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Going Public, Vorbereitungsphase


1. Definition Unter dem Begriff Going Public (Gang an die Börse) wird die erstmalige Notierung von Aktien einer Unternehmung an der Börse verstanden. In der Regel ist diese erstmalige Notierung auch mit der erst­maligen   Platzierung von Aktien beim   Anlegerpublikum verbunden und man spricht daher auch von einem Initial Public Offering (IPO). Die Begriffe Going Public und Initial Public Offering werden daher oft synonym verwendet. Die Bedeutung von Initial Public Offerings variiert von Land zu Land durchaus erheblich. So spielt die Börsennotierung traditioneller weise in Ländern wie den USA und Grossbritannien eine wesentlich grö­ssere Rolle als beispielsweise im deutschsprachigen Raum. Tabelle 1: Anzahl an Initial Public Offerings von 1997 bis 2004 verdeutlicht diesen Umstand. Über die Jahre 1997 bis 2004 sind im Schnitt pro Jahr in den USA (NYSE,   Nasdaq und  AMEX) 310, in Grossbritannien (LSE Hauptmarkt und   AIM) 157, in Deutschland (Frankfurter Wertpapierbörse: Amtlicher Handel, Geregelter Markt, Neuer Markt) 53, in der Schweiz (SWX Swiss Exchange: Hauptsegment, Local-Cap Segment) 9 und in Österreich (Wiener Börse: Amtlicher Handel, Geregelter Freiverkehr) nur knapp 4 Unternehmen an die Börse gegangen. Deutlich erkennbar ist der sehr zyklische Charakter der Menge an Initial Public Offerings. In Deutschland waren beispielsweise die Jahre 1999 und 2000 von einer bis dahin nie gesehenen Going Public Welle gekennzeichnet.
Going Public, Vorbereitungsphase Die erste Phase (Vorbereitungsphase) dauert in der Regel vier bis sechs Monate und beginnt mit der Entscheidung der Altaktionäre zum Going Public. Die Beweggründe für ein Going Public können sehr vielschichtig sein (siehe unten). Nach dieser Grundsatzentscheidung ist zunächst ein internes Pro­jektteam, typischerweise bestehend aus Vertretern der Finanzabteilung, der Rechtsabteilung sowie den Bereichen Rechnungswesen und Controlling, zu installieren. Die Aufgaben des internen Projektteams bestehen in der Zusammenstellung aller erforderlichen Unterlagen, der strategischen Ausrichtung des Emissionskonzepts sowie einer Schnittstellenfunktion zu den externen Beratern. Das externe Berater­team umfasst vor allem Vertreter der   Emissionsbanken, Rechtsanwälte, Wirtschaftsprüfer, Steuerbe­rater und häufig auch eine Marketingagentur. Weitere wichtige Aufgabenbereiche in der Vorberei­tungsphase sind:
(1) Wahl der Emissionsbank,
(2)   Due Diligence Prüfung,
(3)   Unternehmensbe­wertung,
(4) Emissionsprospekt erstellen,
(5) Wahl der Börse,
(6) Börsenzulassung beantragen, und
(7) erste Marketingaktivitäten durchführen. Nach der Vorbereitungsphase folgt die zweite Phase (Durchführungsphase) mit einer Dauer von in et­wa ein bis zwei Monaten und schliesslich die dritte Phase (Sekundärmarkt) mit dem Aktienhandel an der Börse (siehe  Going Public, Durchführungsphase).
