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Weltwirtschaftsordnung

Siehe auch: Welthandelsstrukturen

In der sozialistischen Wirtschaftslehre: Formelles und informelles Regelwerk der herrschen den, neuen Weltwirtschaftsordnung. Ein Geflecht von internationalen Vereinbarungen zur störungsfreien Gestaltung des Welthandels mit Waren, Dienstleistun gen und Kapital. Die herrschende Weltwirtschaftsordnung ist die Gesamthei aller Regeln, Normen und Institutionen, die als Rahmenbedingungen di wirtschaftlichen Verhaltensspielräume von Wirtschaftseinheiten (Teilnehmer im ökonomischen Kreislauf/Produktion und Zirkulation) begrenzen und festleger Sie müssen nicht durch Gesetze, Vereinbarungen oder Verordnungen festgeleg und von allen anerkannt werden, sondern die kapitalistische Wirtschaftsordnun setzt sie mit ökonomischem und nichtökonomischem Druck und Gewalt durci Die Wirtschaftsordnung ist ein bestimmender Teil der Gesellschaftsordnung.

Eine Weltwirtschaftsordnung mit weitgehend freiem Verkehr für Waren und Kapital wurde auf der Konferenz von Bretton Woods (1944) und mit dem GATT Abkommen (1948) geschaffen. Nationalstaatlicher Protektionismus und Wechselkursschwankungen sollten künftig vermieden werden. In Bretton Woods wurde deshalb ein festes Wechselkurssystem mit dem Dollar als Leitwährun (Gold-Dollar-Konvertibilität) vereinbart. Durch die veränderte politische und ökonomische Situation nach dem Zweiten Weltkrieg und die ungleichmäßige ökonomische Entwicklung der Industriestaaten verschob sich auch die ökonomische und politische Stärke einiger Industriestaaten. Vor allem die Bundesrepublik Deutschland und Japan setzten sich durch die ökonomische „Modernisierung“ ihrer Industrie mit an die Spitze. Es entstanden die drei Zentren der Weltwirtschaft, USA, Europa und Japan. Im Laufe der 60er Jahre ging der US-Anteil am Welthandel zurück; Japan und die Bundesrepublik Deutschland holten auf. Neben der Leitwährung Dollar entwickelten sich der Yen und die DM zu Reservewährungen. Der festgelegte, hohe Dollarkurs, sowie die Finanzierung der Rüstung (Vietnamkrieg) durch immer höhere Steuern, verschlechterten die Chancen für US-Exporte. 1971 verzeichnete die USA erstmals ein Defizit in der Handelsbilanz. Die EG überholte die USA im Welthandel und das europäische Bruttosozialprodukt näherte sich dem US-amerikanischen. Die Regierung der USA verkündete noch im gleichen Jahr das Ende der Goldkonvertibilität des Dollar. Im März 1973 gab die US-Administration auch das System der festen Wechselkurse auf. Das Währungssystem von Bretton Woods war am Ende. 1973 begann Sie Energiekrise und 1974 wirkte eine Weltwirtschaftskrise. die auch zu zwischenstaatlichen Widersprüchen und Krisen führte. Für die großen kapitalistischen Industriemächte wurde es notwendig. ein neues System der internationalen Finanz- und Wirtschaftsabkommen zu ihren Gunsten zu schaffen.

Eine gerechtere Wirtschaftsordnung sollte auch zu einer gerechteren Gesellschaftsordnung auf „nationaler“ Ebene führen. Neoliberalismus und Weltmarktorientierung bewirken jedoch eine verschärfte Polarisierung in der Welt, die Kluft zwischen Industrieländern und Entwicklungsländern vertieft sich. Die Länder Osteuropas haben kaum eine Chance zur positiven Integration in den Weltmarkt. In den Industrieländern mehren sich die zentrifugalen Kräfte, nimmt der Gegensatz zwischen arm und reich zu. Zentraler Punkt der Weltwirtschaft sind die Internationalen und Transnationalen Monopole und Konzerne (Multis). Die Multis stimulieren mit ihrem Macht- und Überlebenskampf die Produktivkraftentwicklung in gefährlicher Weise; diese bekommt so zunehmend Vergeudungscharakter. Mit der Globalisierung von Produktion und Markt reproduzieren sich alle kapitalistischen Widersprüche in globalen Dimensionen - die globalen Probleme sind primär Folge dieser kapitalistischen Produktionsweise. Der „American Way of Life“ ist als Produktions- und Konsumtions-Modell für die gesamte Welt ungeeignet - es wäre ein Weg in den Abgrund. Die kapitalistischen Industrieländer haben für die Entwicklungsländer kein Entwicklungsmodell mehr. Diese dienen im Wesentlichen nur noch als Zulieferer von Energie. Rohstoffen und Billigprodukten sowie als globale Abgas-und Mülldeponie. Die Metropolen leben auf Kosten der Entwicklungsländer. Jegliche Reformen innerhalb dieser kapitalistischen Weltwirtschaftsordnung ändern nichts an den grundsätzlichen Verhältnissen.

