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Internationale Produktion

Sammelbegriff für alle Formen länderübergreifender Unternehmenskooperation. Neben - Außenhandel und Direktinvestitionen (die zu multinationalen Unternehmen führen) können Unternehmen eine Vielzahl weiterer Formen internationaler Unternehmenszusammenarbeit wählen, wenn sie auf Auslandsmärkten Rohstoffe oder Zwischenprodukte beschaffen, ihre Produkte verkaufen oder ihr Produktions-Know-how verwerten wollen: Lizenzen können von ausländischen Firmen erworben oder an diese vergeben werden, um Patente oder Warenzeichen des Vertragspartners im vereinbarten Umfang zu nutzen bzw. ihm die Nutzung entsprechenden eigenen Wissens zu gestatten. Im Unterschied zum Export wird die Ware nicht in einem Land hergestellt und in das andere ausgeführt, anders als bei Direktinvestitionen muss das lizenznehmende Unternehmen keine Tochtergesellschaft des Lizenzgebers sein. Die Deutsche Bundesbank berichtet regelmäßig über den Patent- und Lizenzverkehr sowie anderen Austausch von technischem Wissen mit dem Ausland. Bemerkenswert ist, dass die BRD bei Einnahmen aus und Ausgaben für Patente und Lizenzen stets Ausgabenüberschüsse zu verzeichnen hatte. Der größte Teil der Zahlungen wird dabei zwischen kapitalmäßig verbundenen Unternehmen abgewickelt, d.h., das technische Wissen wird innerhalb des multinationalen Unternehmens gehalten. Da die Höhe der Einnahmen und Ausgaben konzernintem bis zu einem gewissen Grade mit Blick auf international unterschiedliche steuerliche Regelungen frei gestaltet werden können, lassen die Ausgabenüberschüsse keinen Rückschluss auf den Stand des technischen Wissens in der BRD zu. Lohnveredelung (Auftragsfertigung, subcontracting) liegt vor, wenn der Auftragnehmer nach genauen Spezifikationen des Auftraggebers Teilschritte bei der Produktion eines Gutes durchführt, wobei der Vertrieb des Endproduktes vom Auftraggeber übernommen wird. Diese Art der internationalen Kooperation zwischen rechtlich selbständigen Unternehmen führt i.d.R. zu einem Austausch von Vor-und Zwischenprodukten verschiedener Bearbeitungsstufen. Von passiver Lohnveredelung spricht man aus der Sicht der BRD dann, wenn der Auftraggeber ein deutsches Unternehmen ist, während im umgekehrten Falle von aktiver Lohnveredelung gesprochen wird. Im Unterschied zum internationalen Handel kann der Auftragnehmer sein Produkt nicht »auf dem Markt« verkaufen, sondern nur gegen die vereinbarte Bezahlung an seinen Auftraggeber weiterleiten; anders als im Fall vertikal integrierter multinationaler Unternehmen handelt es sich beim Auftragnehmer nicht um eine ausländische Tochtergesellschaft des Auftraggebers. Voraussetzung für eine Nutzung dieser Form der internationalen Unternehmenskooperation ist es, dass die Produktion des Gutes in Teilschritte zerlegbar ist, die an räumlich getrennten Orten durchgeführt werden können. Technisch ist dies fast immer möglich; ökonomisch ist es jedoch nur sinnvoll, wenn die Gesamtkosten unter Beachtung aller Transport-, Kommunikations- und Transaktionskosten geringer ausfallen als bei alternativer Organisation z.B. in einem vertikal integrierten multinationalen Unternehmen. Im deutschen Lohnveredelungsverkehr zeigt sich, dass sich die Einfuhren nach passiver Lohnveredelung hauptsächlich auf Erzeugnisse der Industrien Textil/Bekleidung, Lederwaren/Schuhe, Holzwaren, Büromaschinen und Elektrotechnik konzentrieren, wobei als Sitzländer der Kooperationsunternehmen fast nur die (ehemals) sozialistischen Lander in Europa und die asiatischen Schwellenländer von Bedeutung sind. Ausgelagert werden dabei v.a. Teilfertigungsschritte der Produktion, bei denen die in diesen Ländern relativ reichlich vorhandenen un- und angelernten Arbeitskräfte relativ intensiv genutzt werden, wobei die Lohnunterschiede hinreichend gross sind, um die Transport-und Kommunikationskosten einerseits und Produktivitätsunterschiede andererseits zumindest zu kompensieren. Als weitere Formen internationaler Unternehmenskooperation sind zu nennen: Know-how-Verträge (über nicht patentier-bares Wissen), Konsortien (zeitlich befristet für bestimmte Projekte, z.B. Erstellung einer schlüsselfertigen Produktionsanlage), Kontraktor-Verträge (zeitlich befristet zur Ausbeutung eines Rohstoffvorkommens), Kartelle und Franchising. Die hier genannten Formen der internationalen Unternehmenskooperation liegen auf einem Spektrum zwischen den Extremen Markt und Hierarchie. Sie werden häufig auch als neue Formen Internationaler Unternehmenszusammenarbeit bezeichnet, wobei neu nicht die Vertragsformen als solche, sondern ihre wachsende Bedeutung in der internationalen Arbeitsteilung meint. Für ein Unternehmen stellt sich für jedes zu beschaffende oder abzusetzende Gut das Problem der optimalen Wahl der Internationalisierungsform (einschließlich des vollständigen Verzichts des Auftretens auf Auslandsmärkten). Eine umfassende und empirisch gehaltvolle Theorie dieser Entscheidung fehlt bis heute. Die entscheidende Schwierigkeit besteht darin, die Transaktionskosten alternativer Formen internationaler Unternehmenszusammenarbeit hinreichend genau zu erfassen. Ein Weg, trotzdem die relative Vorteilhaftigkeit alternativer Internationalisierungsstrategien angesichts konkreter Entscheidungssituationen eines Unternehmens zu ermitteln, besteht darin, allen EinfluBfaktoren für jede Alternative Kostengrößen auf einer von sehr hoch über Null bis stark negativ reichenden (oder ähnlich normierten) Skala auf der Basis von Erfahrungen, theoretischen Überlegungen, subjektiven Einschätzungen etc. zuzuweisen, anschließend die (gewichteten) Kosten über alle Faktoren zu summieren und die kostengünstigste Strategie zu wählen. Literatur: Wagner, J. (1991). Kappich, L. (1989). Casson, M. (1987)

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