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Cambridge-Schule

bildet
neben der österreichischen Schule und der Lausanner Schule den dritten Zweig
der (älteren) Neoklassik bzw. Grenznutzenschule. Obwohl sie unter dem Einfluß
des Grenznutzentheoretikers William St. Jevons
entstanden und in dessen Geist von Francis Y. Edgeworth - er verfaßte grundle­gende Arbeiten zum Tauschprozeß und zur
Preistheorie (Indifferenzkurven-Theorie, Edgeworth-Box, Kontraktkurve) - und Philip H. Wicksteed (Grenzproduktivitäts- theorie der Verteilung,
Begriff der Oppor­tunitätskosten) weiterentwickelt worden ist, erhält sie durch
Alfred Marsball, der die An­sätze der Grenznutzenschule mit
jenen der Klassik zu verschmelzen versucht, ihr spezi­fisches Gepräge und
gewinnt Einfluß vor allem im englischsprachigen Raum.


Insb.
durch seine Arbeiten auf dem Gebiet der Preistheorie hat Marshall das Bild des partialanalytischen Teils der
Mikroökonomik bestimmt: nutzentheoretische Ableitung der individuellen Nachfragefunktionen,
produk- tions- bzw. kostentheoretische und somit eher "klassische" Ableitung
des individuellen Fir­menangebots, repräsentative Firma, Verallge­meinerung der
Ertragstheorie, Konsumenten- und Produzentenrente, Unterscheidung von kurzer,
mittlerer und langer Frist. Im Bereich der Geldtheorie hat er mit seiner
Theorie der Kassenhaltung, die später von Dennis H. Ro­bertson und Robert Hawtrey
weitergeführt worden ist, Fundamente gelegt, auf denen John Maynard Keynes aufbauen konnte. Marshalls Schüler Arthur C. Pigou hat sein System weiterentwickelt und
verfeinert; auf ihn geht auch die Theorie der externen Ef­fekte zurück, mit der
der Wohlfahrtsöko­nomik und der Ordnungspolitik ein neues Feld erschlossen
worden ist.


Der Cambridge-Schule im weiteren Sinne lassen sich auch einige
bedeutende amerikani­sche Ökonomen zurechnen, obwohl deren Arbeiten zugleich stark von der Auseinander­setzung mit der österreichischen
Schule ge­prägt sind. So entwirft John Bates Clark im
Zusammenhang mit seiner Kapitaltheorie eine makroökonomische Variante der
Grenz- produktivitätstheorie der Verteilung. Dieser Ansatz wird in Verbindung
mit dem Instru­ment der gesamtwirtschaftlichen Produk­tionsfunktion zur
Grundlage der neoklas­sischen Wachstumstheorie. Wesentliche Beiträge zur
modernen Kapital- und Zins­theorie (Analyse der intertemporalen Alloka­tion)
sowie zur Geldtheorie (Quantitäts­theorie) liefert auch Irving Fisher. Frank H. Knight, ebenfalls Kapitaltheoretiker, stellt die
Theorie des Unternehmergewinns auf eine neue Grundlage, indem er ihn auf
Phänomene der Ungewißheit zurückführt.


Literatur: Stavenhagen,
G.,
Geschichte der Wirt­schaftstheorie, 4. Aufl., Göttingen 1969.




