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Überinvestitionstheorien

erklären die Krise (Krisentheorie) aus der übermässigen Expansion des Investitionsgütersektors im Konjunkturaufschwung. Anhand der betonten Ursachen für diese Expansion werden die monetären Überinvestitionstheorien (Knut Wicksell, Friedrich A. Hayek) von den nicht-monetären (Arthur Spiethoff, Gustav Cassel, Joseph A. Schumpeter) unterschieden. Monetäre Uberinvestitionstheorien erklären den Konjunkturzyklus mit den Gegebenheiten auf dem Geld- und Kapitalmarkt. In einer langfristig harmonischen Entwicklung der Volkswirtschaft stellt sich der sog. natürliche Zinssatz ein, bei dem der existierende Sachkapitalbestand vollkommen über die Produktion, die durch die Nachfrage absorbiert ist, ausgelastet wird und dem gewünschten entspricht. Sinkt nun der (Kredit-) Marktzinssatz, d.h. der Zinssatz für langfristige (Bank-) Kredite, unter diesen natürlichen Zinssatz u. a. aufgrund von Kapitalimporten, der Geldpolitik oder einer sinkenden Kreditnachfrage, so nehmen die Unternehmen. Kredite auf und fragen zusätzliche Investitionsgüter nach. Der Aufschwung beginnt, der Investitionsgütersektor expandiert. Die steigende Kreditnachfrage, die steigenden Güterpreise etc. lassen früher oder später den Marktzinssatz steigen; die Investitionsgüter-nachfrage sinkt wieder. Bei gestiegenem Sachkapital aufgrund des Kapazitätseffektes der realisierten Investitionen sinkt die Kapazitätsauslastung insb. des Investitionsgütersektors. Firmen brechen zusammen, die Krise ist da. Die sinkende Kreditnachfrage lässt den Marktzins sinken und bedingt früher oder später einen neuen Aufschwung. Nicht-monetäre Überinvestitionstheorien erklären den Aufschwung über Entdeckungen, Erfindungen (+Innovationszyklus) oder einen veränderten institutionellen Rahmen (z. B. liberalisierte Aussenhandels-, Umweltschutz-, Arbeitsmarktbestimmungen), durch die sich hohe Gewinnmöglichkeiten bei neuen Investitionen ergeben. Die Realisation dieser Investitionsmöglichkeiten bedingt wieder die überproportionale Ausdehnung des Investitionsgüterbereiches. Mit einem steigenden Realisationsgrad sinken die erwartete Rendite und die Investitionsgüternachfrage. Der bestehende Kapitalstock wird unterausgelastet, der Abschwung beginnt. Als eine dritte Gruppe lassen sich Multiplikator-Akzelerator-Modelle verstehen, die infolge technologischer Bedingungen eine zwangsläufig überproportionale Ausdehnung des Investitionsgütersektors bei einem expandierenden Konsumgütersektor erklären.      Literatur: Hickel, R., Konjunktur und Krise — neu betrachtet, in: Diehl, K./Mombert, P. (Hrsg.), Wirtschaftskrisen, Frankfurt a. M. u. a. 1979. Vosgerau" H.-J., Konjunkturtheorie, in: HdWW, Bd. 4, Stuttgart u. a. 1978.

Erklärung der Konjunkturzyklen aus Veränderungen der Produktionsstruktur, die (bei überproportionalen Schwankungen der Investitionsgüternachfrage) in Disproportionalitäten von Investitionsund Konsumgüterindustrien münden. Gottfried HABERLER unterscheidet drei Varianten der Überinvestitionstheorien: a) die Neo-WICKSELLsche Richtung (Friedrich A. von HAYEK, Fritz MACHLUP, Ludwig von MISES, Lionel ROBBINS, Wilhelm ROEPKE, Richard von STRIGL) stellt monetäre Erklärungsfaktoren in den Mittelpunkt: Sinkt der Marktzins unter den natürlichen Zins (Zinssatz, bei dem die Nachfrage nach Leihkapital dem Angebot an Ersparnissen gleich ist), weil die Banken über die gesamtwirtschaftliche Ersparnis hinaus Kredite gewähren (sog. Zirkulationskredite), so werden längere Produktionsumwege rentabel und die Investitionen steigen. Es kommt zu einem kumulativen Aufschwung mit steigenden Preisen und Kosten (WICKSELLscher Prozeß); die durch die Expansion der Investitionen hervorgerufene inflatorische Lücke kann durch Zwangssparen nicht kompensiert werden. Der obere Wendepunkt tritt ein, wenn die Kreditexpansion zum Erliegen kommt, noch bevor der Kapazitätseffekt der Investitionen wirksam wird. Im Abschwung findet eine Anpassung der Produktionsstruktur zwischen dem überentwickelten Investitionsgütersektor und dem Konsumgütersektor statt, die von Arbeitslosigkeit und fallenden Preisen begleitet ist. Die Depression endet, wenn das Sinken der Preise zum Stillstand kommt und der Marktzins wieder unter den natürlichen Zinssatz fällt. b) Die an Erfindungen und Innovationen anknüpfende Richtung der Uberinvestitionstheorie (Gustav CASSEL, Alvin H. HANSEN, Arthur SPIETHOFF, Joseph A. SCHUMPETER) betont die Bedeutung neuer Investitionsgelegenheiten; monetäre Faktoren werden ergänzend berücksichtigt. c) Eine dritte Richtung (Albert AFTALION, Charles F. BICKERDIKE, Thomas N. CARVER, Arthur C. PIGOU, John M. CLARK, Roy R. HARROD) hebt neben weiteren ökonomischen Zusammenhängen technologische Bestimmungsfaktoren, insbes. die Bedeutung des Akzelerationsprinzips, hervor. Die Uberinvestitionstheorien implizieren tieferliegende Ursachen der Konjunkturzyklen und lehnen daher eine Bekämpfung mit Instrumenten der Nachfragesteuerung ab (Konjunkturpolitik); gelingt es nicht, die tieferliegenden Ursachen zu beseitigen, darf die »Reinigungskraft der Krise« nicht behindert werden. Literatur: Haberler, G. (1955)

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