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Rententheorie

Theorie zur Erklärung der Entlohnung vollkommen unelastisch angebotener Produktionsfaktoren. Die Rententheorie als eine Theorie des Ertrags von Grund und Boden (Grundrente) ist ein wichtiges Element der  Verteilungstheorie der Klassiker. Ist das Angebot eines Produktionsfaktors völlig starr, dann wird der Preis oder die reine ökonomische Rente, die dieser Faktor erzielen kann, ausschliesslich durch die Höhe der Faktornachfrage bestimmt. Von David Ricardo (1772-1823) wurde betont, dass ein höherer Produktpreis den Faktoreinsatz lohnender macht und letztlich über die Konkurrenz auf den Faktormärkten zu einer höheren Rente führt. Der Wert eines völlig unelastisch angebotenen Faktors leitet sich in diesem Sinn aus Rententheorie dem Wert des Produktes her und ist nicht umgekehrt ein preisbestimmender Kostenfaktor. Dies trifft zu, wenn auch die Rente aus der Sicht des einzelnen Produzenten einen Kostenfaktor (zumindest als Alternativkosten) darstellt. Ricardos Erklärung des Einkommens der Grundbesitzer führt zu dem Begriff der Differentialrente, die von Unterschieden in der Qualität der einzelnen Böden herrührt. Der Grenzboden ist der schlechteste, eben noch. zur Bebauung herangezogene Boden. Er zeichnet sich dadurch aus, dass die variablen Faktoren auf diesem Boden lediglich ein Durchschnittsprodukt erzielen können, das gerade ausreicht, die durchschnittlichen Kosten dieser Faktoren zu decken. Der Grenzboden wirft somit keine Rente ab; Böden besserer Qualität erbringen einen höheren Durchschnittsertrag und erzielen daher nach Abzug der variablen Faktorkosten eine Differentialrente, die mit dem Qualitätsunterschied zum Grenzboden wächst. Das Prinzip der Differentialrente lässt sich auch auf Standortunterschiede (Lagerente), spezifische Begabungen u. ä. übertragen. Eine wichtige Erweiterung der Rententheorie geht auf Alfred Marshall zurück. Sie beruht auf der Überlegung, dass Produktionsfaktoren auch dann einen ausschliesslich von der Faktornachfrage bestimmten Preis erzielen, wenn ihr Angebot lediglich vorübergehend vollkommen unelastisch ist; der Ertrag solcher Faktoren wird als Quasirente bezeichnet. Aus dieser Sicht ist die Bodenrente lediglich ein Extremfall eines allgemeinen Phänomens. Anpassungen des Faktorangebotes sorgen dafür, dass Quasirenten mittelfristig verschwinden.       Literatur: Samuelson, P. A., Volkswirtschaftslehre, 7. Aufl., Köln 1981. Stavenhagen, G., Geschichte der Wirtschaftstheorie, 4. Aufl., Göttingen 1969.

