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Aussenhandelsgewinn

eine der mit Aufnahme von Freihandelsbeziehungen verbundenen Aussenhandels Wirkungen, die allen sich in das System des Freihandels eingliedernden Nationen eine bessere Güterversorgung erschliesst. Der Nutzeffekt internationaler Arbeitsteilung und internationalen Tausches kann in neuen Produkten oder Produktvarianten (durch Importe verbreiterte Produktdifferenzierung, technologische Lücke, Produktzyklus- theorie) oder in einer Ausweitung der Versorgung mit bereits vorhandenen Erzeugnissen bestehen. Dieser letzte Fall wird als Aussenhandelsgewinn bezeichnet. Seine Analyse steht im Zentrum der Theorie der komparativen Kosten, welche die normative Aussenhandelstheorie klassischer Ricardo- Theorem) und neoklassischer (Faktorpro- portionentheorie) Ausrichtung entscheidend geprägt hat. Quellen des Aussenhandelsgewinns sind die durch internationale Arbeitsteilung und Spezialisierung auf relativ kostengünstige Produktionszweige geschaffenen Möglichkeiten zur Produktivitätssteigerung (Spezialisierungsgewinn) und der internationale Tausch eines Teils der hierdurch erzielten Mehrproduktion gegen solche Auslandswaren, die im Inland nicht oder nur zu relativ hohen Kosten verfügbar sind (reiner Handelsgewinn). Die Tauschkonditionen, die darüber entscheiden, welche Mengen an Importprodukten eingetauscht werden können, werden durch die terms of trade (reales Austauschverhältnis) bestimmt. Veränderungen dieser Relation zwischen Export- und Importpreisniveau von Volkswirtschaften sind daher die Quelle internationaler Umverteilungsprozesse von Aussenhandelsgewinnen.                                                              Literatur: Rose, K., Theorie der Aussenwirtschaft, 10. Aufl., München 1989. Schumann, J., Aussenhandel III: Wohlfahrtseffekte, in: HdWW, Bd. 1, Stuttgart 1977, S. 403 ff. Siebert, H., Aussenwirtschaft, 5. Aufl., Stuttgart 1991, S. 163 ff.

