizierung der Zielfunktionen und der möglichen Mittelkombinationen voraus, über welche die Entscheidungsträger — bei der in Demokratien vorherrschenden pluralistischen Willensbildung — nur in Ausnahmefällen verfügen. (Im Gegensatz zu Handlungsweisen in Diktaturen)
• Aufgrund falscher oder unvollständiger Spezifikationen, einer ungenauen Schätzung von Parametern sowie nicht immer ausgereifter mathematischer Verfahren liefern die Modelle nur bedingt verwendbare Ergebnisse.

Entscheidungsmodelle versuchen ein reales Problem in eine Symbolsprache zu übersetzen. Entscheidungsmodelle enthalten zunächst faktische und wertende Prämissen. Zu den faktischen Entscheidungsprämissen gehören singuläre Aussagen (Beschreibungsmodelle) und generelle Aussagen (Erklärungsmodelle, empirischrealistische Theorie). Die singulären Aussagen beziehen sich auf deskriptive Informationen, die generellen Aussagen im günstigsten Fall auf realwissenschaftliche Gesetzmäßigkeiten. Die wertenden Entscheidungsprämissen beinhalten Ziele. Aus Zweckmäßigkeitsgründen werden auch die Lösungsmethoden zu den Entscheidungsprämissen gezählt; sie bilden die methodischen Entscheidungsprämissen.

 Modelle, die durch eine Zielfunktion (Marketing-Ziele) erweitert sind und so- mit Aussagen darüber zu machen erlauben, wie vorteilhaft einzelne Alternativen sind.

Literatur: Bitz, M., Die Strukturierung ökonomischer Entscheidungsmodelle, Wiesbaden 1977. Dinkelbach, W, Entscheidungsmodelle, in: Grochla, E. (Hrsg.), HWO, 2. Aufl., Stuttgart 1980, Sp. 623 ff.

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