Die Gestaltung der Weltwirtschaftsordnung (auch: Internationale Ordnungspolitik) als Aufgabe der —Aussenhandelspolitik zielt einerseits ab auf die allokationseffiziente, wohlfahrtssteigernde Vertiefung der zwischenstaatlichen ökonomischen Arbeitsteilung sowie andererseits auf die gerechte Verteilung der daraus entstehenden Einkommen. Da i. d. R. zwischen den Repräsentanten verschiedener Länder, aber auch zwischen unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen innerhalb einzelner Länder divergierende Einschätzungen bezüglich der Gerechtigkeit bestimmter Verteilungsmuster bestehen, gehört die Gestaltung der Weltwirtschaftsordnung von je her zu den umstrittensten Feldern der Wirtschaftspolitik. Die liberale Wirtschaftsauffassung des 19. Jh. ist Ausgangspunkt des ersten bedeutenden Versuchs zur Formulierung allgemein anerkannter Regeln für die internationalen Wirtschaftsbeziehungen. War die merkantilistische Epoche des 17. und 18. Jh. noch gekennzeichnet von strengen, nationalen Protektionismen und von zahlreichen Handelskriegen, so setzte etwa Mitte des 19. Jh. eine vom wirtschaftlich hegemonialen England ausgehende Liberalisierungsbewegung ein. 1860 kam es zum Abschluss des berühmten Cobden-Handelsvertrages mit Frankreich, der erstmals die —Meistbegünstigungsklausel formuliert und in den Folgejahren vielfach kopiert wurde. Die zunehmende Freizügigkeit der internationalen Güterströme wurde ergänzt durch den allgemeinen Übergang zum Goldstandard (England 1823, Deutschland 1871), welcher die Zentralbanken per Regelbindung auf die Einhaltung des aussenwirtschaftlichen Gleichgewichts verpflichtete, jedoch eine autonome Konjunkturpolitik der Nationalstaaten nicht zuliess. Die liberale Ara einer von England initiierten weitgehenden Annäherung an das Frei- handelsideal erlebte ihren Niedergang mit dem Erstarken der jungen Industrienationen Deutschland und Frankreich, die gegen Ende des 19. Jh. die Konkurrenzfähigkeit ihrer aufsteigenden Industrien durch Zollschutz zu steigern versuchten (Erziehungszollargument von Friedrich List, —Erziehungszoll). Ansätze, zu —Freihandel und Goldwährung auch nach der Zäsur des Ersten Weltkrieges zurückzukehren, scheiterten an veränderten ökonomischen Bedingungskonstellationen (Preis- und Lohnrigiditäten) und letztlich am Chaos der Weltwirtschaftskrise Ende der 20er Jahre (Bilateralismus). Das Ordnungsvakuum nach dem Zweiten Weltkrieg erlaubte und erzwang eine grundsätzlich neue Konzeption internationaler Ordnungspolitik. Die klassischen Prinzipien des Freihandels und der Goldwährung wurden einerseits aufgegriffen durch das —Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen, andererseits ersetzt durch den Internationalen Währungsfonds. Nachdem die internationale Währungsordnung mittlerweile zerfallen ist (1971 Aufhebung der Goldeinlösungsgarantie des US-Dollar, 1973 Aufgabe fester Währungsparitäten) und die internationale Handelsordnung schwerwiegende Erosionserscheinungen aufweist (zahlreiche Verletzungen des Prinzips der Meistbegünstigung, Bedeutungszuwachs —nicht-tarifärer Handelshemmnisse), steht seit etwa Mitte der 70er Jahre die Forderung der Entwicklungsländer nach einer sog. Neuen Weltwirtschaftsordnung auf der Tagesordnung. Dabei geht es sowohl um politische Partizipationsansprüche als auch um ökonomische Umverteilungsansprüche der vielfach erst nach dem Zweiten Weltkrieg unabhängig gewordenen Staaten. Die Zukunft einer effizienten und gerechten. Weltwirtschaftsordnung wird davon abhängen, ob berechtigte Reformbestrebungen sich in Kompromisse umsetzen lassen, die der heutigen weltwirtschaftlichen Realität eines multipolaren Interdependenz- und Machtsystems Rechnung tragen.                                                 Literatur: Berg, H., Internationale Wirtschaftspolitik, Göttingen 1976. Berg, H., Aussenwirtschaftspolitik, in: Vahlens Kompendium der Wirtschaftstheorie und Wirtschaftspolitik, Bd. 2, 5. Aufl., München 1992, S. 459 ff. Bhagwati, J. N., The World Trading System at Risk, New York 1991. Sautter, H., Weltwirtschaftsordnung, in: HdWW, Bd. 9, Stuttgart 1982, S. 888 ff.

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