Die klassische Rententheorie verstand unter Rente ein preisbestimmtes Einkommen. Als Differentialrente stellte sie das Einkommen eines bevorzugten Produktionsfaktors dar, dessen Vorteil an dem gerade noch in Anspruch genommenen, unter den ungünstigsten Bedingungen eingesetzten Faktor derselben Art gemessen wird. Die v.a. im Anschluss an David RICARDO für die - Grundrente entwikkelte Theorie entfaltete sich in zahlreichen Anwendungsfällen (Qualitäts-, Bonitäts- oder Fruchtbarkeitsrente; Intensitätsrente; - Lagerente). Das Differentialrentenkonzept ist jedoch hinfällig, wenn man unterschiedlich ergiebige Produktionsfaktoren als heterogene Güter betrachtet, denn die Unterscheidung nach Einkommenshöhen kommt dann einer Unterscheidung nach Einkommensarten gleich, und für eine Differenzierung innerhalb ein und derselben Art bleibt kein Raum. Die Differentialrente wird ferner der Tatsache nicht gerecht, dass bei genügend starker Nachfrage und limitiertem Faktorangebot auch der Faktor in der Grenzverwendung ein Einkommen, nämlich die absolute Rente, bezieht. Knappheitsrenten dieser Art entstehen ohne alle Differenzierung der Faktoren. Eine Interpretation dieses Phänomens versucht die Residualtheorie, welche die Rente als Überschuss des Preises über die Kosten definiert. Sie setzt jedoch voraus, dass für Preis und Kosten (d.h. die Einkommen der »übrigen« Faktoren) eine selbständige Erklärung gegeben werden kann. Betrachtet man etwa die Grundrente als Residuum, müssen Arbeits- und Kapitaleinkommen die gesamten Kosten ausmachen und theoretisch bestimmt sein; hierfür läßt sich z.B. die Grenzproduktivitätstheorie des Lohnes und Zinses heranziehen. Allerdings erhebt sich dagegen folgender Einwand: Legt man eine linear-homogene Produktionsfunktion zugrunde, läuft es (angesichts der vollständigen Ausschöpfung des Produktionsergebnisses bei Abgeltung der Faktoren mit ihrem Grenzprodukt) auf dasselbe hinaus, ob man die Grundrente als preisbestimmtes Residuum oder als preisbestimmende Kostengröße versteht. Das Argument kann verallgemeinert werden: Im Wechselspiel kann jede Einkommensart als Residuum aufgefaßt werden, wenn man für die jeweils übrigen Einkommensarten Erklärungen findet. Auf der Basis des Residualkonzepts entziehen sich nicht zuletzt die Komponenten des Unternehmereinkommens der Analyse: Man zieht sich theoretisch auf eine Position zurück, welche z.B. die Praktiker der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung als statistische Notlösung einnehmen. Die moderne Verteilungstheorie stützt sich darum bei der Erklärung der Faktoreinkommen überwiegend auf das integrierende Konzept der Grenzproduktivitätstheorie der Verteilung. Für das Wertgrenzprodukt des Bodens bewahrt sie den traditionellen Namen Grundrente. Beim Sachkapital greift sie auf den Rentenbegriff zurück, um eine Unterscheidung von Wertgrenzprodukt des vorhandenen Realkapitalbestands und Zins vorzunehmen; der Zins ist Kreditmarktphänomen und Kalkulationsbasis für Kapitalbestandsänderungen. Mit dem Konzept der Rente als Transferüberschuss wird schließlich der Tatsache Rechnung getragen, dass für Produktionsfaktoren eine nach Ertragsgesichtspunkten geordnete Hierarchie von Verwendungsmöglichkeiten besteht. Nach diesem Ansatz ist die Rente die Differenz zwischen dem Preis eines Produktionsfaktors in einer bestimmten Verwendung und dem erzielbaren Preis für diesen Faktor in der nächstbesten Verwendung (Transferpreis, Transfereinkommen des Faktors). In diesem Sinne ist der Lohn eines Spezialisten, der keine Alternative zum einmal gewählten Arbeitsplatz hat, in vollem Umfang Rente. Allerdings besteht totale Immobilität durchwegs nur auf begrenzte Zeit: Die (Arbeits-)Rente als Transferüberschuss ist deshalb abhängig von der zeitlichen Bezugsebene. Bieten sich mit erweitertem Zeithorizont alternative Verwendungsmöglichkeiten an, schrumpft der Rentenanteil im Lohn. Er verschwindet endgültig, wenn in anderer Verwendung gleicher Lohn in Aussicht steht: Der Lohn ist dann in vollem Umfang Kostengröße, Mindesterfordernis, um die Abwanderung (den Transfer) zu verhindern. Während die Klassische Theorie unter dem Eindruck des beengten Nahrungsspielraumes ihrer Zeit der Grundrente vorrangig Beachtung schenkte, wandte sich die Neoklassische Theorie dank der erweiterten Nahrungs- und Rohstoffbasis den Einkommen der Wachstumsträger Arbeit. und Kapital zu. Gegenstand der Rententheorie wurden dementsprechend die Quasi-Rente als Phänomen des industriellen Produktionsprozesses sowie Produzenten-und Konsumentenrente als wohlfahrtstheoretisch bedeutsame Erscheinungen. Literatur: Blaug, M. (1985). Schlicht, E. (1976). Robinson, J., Eatwell, J. (1974)

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