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Theorie der funktionalen Einkommensverteilung

erklärt die Einkommensverteilung nach Einkommensarten. Die Verteilung nach Einkommensbeziehern behandelt die Theorie der personellen Einkommensverteilung. a) Klassische (funktionale) Verteilungstheorien sind dadurch gekennzeichnet, dass die Einkommensarten Lohn, Grundrente und Gewinn identisch sind mit den Einkommen der Arbeiter-, Grundbesitzer- und Unternehmer-Kapitalistenklasse. Zwischen funktionaler und personeller Einkommensverteilung nach sozialen Klassen besteht kein Unterschied. In der Ricardianischen Theorie wird die langfristige Verteilung durch folgende Gesetzmäßigkeiten bestimmt: abnehmende Bodenerträge bei zunehmender Nutzung, langfristige Tendenz des Reallohns zum Existenzminimum hin und Akkumulation aufgrund des Gewinnmotivs. Das Zusammenspiel dieser Gesetzmäßigkeiten bewirkt bei steigender Bevölkerung und im gleichen Ausmass stattfindender Akkumulation (fixe Proportionen), dass bei gleichbleibendem Reallohnsatz die Grundrente steigt und die Profitrate fällt, bis die Kapitalisten die Akkumulation einstellen und in weiterer Folge die Bevölkerung stagniert. Für die Aufteilung des Gesamtprodukts nach Abzug der Rente gilt dagegen: Der Lohnanteil steigt, der Profitanteil sinkt. Hinsichtlich der Aufteilung des Gesamtprodukts auf Grundrenten-, Lohn- und Profiteinkommen sind die Ergebnisse weniger eindeutig. Die häufig als Kernstück der Ricardianischen Verteilungstheorie bezeichnete Aussage, dass der Rentenanteil steigt, der Lohnanteil gleich-bleibt und der Profitanteil fällt, läßt sich — zumindest, wenn man RICARDOs Gesamtwerk berücksichtigt — nicht einwandfrei belegen. Die klassische Verteilungstheorie enthält keine eigene Profittheorie. Der Profit ergibt sich als Restgröße, nachdem Lohn und Grundrente bestimmt sind. Diesen Mangel behob Karl MARX. b) Verteilungstheorie von MARX. Auch bei ihm sind Einkommensarten und Einkommensklassen identisch. Sein Modell ist ein Zwei-Klassen-Modell; denn wenn keine abnehmenden Erträge zugrunde gelegt werden, ist es nicht notwendig, zwischen Profit- und Grundrentenempfängern zu unterscheiden. Mit seiner Lehre vom Mehrwert begründet MARX die Entstehung eines Überschußprodukts (Surplus) und damit des Profits, obgleich sich die Güter entsprechend ihrem in Arbeitszeit gemessenen Arbeitswert austauschen (Arbeitswertlehre). Auch die Arbeitskraft selbst tauscht sich langfristig nur zu ihren Reproduktionskosten, gemessen in Arbeitszeit, aus. Das Regulativ bildet die industrielle Reservearmee. Steigt der Lohn über die Reproduktionskosten, wird Arbeit durch konstantes Kapital substituiert, und der Lohn sinkt wieder. Das Gewinnstreben und der Konkurrenzkampf zwingen die Kapitalisten zu fortwährender Akkumulation. Durch die gestiegene Produktivität werden die Reproduktionskosten der Arbeit sinken, und die Mehrwertrate m/v wird steigen (m = Mehrwert, v = variables Kapital). Damit steigt auch der Profitanteil m/(v + m) und dementsprechend fällt der Lohnanteil. Der gütermäßige Reallohn steigt nämlich bei MARX langfristig nicht mit der Produktivität, sondern bleibt gleich. Um über das Verhalten der Profitrate m/(c + v) (c = konstantes Kapital) zu Aussagen zu gelangen, bedarf es zusätzlicher Annahmen. c) Neoklassische Verteilungstheorie. Gegenüber der klassischen und der MARXschen Theorie ist der institutionelle Rahmen verändert. Im Mittelpunkt stehen die Einkommensarten der Produktionsfaktoren und nicht mehr die sozialen Klassen. Die Modelle sind Zwei- und Drei-Faktoren-Modelle. Die Produktionsfaktoren stehen gleichberechtigt nebeneinander. Jedes Wirtschaftssubjekt kann jeden Produktionsfaktor besitzen oder verkaufen. Kapitalisten