3. Motivation für ein Going Public Die Motive ein Going Public durchzuführen sind vielschichtig und umfassen vor allem folgende Punk­te:
(1) Kapitalquelle,
(2) Wahrung der Einflussmöglichkeiten,
(3) Risikostreuung für die Altaktionäre,
(4) Bekanntheitsgrad und Reputation,
(5)   Mitarbeiterbeteiligung,
(6)   Privatisierung von Staats­betrieben. • Kapitalquelle: Vor allem Unternehmen die wachsen unterliegen im Laufe ihres Lebens zum Teil erheblichen Strukturveränderungen. Ein Going Public bietet solchen Unternehmen die Möglich­keit den Kapitalmarkt als externe Finanzierungsquelle zur Aufnahme von Eigenkapital (Kapi­talerhöhung) und Fremdkapital zu erschiessen. Dadurch erhöht sich zum einen der Spielraum zur Optimierung der Kapitalstruktur und zum anderen lassen sich grössere Projekte, wie beispielsweise die Akquirierung von Mitbewerbern, die Erschliessung neuer Absatzmärkte, Kapazitätsauswei­tungen oder vermehrte Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten leichter finanzieren. · Wahrung der Einflussmöglichkeiten: Im Gegensatz zu einem   Private Placement ist ein Going Public nicht notwendigerweise auch mit einem Einflussverlust für die Altaktionäre verbunden. Dies liegt in der zumeist grossen Streuung der im Zuge eines Going Publics verkauften Aktien beim   Anlegerpublikum begründet. · Risikostreuung für die Altaktionäre: Ein wichtiges Motiv aus der Sicht der Eigentümer (Altak­tionäre) sind Diversifikationsaspekte. Viele Unternehmer haben oft einen Grossteil ihres gesamten Vermögens in ihrer Firma gebunden. Der Wert dieses Vermögens hängt folglich zur Gänze vom Erfolg oder Misserfolg des Unternehmens ab. Über ein Going Public kann der Unternehmer einen Teil seiner Unternehmung verkaufen (daher einen Teil des geschaffenen Unternehmenswerts reali­sieren) und den Erlös anderweitig anlegen. Dadurch erhöht er den Diversifikationsgrad seines per­sönlichen Anlageportefeuilles, wodurch in der Regel auch eine entsprechende Wohlstandssteige­rung verbunden ist. · Bekanntheitsgrad und Reputation: Mit der Börseneinführung einer Unternehmung ist zwangsläu­fig auch eine erhöhte Publizität verbunden. Durch die Werbemassnahmen rund um die Erstemissi­on, den Verkauf der Aktien und der durch die Börsennotierung bedingt wesentlich stärkeren Me­dienpräsenz steigt der Bekanntheitsgrad, die Reputation und das Image. Dies hat positive Auswir­kungen auf das Verhalten von Kunden, Lieferanten, Banken, potentiellen Mitarbeitern und Füh­rungskräften.
4. Wahl der Emissionsbank Ein Going Public wird praktisch immer von Emissionsbanken begleitet. Sie stehen dem   Emitten­ten während des gesamten Going Public Prozesses und auch danach beratend zur Seite und überneh­men zahlreiche wichtige Einzelaufgaben. Bei der Wahl der Emissionsbank sind folgende Auswahlkriterien von besonderer Bedeutung:
(1) Kom­petenz und (bisherige) Erfahrungen im Going Public Geschäft,
(2) Platzierungskraft und internationale Verbindungen,
(3) Konditionen. In der Regel wird eine Emission nicht nur von einer Emissionsbank sondern von einer Gruppe von Banken, die ein  Emissionskonsortium bilden, durchgeführt.
5. Auswahl von Börsenplatz und Marktsegment Im Rahmen der Vorbereitungsphase ist weiters die Börse an der das Going Public stattfinden soll und an der die Unternehmung dann gelistet wird sowie das zugehörige Börsensegment zu wählen. Als Auswahlkriterien sind zu nennen:
(1) Region, in der die Unternehmung tätig ist und/oder die  Altak­tionäre beheimatet sind,
(2) Region, in der die Unternehmung gerne expandieren möchte,
(3) Reputati­on der Börse (Anzahl an erfolgreichen Initial Public Offerings),
(4) Liquidität der Börse (Liquidität (Börse)),
(5)   Zulassungserfordernisse,
(6) Zulassungsgebühren und laufende Kosten.
6. Kostenstruktur Die Kosten für ein Going Public setzen sich im Prinzip aus zwei Komponenten zusammen: der Über­nahmeprovision (Gross Spread) für das Emissionskonsortium und sonstige direkte Kosten, wie bei­spielsweise Kosten für die Wirtschaftsprüfer, Rechtsanwaltskosten, die Börseneinführungsgebühr, Druckkosten für den Emissionsprospekt und Kosten für die Marketingaktivitäten. Die sonstigen direk­ten Kosten sind im Wesentlichen Fixkosten. Mit steigendem   Emissionsvolumen sinkt daher die rela­tive Gesamtkostenbelastung. Sie beträgt in etwa 5 bis 15% vom Emissionsvolumen.