Gruppe neoklassischer Ökonomen, die direkt oder indirekt beeinflußt waren von dem in Cambridge lehrenden Alfred MARSHALL (1842-1924), der nach dem frühen Tode JEVONS\' der führende Vertreter der .4 Neoklassischen Theorie in England war. Wesentlich weniger homogen als die -8 Östereichische Schule oder die Lausanner Schule, umfaßt sie fast alle angloamerikanischen Vertreter der Neoklassischen Theorie. Obwohl die Neoklassische Theorie auch im angelsächsischen Raum Vorläufer hatte (so vertrat v.a. Nassau William SENIOR, der der Klassischen Theorie zugehört, eine subjektive Wertlehre), ist die Cambridge-Schule durch das Bemühen gekennzeichnet, neoklassische Ansätze mit der Tradition der klassischen Theorie zu verbinden. Das gilt v.a. für MARSHALL, der jedoch auf dem Werk seiner Zeitgenossen William St. JEVONS, Philip H. WICKSTEED und Francis Y. EDGE-WORTH aufbaute. William St. JEVONS (1835-1882) führte den Begriff des Grenznutzens ein (Nutzen) und entwickelte auf seiner Grundlage eine Theorie des individuellen wirtschaftlichen Verhaltens, die in der Tradition des Utilitarismus Nutzen-Kosten-Erwägungen in den Mittelpunkt stellte. JEVONS analysierte auf diese Weise u.a. den Tauschprozess auf Märkten, die Bestimmung des Arbeitseinsatzes und die Entscheidung über die Länge des Investitionsprozesses, entwickelte jedoch keine geschlossene Theorie. Francis Y. EDGEWORTH (1845-1926) lieferte v.a. grundlegende Analysen des Tauschprozesses. Wie Vilfredo PARETO (Lausanner Schule) ging er dabei von Indifferenzkurven aus, die er im Fall des Tausches zwischen zwei Marktteilnehmern zu einer sog. EDGEWORTH-Box zusammenfügte, um die Menge aller PARETO-effizienten Tauschmöglichkeiten als sog. Kontraktkurve abzuleiten. Dabei ersetzte er WALRAS\' Begriff des Tätonnement durch die Annahme des Rekontrahierens, d.h. die Annahme, dass alle Kaufverträge vorläufig sind, solange die Gleichgewichtspreise noch nicht gefunden sind (Lausanner Schule). Philip H. WICKSTEED (1844-1927) entwickelte die Grenzproduktivitätstheorie der Verteilung und zeigte, dass sie nur bei konstanten Skalenerträgen zur vollständigen Aufteilung des Produktes führt. Darüber hinaus entwickelte WICKS-TEED, teilweise unter dem Einfluss der Österreichischen Schule, den Begriff der Alternativkosten (opportunity costs). Alfred MARSHALL nahm diese Überlegungen ebenso wie die der Österreichischen und der Lausanner Schule auf und verarbeitete sie mit Gedankengut der Klassischen Theorie zu einer Synthese. Dabei betonte er nicht (wie die Lausanner Schule) die allgemeine Interdependenz, sondern analysierte Angebot und Nachfrage auf einzelnen Märkten, bot also eine Partialanalyse (Analyse). Auf der Nachfrageseite übernahm er von JEVONS und der Österreichischen Schule die auf dem Grenznutzenbegriff basierende Theorie der Nachfragefunktion und entwikkelte sie weiter, indem er z.B. auf die Möglichkeit des sog. - GIFFEN-Gutes hinwies. Auf der Angebotsseite folgte er jedoch nicht (wie WICKSTEED) der Österreichischen Schule, die die - Angebotsfunktion als die auf Nutzenerwägungen basierende Nicht-Eigennachfrage der Anbieter interpretierte, sondern entwikkelte eine Theorie der repräsentativen Unternehmung, die letztlich auf Überlegungen der Klassischen Theorie aufbaut. So verallgemeinerte MARSHALL den Begriff des Ertragsgesetzes, indem er zwischen steigenden, konstanten und fallenden Skalenerträgen unterschied, und leitete daraus fallende, konstante und steigende Kostenverläufe ab, die das jeweilige Angebotsverhalten der Unternehmer bestimmen. Ebenso verallgemeinerte er den Rentenbegriff der Klassischen Theorie und formte ihn um in den Begriff der Produzentenrente bzw. der Konsumentenrente. Die Synthese zwischen