und Unternehmer sind i.d.R. nicht mehr identisch. Ein weiterer Unterschied betrifft die Art der Produktionsfunktionen. Sie beziehen sich auf kontinuierlich substituierbare Produktionsfaktoren und müssen eindeutig, stetig und mindestens zweimal diffe- renzierbar sein. Die Grenzproduktivitäten sind positiv, aber sie nehmen ab. Außerdem müssen bestimmte Bedingungen hinsichtlich der Grenzwerte existieren, die dazu führen, dass sich die Isoquanten den Achsen asymptotisch nähern. Die neoklassische Argumentation kann als makroökonomische Version der Grenzproduktivitätstheorie der Verteilung bezeichnet werden. Sie gibt die Einkommensverteilung im - kompetitiven Gleichgewicht wieder. Unter den Voraussetzungen von constant returns to scale und der vollständigen Konkurrenz auf Produkt- und Faktormärkten läßt sich die Verteilung des Sozialprodukts ausschließlich aus den Produktionsbedingungen erklären. Treffen diese Voraussetzungen nicht zu, so muss zur Bestimmung der Produktionshöhe entweder eine Kombination mit den Angebotsbedingungen der Faktormärkte oder mit dem Kreislaufzusammenhang erfolgen. Kein Widerspruch zu der rein angebotsseitig bestimmten Verteilung ist die Aussage, dass der neoklassischen Verteilungstheorie Faktor- und Produktpreise zugrunde liegen, die durch den Schnittpunkt von Angebots- und Nachfragekurven bestimmt sind. Denn die Faktornachfrage, bezogen auf den realen Faktorpreis, ist aufgrund der Kostenminimierung durch die Grenzproduktivität des Faktorinputs bestimmt. Natürlich kommen dabei in den Produktpreisen sowie im Faktorangebot die Präferenzen der Individuen zum Ausdruck. d) Monopolgrad-, Macht- und Verteilungskampftheorien. Die Monopolgradtheorien, die als eine Sonderform der Machttheorien anzusehen sind, berücksichtigen den unvollständigen - Wettbewerb auf dem Produktmarkt. Wird dabei die Annahme der Gewinnmaximierung beibehalten, lassen sich ihre Modelle als Modifikationen im Rahmen der neoklassischen Verteilungstheorie behandeln. Gehen jedoch die Unternehmer zu einer Zuschlagskalkulation (-p mark-up pricing) über, wird der Rahmen der neoklassischen Theorie verlassen. Schlagen die Unternehmer einen konstanten Prozentsatz auf die variablen Lohn-Stückkosten auf, so ist mit diesem Zuschlag bereits die Profitquote und damit (bei Übertragung auf die Makroökonomie) auch die makroökonomische - Einkommensverteilung bestimmt. Zumeist werden diese mark-up-Modelle aber Kombinationsmodelle sein, so z.B. die Modelle von Erich PREISER und Alfred STOBBE, die eine Verbindung mit der postkeynesianischen Verteilungstheorie herstellen. Michal KALECKI leitet zwar die Lohnquote ausschließlich aus dem Monopolgrad und dem Lohn-Rohstoffkosten-Verhältnis ab, stellt aber in der Modellverwendung die Verbindung zur Kreislauftheorie her. Andere Arten der Machttheorie stellen auf die Verhältnisse auf dem Arbeitsmarkt ab. Begründet werden die Machtverhältnisse in diesen Theorien, deren erste Ansätze sich bei den Frühsozialisten finden, durch institutionelle Faktoren politische Machtverhältnisse, die Bodensperre durch die Eigentümer (Franz OPPENHEIMER) oder die Besitzverhältnisse (Quasimonopoltheorie von PREISER). In den Theorien, die dem collective-bargaining-Bereich entstammen, wird dagegen das Gewicht auf diejenigen Machtfaktoren gelegt, die unmittelbar das Resultat der Tariflohnverhandlungen bestimmen, wie z.B. der Organisationsgrad. Ausgehend von den unterschiedlichen Verteilungszielen von Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite läßt sich die Aufteilung zwischen Lohn- und Gewinneinkommen als Ergebnis eines Verteilungskampfes interpretieren. Mit Hilfe von dynamischen Modellen wird versucht, den Ablauf dieses Kampfes zu analysieren. Komplexe