Vorteile, die sich für ein einzelnes Land, für Gruppen von Ländern, für die Welt als Ganzes durch Aufnahme von Güterhandel erzielen lassen. Die Frage der Vorteilhaftigkeit des Handels erfordert eine gesellschaftliche Zielfunktion und kann nur vor dem Hintergrund genau spezifizierter Beurteilungskriterien sinnvoll analysiert werden. Dazu wiederum ist die Darstellung und Analyse der Ausgangsbedingungen vor Handelsaufnahme und der sich nach Handelsaufnahme ergebenden Handelsstruktur erforderlich. Ausgangspunkt der Analyse bildet zumeist die von David RICARDO und Robert TORRENS entwickelte Theorie der komparativen Vorteile (komparative Kosten). Es läßt sich zeigen, dass die Aufnahme von Handelsbeziehungen den Ländern das Erreichen einer Versorgungslage außerhalb der im Autarkiezustand gegebenen Transformationskurve ermöglicht. Der dabei ermittelte Außenhandelsgewinn (ausgedrückt in zusätzlich verfügbaren Konsumgütermengen bzw. eingesparten Produktionsfaktoren) läßt sich aufgliedern in den sog. Handelsgewinn und den Spezialisierungsgewinn. Der Handelsgewinn kommt in den zusätzlich verfügbaren Konsumgütermengen zum Ausdruck, die selbst unter Beibehaltung der Zusammensetzung der Produktion des Autarkiezustandes allein durch Tausch zwischen den jeweiligen Ländern realisiert werden können. Andererseits könnte allein durch (vollständige oder unvollständige) -5 Spezialisierung der jeweiligen Länder im Sinne eines beide Länder umfassenden zentralgeplanten Produktionsoptimums die Konsumstruktur des Autarkiezustandes mit einer geringeren Menge von Produktionsfaktoren erstellt werden (Spezialisierungsgewinn). Diese Unterscheidung ist allerdings weitgehend didaktischer Natur, da die zu Autarkiepreisen realisierte Produktionsstruktur nur beibehalten werden kann, wenn die Produktionsfaktoren die zu den neuen Preisen suboptimale Allokation akzeptieren (Faktormobilität), andernfalls sind Produktionspunkte links der Transformationskurve zu erwarten, die selbst den Handelsgewinn i.e.S.in Frage stellen. Schwieriger wird die Analyse insbes. dadurch, dass i.d.R. die Versorgungslage der einzelnen Wirtschaftssubjekte eines Landes durch Auf- bzw. Zunahme des Außenhandels unterschiedlich beeinflußt wird. Bei einigen Wirtschaftssubjekten wird sie sich verbessern, bei anderen verschlechtern. Um der Notwendigkeit interpersoneller Nutzenvergleiche (Nutzenmessung) zu entgehen, wurde eine Reihe von Wohlfahrtskriterien entwickelt, mit Hilfe derer entschieden werden soll, ob eine Situation »besser« oder »schlechter« als die Ausgangssituation ist. Ergebnis: Eine potentielle Verbesserung der Versorgungslage ergibt sich dann, wenn in der neuen Situation (nach Aufnahme des Außenhandels) ungeachtet der Verteilung der Güter mehr oder zumindest nicht weniger Güter verfügbar sind. Falls keine Marktunvollkommenheiten, Externalitäten etc. vorliegen, wird entsprechend diesem Kriterium Außenhandel für das einzelne Land, für eine Gruppe von Ländern wie auch für die Welt insgesamt eine potentielle Verbesserung gegenüber dem Autarkiezustand mit sich bringen. Dies besagt jedoch nicht, dass Freihandel immer die Versorgungslage eines einzelnen Landes optimiert. Wie die Optimalzoll-Theorie zeigt, kann durch Ausnutzen einer Monopol-/Monopsonstellung auf den internationalen Märkten, verbunden mit der dazu erforderlichen Zollpolitik, ein Land für sich allein seine Versorgungslage selbst gegenüber der Freihandelssituationen verbessern (beggar-my-neighbourpolicy). Ob dies gelingt, hängt nicht zuletzt von Gegenmaßnahmen der anderen Länder ab (Retorsionszoll). Dies zeigt auch, dass die statische Analyse von Außenhandelsgewinnen durch eine dynamische Betrachtung zu ergänzen ist. Insbes. ist zu diskutieren, welche Auswirkungen der Außenhandel auf das Wachstum und die Wettbewerbsposition hat. Die Frage des Außenhandelsgewinns, wenngleich meist im Hinblick auf die Vorteile des Güterverkehrs über die Landesgrenzen untersucht, muss auch im Hinblick auf Vorteile internationaler Kapitalbewegungen und deren Zusammenwirken mit dem Güterverkehr analysiert werden. Internationale Kapitalbewegungen können einen Außenhandelsgewinn durch Förderung des Leistungsverkehrs, Verbes- serung der Arbeitsteilung durch Standortveränderungen (Errichtung von Tochtergesellschaften im Ausland, ausländische Beteiligungen) und Ausgleich von Liquidität herbeiführen. Gibt man die Annahme der Vollbeschäftigung, der Flexibilität von Produkt- und Faktorpreisen sowie der Übereinstimmung von privaten und sozialen Kosten auf, so können sich auch Verluste aus dem Außenhandel ergeben. Von besonderer Bedeutung v.a. für Entwicklungsländer ist jener Fall, in dem sich aufgrund des Wachstums in der Exportgüterindustrie die internationale Tauschrelation (terms of trade) so stark verschlechtert, dass die damit einhergehende wohlfahrtsmindernde Wirkung die positiven Wohlfahrtseffekte des Wachstums überkompensiert (Fall des inuniserizing growth). In diesem Zusammenhang ist auch die These vom ungleichen Tausch zu nennen. Hier wird behauptet, der Süden der Welt erhalte für seine Exportgüter eines Arbeitstages weniger Importgüter, als der Produktion eines Arbeitstages im Norden entspräche. Diese auch im Zusammenhang mit der PREBISCH-These zu sehende Gedanke ist trotz seiner zweifellos besonderen politischen Relevanz theoretisch unbefriedigend analysiert und spielt heute in der Außenwirtschaftstheorie praktisch keine Rolle mehr. Literatur: Rose, K., Sauemheimer, K. (1999)

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