Altem und Neuem gelang ihm v.a. durch die Unterscheidung zwischen kurzer und langer Periode: Während in der kurzen Periode fixe Kosten vorherrschen, ist die lange Periode so lang, dass alle Kosten variabel werden. Damit wurde die kurze Periode, in der weitgehend nachfragebestimmte Marktpreise dominieren, zur Domäne der Neoklassischen Theorie und die lange Periode, in der weitgehend angebotsbestimmte Produktionspreise dominieren, zur Domäne der Klassischen Theorie. MARSHALLS Synthese war, besonders im angloamerikanischen Sprachbereich, so erfolgreich, dass sie für fast ein halbes Jh. andere Ansätze zurückdrängte und zur beherrschenden Orthodoxie wurde. Sie wurde hauptsächlich weiterentwickelt von seinem Schüler und Nachfolger in Cambridge Arthur C. PIGOU (1877-1959), der v.a. MARSHALLs Unterscheidung von Unternehmung und Industrie aufnahm, zwischen internen und externen, privaten und sozialen (d.h. gesellschaftlichen) Kosten und Erträgen unterschied und auf dieser Basis die Wohlfahrtsökonomik entwickelte, in deren Mittelpunkt er die Korrektur von Externalitäten durch Steuern und Subventionen stellte. In seiner Geldtheorie entwickelte MARSHALL die sog. Kassenhaltungstheorie, die die Geldnachfrage abhängig machte von der Höhe der Einkommen. Das führte zu makroökonomischen Überlegungen über die Höhe der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage und die Rolle der Zentralbank für die Verursachung ihrer Schwankungen, die bei Dennis H. ROBERTSON (1890-1963), Robert HAW-TREY (1879-1975) und John Maynard KEYNES (1883-1946) zu Einsichten führte, die der Keynesianischen Theorie den Boden bereiteten. Zum weiteren Umkreis der Cambridger Schule gehören einige amerikanische Ökonomen wie John Bates CLARK, Irving FISHER und Frank H. KNIGHT. John Bates CLARK (1847-1938) entwikkelte, parallel zu WICKSTEED, die Grenzproduktivitätstheorie der Verteilung, ging jedoch über WICKSTEED hinaus, indem er sie einerseits makroökonomisch interpretierte und andererseits mit Gerechtigkeitsüberlegungen verband: Die Entlohnung nach dem Grenzprodukt war für CLARK die »gerechte« Entlohnung. Ebenso einflußreich waren seine Beiträge zur Kapitaltheorie, insbes. seine Unterscheidung zwischen einzelnen abnutzbaren Kapitalgütern und dem von ihnen repräsentierten nicht abnutzbaren »ewigen« Kapitalfonds. Diese Überlegungen wurden weitergeführt von Irving FISHER (1867-1947), der die Beziehungen zwischen Kapitalbestand, Kapitalleistungen und Kapitaleinkommen analysierte und dabei die grundlegende Unterscheidung zwischen Bestandsgrößen und Stromgrößen einführte. Im Anschluss an Eugen von BÖHM-BAWERK entwickelte FISHER die noch heute vorherrschende Zinstheorie, in der der Zins erklärt wird aus intertemporären Nutzenerwägungen (Zeitpräferenz) einerseits und intertemporären Investitionsmöglichkeiten andererseits. Auf dem Gebiet der Geldtheorie gab FISHER der Quantitätstheorie ihre klassische Formulierung. Nicht minder einflußreich war seine Analyse der Zusammenhänge zwischen Realzins, Nominalzins und Inflationsrate. Frank H. KNIGHT (1885-1975) betonte v.a. den Informationsbedarf rationalen wirtschaftlichen Handelns und verwies darauf, dass Unternehmer so lange eine Rolle in einem marktwirtschaftlichen System spielen, als Unsicherheit bezüglich der Zukunft herrscht (Risiko und Unsicherheit). Infolgedessen interpretierte er den Unternehmergewinn als Entlohnung für die korrekte Antizipation unsicherer Entwicklungen und formulierte damit die Neoklassische Theorie des Unternehmergewinns. Diese Gedanken wurden weiterentwickelt in der Neo-neoklassischen Theorie. Literatur: Shackle, G.L.S. (1967). Hutchison, T.W. (1953)

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