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Arbeitssoziologie

beschäftigt sich mit der Sozialstruktur der Arbeitssituation und deren Veränderung sowie mit arbeitsbezogenen Einstellungen und Interessenlagen der betroffenen Menschen. Die Abgrenzung zur Industriesoziologie ist schwierig, da Arbeit in fortgeschrittenen Ländern in starkem Masse durch die Gesetzmässigkeiten der industriellen Fertigung geprägt ist. Die Trennlinie zur Betriebssoziologie ist ebenfalls unscharf, da Arbeit heute meist in betrieblichen Organisationen geleistet wird und insofern organisationalen Bedingungen unterliegt. Schliesslich berührt sich die Arbeitssoziologie in starkem Masse mit der Berufssoziologie, weil Arbeit vielfach beruflich ausdifferenziert und überformt ist. Themen der Arbeitssoziologie sind vor allem die soziale Struktur der Arbeitssituation, insb.: Strukturwandel der Arbeit (Arbeitsstrukturen), Arbeit und Entfremdung, Interessengegensätze und Arbeitskonflikte, Arbeitslosigkeit sowie Humanisierung der Arbeitswelt; ferner arbeitsbezogene Einstellungsmuster, insb. im Hinblick auf den Stellenwert der Arbeit (Arbeitsethos), Arbeitsmotivation und Arbeitszufriedenheit, Leistung und Entlohnung, Belastung und Stress etc. Beim letztgenannten Themenkatalog berührt sich die Arbeitssoziologie in starkem Masse mit der Arbeits- und Organisationspsychologie. Für den Soziologen ist Arbeit ein Prozess der Umwandlung von Natur, der in doppelter Hinsicht als sozial vermittelter und organisierter Vorgang anzusehen ist: Zum einen werden durch den Stand der Arbeitsbedingungen soziales Handeln und soziale Institutionen entscheidend mitgeformt. Gesellschaft wird zu wesentlichen Anteilen durch Arbeit konstituiert und charakterisiert. Zum anderen wirken gesellschaftliche Rahmenbedingungen (z.B. Wertewandel, Herrschaftsstruktur, politische Entwicklung) auf den Arbeitsprozess ein, verändern den sozialen Charakter der Arbeit und wandeln die industriellen Einstellungen und Erlebnisformen im Hinblick auf Arbeit. Die Entwicklung der Arbeitssoziologie blieb in Europa vorwiegend auf den Gegensatz von Kapital und Arbeit konzentriert (industrieller Konflikt) und stand dort lange Zeit im Bannkreis marxistischer Deutungen zur Klassenlage. In den USA entwickelten sich im Anschluss an die Hawthorne- Experimente (Hawthorne-Effekt) sowie die darauf folgende Human-Relations-Bewe- gung eine Perspektive, die vor allem die Überwindung einer tayloristisch gedachten "Scientific Management"-Philosophie bedeutete (Taylorismus). Diese Studien lenkten die besondere Aufmerksamkeit auf die Tatsache, dass hocharbeitsteilige Arbeit vor allem Gruppenarbeit ist, so dass ein Verständnis von Gruppenprozessen entscheidenden Aufschluss über die soziale Lebenswelt des Arbeitenden versprach. Die neuere Arbeitssoziologie befasst sich insbesondere mit Veränderungen des Arbeitssektors unter dem Einfluss des Wertewandels (z.B. Freizeitorientierung, dosiertes Arbeitsengagement, Rückgang des puritanischen Ethos) sowie unter der Einwirkung veränderter Techno-Strukturen. Die Aufmerksamkeit richtet sich dabei insbesondere auf "neue Produktionskonzepte", die der Arbeitsteilung als Leitlinie der Rationalisierung offenkundig entgegenstehen (Industriesoziologie).   Literatur: Fürstenberg, F., Einführung in die Arbeitssoziologie, Darmstadt 1977. Beck, 17. u.a., Soziologie der Arbeit und der Berufe, Reinbek bei Hamburg 1980.

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