7. Emissionsprospekt Die Gliederung und der Inhalt von Emissionsprospekten sind durch gesetzlich vorgeschriebene Pflicht­angaben und die Marktpraxis grösstenteils standardisiert und in Deutschland unter anderem im Ver­kaufsprospektgesetz geregelt. Dadurch stellt der Emissionsprospekt trotz seines Umfangs von oft 100 bis 200 Seiten ein übersichtliches und sehr hilfreiches Dokument für die Anlageüberlegung der Investo­ren dar. Er muss alle wirtschaftlichen und rechtlichen Angaben enthalten, die erforderlich sind, um den Investoren eine zutreffende Beurteilung des   Emittenten zu ermöglichen. Für die Richtigkeit der An­gaben im Emissionsprospekt haftet der Emittent und die  Emissionsbanken. Die wesentlichen Inhalte in einem Emissionsprospekt sind:
(1) Informationen zum   Emissionskon­sortium und allgemeine Angaben über den Emittenten,
(2) wesentliche Eckdaten der angebotenen Akti­en: Preis bzw. Preisspanne, Aktienanzahl (Emissionsvolumen),  Zeichnungsfrist, erster Han­delstag,  Dividendenberechtigung, Stimmrechte,   Wertpapierkennnummer,
(3) Detailinformatio­nen über den Emittenten (die Unternehmung): Historische Meilensteine, Aktionärsstruktur (vor und nach der Emission), Verwendung des Emissionserlöses,
(4) Risikofaktoren,
(5) bisherige Geschäftstä­tigkeit des Emittenten und erwartete Zukunftsaussichten,
(6) umfassender Finanzteil mit historischen Geschäftsabschlüssen. Hinweis Zu den angrenzenden Wissensgebieten siehe  Aktiengesellschaft, deutsche,   Aktiengesellschaft, österreichische,   Aktiengesellschaft, kleine,  Businessplan,   Corporate Governance,   Due Diligence,  Gesellschaftsformen, österreichische,  Gesellschaftsrecht, europäisches,   Going Pub­lic (Durchführungsphase),  HedgefondsMergers & Acquisitions,   Private Equity,   Sanie­rungsmanagement,   Unternehmensbewertung,  Unternehmensethik,   Venture Capital.

Literatur: Aussenegg, W.: Underpricing and the Aftermarket Performance of Initial Public Offerings —The Case of Austria, in Gregoriou, G.N. (Hrsg.), Initial Public Offerings: An International Perspective, Elsevier, Amsterdam 2006, S. 187-213; Aussenegg, W.: Going Public in Übergangsökonomien, Ga­bler, Wiesbaden 2000; Chen, H.-C., Ritter, J.R.: The Seven Percent Solution, Journal of Finance, 2000, Vol. 55, No. 3, S. 1105-1131; Ehrhardt,
0. : Börseneinffihrungen von Aktien am deutschen Kapital­markt, Gabler, Wiesbaden 1997; Jenkinson, T., Ljungqvist, A.: Going Public — The Theory and Evi­dente on How Companies Raise Equity Finance, 2. Auflage, Oxford University Press, New York 2001; Kaserer, C., Kraft, M.: How Issue Size, Risk, and Complexity are Influencing External Financing Costs: German IPOs Analyzed from an Economies of Scale Perspective, Journal of Business Finance & Accounting, 2003, Vol. 30, No. 3-4, S. 351-644; Megginson, W.L.: The Financial Economics of Priva­tization, Oxford University Press, New York 2005; Megginson, W.L., Netter, J.M.: From State to Mar­ket: A Survy of Empirical Studies on Privatization, Journal of Economic Literature, 2001, Vol. 39, S. 321-389; Ritter, J.R.: Differences between European and American IPO Markets, European Financial Management, 2003, Vol. 9, No. 4, S. 421-434; Ritter, J.R.: Investment Banking and Securities Issu­ance, in Constantinides, G., Harris, M., Stulz, R. (Hrsg.), Handbook of the Economics of Finance, North-Holland, Amsterdam 2003, Kapitel
5. Internetadressen: (Wichtige Aktienbörsen) http://deutsche-boerse.corn/, http://www.wienerboerse. at/cms/1/4/, http://www.swx.com/issuers_de.html, http://www.londonstockexchange.com/en-gb/, http:// www.nyse.com/, (Untersuchungen zum Going Public) http://bear.cba.ufl.edu/ritter/, http://www. ssm.conil, (Grosse Emissionsbanken) http://www.gs.com/, http://www.deutsche-bank.de/, http://www. dresdner-bank.de/, (Arbeiten zum Thema Privatisierungen) http://faculty-staff.ou.edu/M/William. L.Megginson-1/.

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