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Industrieobligation

Anleihen, die von emissionsfähigen Industrie-, Handels- und Verkehrsunternehmen emittiert werden, werden als Industrieobligationen bezeichnet.

Werden als Schuldverschreibung (Anleihe) von emissionsfähigen Industrie-, Handels- und Verkehrsunternehmen das klassische Instrument der langfristigen Kreditfinanzierung eingesetzt.

Die Emissionsfähigkeit ist in diesem Fall nicht von der Rechtsform abhängig, sondern vom Finanzierungsvolumen (wegen der hohen einmaligen und laufenden Kosten möglichst umfangreich) und von den Bonitätsforderungen des Marktes an die Emittentin:



Man hat die Wahl zwischen Eigen- oder Fremdemission. Üblich ist die Fremdemission unter Einschaltung eines Konsortiums (Übernahme- oder Begebungskonsortium).

Industrieobligationen existierten bis vor wenigen Jahren lediglich in Form der klassischen Festzinsanleihe (straight bond). Durch die marktbedingten Möglichkeiten und Notwendigkeiten der Variation einzelner oder mehrerer Ausstattungsmerkmale (Anleihe-Ausstattung) entstanden zahlreiche neue Formen, z. B. Floating Rate Notes in verschiedenen Varianten, Zerobonds, Anleihen in Verbindung mit Zins- und Währungsswaps.

Weitere Sonderformen, die der Kreditfinanzierung nicht eindeutig zugeordnet werden können, sind Wandel- und Optionsanleihen.

Die Festzinsanleihe hat in Abhängigkeit der jeweiligen Marktsituation i. d. R. in Deutschland folgende Ausstattungsmerkmale:
Anleihevolumen: 50 Mio. DM und darüber;

Nennbetrag: in EUR; Stückelung: 100 EUR/500 EUR/1000 EUR/5000 EUR/10 000 EUR.

Verzinsung: fest über gesamte Laufzeit;

Zinstermine: halbjährlich/jährlich;

Ausgabekurs: pari/unter pari;

Rückzahlungskurs: pari/über pari;

Laufdauer: festgeschrieben;

Kündigungsmöglichkeit:
(a) durch Emittenten: möglich/nicht möglich;
(b) durch Obligationär: i. d. R. nicht möglich/möglich ( Degussaklausel);

Tilgung:
(a) Ratentilgung in gleichbleibenden Raten oder Annuitäten;
(b) Gesamttilgung am Ende der Laufzeit;
(c) freihändiger Rückkauf;

Besicherung: Grundpfandrechte, Bürgschaften, Sicherungsklauseln.

Industrieobligationen besitzen i. d. R. aufgrund ihrer Börsenfähigkeit eine hohe Fungibilität. In Abhängigkeit ihrer Nominalverzinsung und Restlaufdauer ist eine Investition in Festzinsanleihen bei sich verschiebenden Marktzinssätzen mit entsprechenden Kursrisiken bzw. -chancen verbunden. Das jeweilige Ausmaß hängt von der Restlaufdauer, dem Nominalzinssatz und dem Ausmaß der Marktzinsvariation ab. Bei Zerobonds ist dieser Effekt stärker ausgeprägt. Bei Floating Rate Notes ist die Wirkung einer Marktzinsverschiebung i. d. R. nicht so gravierend. Eine generelle Aussage ist in diesem Fall aber wegen der zahlreichen Produktabwandlungen lediglich eingeschränkt möglich, da z. B. Cap-Floater, Mini-Max-Floater, Perpetual Floating Rate Notes, Mismatched-FRN\'s, Drop-Lock-FRN\'s bei Variationen von Marktzinssätzen ihrer jeweiligen Ausstattung und Restlaufdauer entsprechend in ihrer Kursentwicklung unterschiedlich reagieren (Vgl. auch die anderen Variationen der Floating Rate Notes).

Die mit der Festzinsanleihe verbundenen einmaligen Kosten im Rahmen des Emissionsvorgangs betragen ca. 4%-5,5% des Nominalbetrages. Sie setzen sich zusammen aus Kosten der Vorbereitung und Auflegung (Konsortialprovision, Gebühren für staatliche Genehmigung, sonstige Kontroll- und Prüfkosten, Veröffentlichungs- und Druckkosten), Besicherungskosten und Kosten der Börseneinführung. Die laufenden Kosten umfassen die periodischen Zinszahlungen, Coupon-Einlösungsprovision, Marktpflegekosten, Tilgungskosten.

Schuldverschreibungen

  Anleihe, die von einem Betrieb - i.d.R. einem Industriebetrieb in der Rechtsform der Aktiengesellschaft - ausgegeben wird. Durch Emission von Industrieobligationen kann ein Unternehmen Kapitalbeträge von einer Grösse aufnehmen, die die Möglichkeiten eines einzelnen Kapitalgebers übersteigen. Zu diesem Zweck wird das Gesamtvolumen der Emission in eine Vielzahl von Teilforderungen gestückelt, die bei einer grossen Zahl von Gläubigern plaziert werden können. Rechtlich handelt es sich um eine Schuldverschreibung, die in Teilschuldverschreibungen aufgeteilt wird. Für die Begebung von Industrieobligationen ist zwar grundsätzlich der Weg der Selbstemission möglich, aber wegen des bei Industrieunternehmen nicht in der erforderlichen Weise vorhandenen Vertriebssystems und wegen der Gefahr einer Fehleinschätzung der Kapitalmarktsituation i. d. R. nicht beschreitbar. Deshalb wird für die Emission im Normalfall ein Kreditinstitut oder ein Bankenkonsortium eingeschaltet. Diese Emissionsform wird als Fremdemission bezeichnet. Industrieobligationen unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Ausstattung nicht von anderen Anleihen. Sie können nur von Wirtschaftsunternehmen begeben werden, die über eine langfristig zweifelsfreie Bonität verfügen. Bis Ende 1990 bedurften Industrieobligationen deutscher Unternehmen der Genehmigung des Bundesministeriums der Finanzen nach §§ 795 und 808 BGB; ausserdem wird für Dauerschulden Gewerbesteuer erhoben; Ende 1990 waren deshalb Industrieobligationen im Volumen von lediglich 2,6 Mrd. DM im Umlauf. Den überwiegenden Teil ihrer DM- und Fremdwährungsanleihen begeben deutsche Gesellschaften deshalb unter ihrer Garantie über Finanzierungsgesellschaften in einem Land mit günstigen steuerlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen als Euroanleihen ( Eurokapitalmarkt), Ausländsanleihen oder Medium Term Notes. Die internationalen Märkte werden auch von Industriebetrieben aus anderen, insb. westlichen Industrieländern in Anspruch genommen, wobei Ende der 80er Jahre aufgrund der günstigen Börsensituation vor allem japanische Schuldner Optionsanleihen und Wandelschuldverschreibungen aufnahmen. Aufgrund der Abschaffung der Genehmigungspflicht für Wertpapiere in Deutschland können deutsche Nichtbankenunternehmen und inländische Tochtergesellschaften ausländischer Nichtbanken seit Anfang 1991 im Inland im Rahmen spezieller, zeitlich nicht begrenzter Programme  Commercial Paper mit einer Laufzeit von sieben Tagen bis unter zwei Jahren begeben. Im September 1991 hatten bereits 18 Grossunternehmen Commer- cial-Paper-Programme im Volumen von 8 Mrd. DM aufgelegt.             Literatur: Wöhe, G./Bilstein, ]., Grundzüge der Unternehmensfinanzierung, 6. Aufl., München 1991, S. 151 ff.

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