Verteilungsmodelle werden immer integrierte Modelle sein. Ein modernes Verteilungskampfmodell, das als Zwei-Klassen-Konflikt-Modell auf spieltheoretischer Basis konzipiert ist, wurde von Kelvin LANCASTER (1973) entwickelt. Obgleich rein mikroökonomisch formuliert, kommt das Integrationselement durch Investitionsquote, Konsumquote und durch die Untersuchung der Auswirkungen auf die Akkumulation zustande. e) Postkeynesianische Verteilungstheorien. Die ursprüngliche Keynesianische Theorie enthält keine eigenständige Erklärung der funktionellen Einkommensverteilung. Der in dieser Theorie hervorgehobene Kreislaufzusammenhang hat zwar einen Einfluss auf die Einkommensverteilung, kann jedoch für sich allein die Verteilung nicht bestimmen. Angebotsseitige Bestimmungsgründe müssen noch hinzukommen, wie z.B. bei John M. KEYNES der Grenzproduktivitätsansatz. Insofern sind keynesianische Modelle der Einkommensverteilung bereits integrierte Modelle. Eine rein nachfrageseitig orientierte Theorie liefern dagegen die postkeynesianischen Verteilungsmodelle, die sämtlich auf Nicholas KALDOR zurückgehen. KALDOR geht vom kurzfristigen keynesianischen Kreislaufgleichgewicht aus und führt statt einer einheitlichen gesamtwirtschaftlichen Sparneigung die unterschiedlichen Sparneigungen von Profit-und Lohnempfängern ein. Aus dieser Kombination von Kreislauftheorie und Gruppenverhalten lassen sich die Verteilungsquoten bestimmen, sobald die Investitionsquote feststeht. Ist dagegen, wie es dem Selbstverständnis der - Keynesianischen Theorie eigentlich entsprechen müßte, nur die Investition, aber nicht die Investitionsquote vorgegeben, sind zur Schließung des Systems weitere Bausteine notwendig. Das KALDOR-Modell ist ein Zwei-Klassen-Modell, kann aber trotzdem noch als Modell der funktionalen Verteilung angesehen werden, weil seine Einkommensbeziehergruppen mit den Beziehern verschiedener Einkommensarten identisch sind. Den Übergang zu einem vollständigen Zwei-Klassen-Modell vollzieht Luigi PASINETTI, indem er berücksichtigt, dass auch das Sparen von Lohnempfängern zum Aufbau von Vermögen führt. Je nachdem, ob die Sparneigungen der Lohnempfänger aus Lohn- und Profiteinkommen einheitlich oder unterschiedlich sind, ergeben sch verschiedene Modellvarianten. f) Integrierte Verteilungstheorien. Die meisten modernen Verteilungstheorien kombinieren Elemente der behandelten Theorien. Verbreitet ist die Kombination von nachfrage- und angebotsorientierten Elementen, insbes. die Synthese der Keynesianischen mit der Neoklassischen Theorie (neoklassische Synthese-Modelle). Bei vollkommen beweglichen Löhnen und Preisen wird (von den KEYNES-Fällen der Liquiditäts- und der Investitionsfälle abgesehen) immer ein angebotsorientiertes Ergebnis, also die Vollbeschäftigungssituation resultieren. Bei dauerhaft oder vorübergehend starren bzw. autonom festgesetzten Löhnen und Preisen kann es dagegen zu Unterbeschäftigungslösungen kommen. Eine Synthese von nachfragetheoretischen Elementen und autonomen Lohn- und Preisfestsetzungspraktiken findet sich insbes. in Verteilungskampfmodellen. Eine Kombination von Postkeynesianischer Theorie und Monopolgrad findet sich auch in den Modellen von PREISER und STOBBE. Bekanntestes Beispiel für eine Kombination zwischen Postkeynesianischer Theorie und neoklassischen Elementen ist das Modell von Robert SO-LOW und Joseph STIGLITZ, das in seiner dynamischen Version zu kurzfristigen Ungleichgewichten führen kann (Ungleichgewichtstheorie). Eine Erweiterung in Richtung eines Verteilungskampfmodells mit postkeynesianischen Elementen ist gleichfalls möglich. Literatur: Ramser, H.J. (1987). Bartmann, H. (1981). Blumle, G. (1975)

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