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Ansätze der Betriebswirtschaftslehre



Ansätze der + Betriebswirtschaftslehre meint das Herausstellen des intellektuellen Kerns der Betriebswirtschaftslehre, der die Art und Weise einer Problembehandlung angibt. Dabei handelt es sich um eine «Regel» für die Vorgehensweise, ähnlich einer grammatikalischen Regel. Somit können unter Ansätzen der Betriebswirtschaftslehre auch die Hauptmerkmale von Paradigmen verstanden werden. Die Betriebswirtschaftslehre ist mit etwa hundert Jahren eine junge Wissenschaft, die erst in den letzten Jahren auf das Herausstellen von Paradigmen hinarbeitet. Der zentrale Gedanke, um den herum sich ein wissenschaftliches Aussagesystem rankt, lässt sich auch als Leitidee formulieren. Ansätze der Betriebswirtschaftslehre sind dann zugleich Leitsätze der Betriebswirtschaftslehre. Diese werden nicht immer explizit formuliert, sondern bisweilen auch implizit; im letzteren Fall muss der Leser die Leitidee herausarbeiten. Leitideen werden formuliert, diskutiert und gegebenenfalls auch verworfen oder durch andere ersetzt; sie sollten nicht zur absoluten Wahrheit erhoben werden. Vielmehr ist zu prüfen, ob ein bestimmtes Problem mit der einen oder anderen Leitidee zweckmäßiger anzugehen ist. Ein Zusammenwirken verschiedener Leitideen kann fruchtbar sein.

Vor etwa einhundert Jahren wurden in Deutschland Handelshochschulen gegründet, welche die Betriebswirtschaftslehre als wissenschaftliche Disziplin in Forschung und Lehre vertraten. Die Leitidee der «ersten Stunden» lässt sich anhand einiger Namen festmachen, doch ist die Leitidee nicht einfach zu erkennen; denn die Forschungen waren damals vielfach auf aktuelle Einzelfragen abgestellt, was das Erkennen einer Leitidee oft erschwerte.

Eugen Schmalenbach (1873 1955) befasste sich in besonderem Maße mit Fragen der + Bilanzierung, der + Finanzierung und mit Fragen der Kosten und Leistungsrechnung (Betriebsbuchführung). Später widmete er sich auch den Fragen der Betriebsführung. Die Lehre von der + Führung eines Unternehmens lässt sich als eine Kunstlehre interpretieren, also als Lehre von Handlungsvorschlägen, um praktische Ziele zu erreichen. Es fehlte jedoch eine fundierte theoretische Durchdringung. Häufig wurden für die Praxis bestimmte Anwendungsregeln nur vernunftgemäß begründet. Bei der Gegenüberstellung von Wissenschaft heute und Kunstlehre damals kann ausdauernd und vielfältig gestritten werden. Der Leitgedanke in Schmalenbachs Ausführungen war das Streben nach + Wirtschaftlichkeit des Betriebes. Die Weiterführung dieser Gedanken führte bis zur so genannten Gemeinwirtschaftlichkeit und damit in das Arbeitsfeld der + Volkswirtschaftslehre; hier geht es um die Frage der maximal möglichen Deckung des Bedarfs. Die von Schmalenbach vorgetragenen Kategorien Einnahmen, + Ausgaben, + Leistungen, + Kosten, + Erträge und Aufwendungen ( Aufwand) haben heute noch Gültigkeit.

Der Betrieb ist aber nicht nur eine Aggregation von realen Kapitalgütern (Anlage und Umlaufvermögen, materielle und immaterielle Güter), sondern zugleich die Wirkungsstätte von Menschen. Die Mängel der Schmalenbach’schen Leitidee galt es aufzuheben mit einer neuen Leitidee von Heinrich Nicklisch (18761.946), die als ethisch normativ bezeichnet werden kann. Die Betriebswirtschaftslehre muss sich dem Handeln der Wirtschaftssubjekte verstärkt zuwenden, die sich in einer Gemeinschaft im Betrieb befinden; vielleicht kann diese Gemeinschaft auch als eine «große Familie» angesehen werden. In dieser Auffassung schwingt so etwas wie Ausgleich zwischen den Menschen oder ein Gemeinschaftsgefühl mit. Der ethisch normative Ansatz enthält zugleich die Vorstellung von Konsens zwischen den Menschen in einer konfliktfreien Gemeinschaft. Dieser Ansatz ignoriert die Interessenunterschiede der Menschen, ihre Spannungen und Konflikte.

Eine weitere Leitidee kommt von Wilhelm Rieger (1878 1971), der seine Betriebswirtschaftslehre als Privatwirtschaftslehre deklariert. Bei Rieger steht die Erklärung des wirtschaftlichen Handelns im Vordergrund, aber mit der Betonung der Rentabilität, also des Strebens nach relativem + Gewinn des Unternehmens und der Anteilseigner am Betrieb. Im Sinne der Privatwirtschaftslehre kann auch von privatem Gewinnstreben gesprochen werden. Allerdings muss noch angemerkt werden, dass Rieger Annahmen idealtypischer Art über den Unternehmer und über sein Verhalten vorgibt. Damit aber entfernt er sich von den realen Gegebenheiten. Elemente des Rieger’schen Gedankengutes haben sich bis heute in der Betriebswirtschaftslehre gehalten.

Erich Gutenberg (1897 1984) öffnete die Betriebswirtschaftslehre für Erkenntnisse aus Nachbardisziplinen wie der Volkswirtschaftslehre, der Technologie und der Arbeitswissenschaft. Gelegentlich wird auch bei der Berücksichtigung volkswirtschaftlichen Gedankengutes von neoklassischem Denkstil gesprochen. Die Neoklassik arbeitet mit den Instrumenten der Partialanalyse und der Grenzwertbetrachtung, mit Grenzumsätzen, Grenzkosten, Grenznutzen usw. Inhaltlich ist Gutenbergs Leitidee die Kombination von + Produktionsfaktoren unter Beachtung des Strebens nach Wirtschaftlichkeit. Kombiniert werden elementare Produktionsfaktoren (Werkstoffe, Betriebsmittel und objektbezogene Arbeit) unter Anleitung des dispositiven Produktionsfaktors oder der Betriebs und Geschäftsleitung. Dieses Paradigma war vielfältig einsetzbar in der Betriebswirtschaftslehre, konnte gut für praktische Problemlösungen angewandt werden und ermöglichte eine fruchtbare Verbindung zur Technik und zur Arbeitswissenschaft. Gutenbergs Kombinationsprozesse ließen sich fast mühelos in Verfahren des Operations Research einbringen.

Der Entscheidungsprozess selbst trat bei Gutenberg nicht besonders hervor, so dass anzunehmen ist, dass der Unternehmer oder Manager eher dem Typus des + «homo oeconomicus» entspricht. Edmund Heinen hat die Betriebswirtschaftslehre dann für die Sozialwissenschaften geöffnet. Das Entscheidungsverhalten wurde als Leitidee herausgestellt; daher wurde von einer entscheidungsorientierten Betriebswirtschaftslehre (Entscheidungstheorie) gesprochen. Das Wissenschaftsziel der Betriebswirtschaftslehre war einerseits auf die Erkenntnis ausgerichtet und andererseits auf die Beherrschung des sozialen Geschehens. Erkenntnisse gewinnen, heißt Erklärungen zu betrieblichen Phänomenen anzustreben. Hieraus folgt dann die Gestaltung der betrieblichen Praxis.

In den 1960er Jahren ging die Betriebswirtschaftslehre dazu über, den Betrieb als Systemzusammenhang zu sehen und eine zweckgerechte Gestaltung der Systemelemente für die Praxis vorzuschlagen. Als Begründer dieser systemorientierten Betriebswirtschaftslehre gilt Hans Ulrich. Die systemtheoretische Perspektive fand Eingang in das, was heute als Managementlehre bezeichnet wird. System ist eine geordnete Gesamtheit von Systemelementen, die untereinander in Beziehung stehen oder zwischen denen Beziehungen hergestellt werden können. Der Betrieb als System soll produktiv und sozial sein. Das System muss gezielt gesteuert werden, wenngleich selbstregelnde Elemente möglich und gewollt sind. Das Betriebssystem hat die Aufgabe, die Zukunft zu gestalten. Die Erforschung der Verbundenheit von Systemelementen und die Einwirkungen auf Systeminputs, um bestimmte Systemoutputs zu erhalten, ist grundsätzlich nichts anderes als das Zusammenwirken von Funktionsbereichen von Betrieben oder deren Einwirkungen auf die Umwelt.

Ein anderer Orientierungsrahmen für die Betriebswirtschaftslehre wird als (Neo ) Institutionalismus bezeichnet oder auch als Institutionenökonomik. Bei dieser Leitidee wird die Frage aufgeworfen, warum Institutionen also auch der Betrieb überhaupt entstehen und welche spezifischen Verhaltensweisen von hier aus auf die handelnden Personen ausgehen. Mit Institutionen sind aber nicht nur die Betriebe als + Organisation gemeint, sondern auch Rechtsordnung, Verbandsregelungen, Normen, Anreizsysteme und vieles mehr; in diesem Institutionenrahmen bewegt sich der Betriebsprozess. Die Theorie der Verfügungsrechte (property rights) zeigt den Einfluss der rechtlichen Regelungen auf das Verhalten der Menschen unter anderem in den Betrieben und Unternehmen auf. Eine zweite Richtung, welche die Koordination zwischen Auftraggebern und Auftragnehmern, auch als Prinzipale und Agenten bezeichnet, herausstellt, trägt die Bezeichnung + Principal gent Theorie. Eine dritte Ausdeutung befasst sich vornehmlich mit den Kosten der Koordination ökonomischer Aktivitäten. Transaktionen im Betrieb und mit der Umwelt lösen Transaktionskosten aus; deshalb wird auch von Transaktionskostentheorie gesprochen (siehe auch Finanzierungstheorie). Von dieser Leitidee der Institutionenökonomik gehen Gestaltungsimpulse auf die Unternehmens und Betriebsverfassungen und auf die Unternehmensorganisation selbst aus. Zweifelhaft ist jedoch, ob die individuellen Verhaltensweisen überhaupt erfasst werden können. Zudem wird den Menschen das Verfolgen von Eigeninteressen, notfalls auch mit List und Täuschung, unterstellt; ihre Aktivitäten können also irreführend, verschleiernd oder ähnlich sein. Dieses Verhalten muss stets als Möglichkeit unterstellt werden.

Die verhaltenstheoretische Betriebswirtschaftslehre sieht diesen Zweig der i Wirtschaftswissenschaften als Teil einer Verhaltenswissenschaft. Hier gilt die Vorstellung, dass das soziale Geschehen gesetzmäßige Ablaufmuster aufweist, was aber häufig bestritten wird. Eine Abwandlung der Leitidee will soziale Phänomene mittels Gesetzesaussagen über individuelles Verhalten erklären.

Bei wirtschaftswissenschaftlichen Problemen wird der + Nutzen für die Individuen herausgestellt; die Nutzenvorstellung organisiert das Streben nach höchstmöglicher Bedürfnisbefriedigung. Aus der Psychologie werden die Motivationstheorien herangezogen. Schließlich ist als Leitideevariante die Gestaltung von Organisationen (einschließlich Märkten) zu nennen, mit deren Hilfe auf das Verhalten von Individuen einzuwirken ist.

Die Arbeitsorientierte Einzelwirtschaftslehre (AOEW) geht davon aus, dass die bisher vorgetragene Betriebswirtschaftslehre vornehmlich den Betrieb aus der Sicht von Kapitalgebern behandelt, also einseitig ist. Die AOEW versucht, diesen «Mangel» abzustellen, und stellt den Produktionsfaktor Arbeit in den Mittelpunkt ihrer Untersuchungen.

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