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Preiskalkulation

Preiskalkulation ist die Ermittlung des Angebotspreises mit Hilfe der
Kostenrechnung (Kalkulation, Kostenträgerrechnung).

Problem:
(1) Preise ergeben sich in der Marktwirtschaft meist nicht aufgrund der
Kalkulation, sondern als Marktpreise aufgrund von Angebot und Nach-
frage.
Ausnahme: Öffentliche Aufträge, die nach den Leitsätzen für die Preis-
ermittlung auf Grund von Selbstkosten (LSP) zu kalkulieren sind.

(2) Die Aufgabe der Preiskalkulation besteht vor allem in der Beurteilung
des Marktpreises sowie in der Ermittlung von kurz- und langfristigen
Preisuntergrenzen. Des weiteren ermittelt man Verrechnungspreise für
innerbetriebliche Leistungen und Preisobergrenzen für Beschaffungs-
güter.

(3) Wichtig ist die Festlegung der jeweils (entscheidungs-) relevanten
Kosten:
Kurzfristig sind nur variable Kosten, langfristig auch Fixkosten relevant.

Siehe auch: Preisbildungsprozeß, Kalkulation

Jedes Unternehmen strebt zumindest langfristig danach, solche Absatzpreise für die verkauften Güter zu erzielen, die alle entstandenen Kosten decken (Kostendeckung). Eine Absatzpreisbildung unter expliziter Berücksichtigung der Kosten wird als Preiskalkulation bezeichnet. Infolgedessen können Preiskalkulation auf der Basis von Vorkalkulationen dazu dienen, einen die Selbstkosten abdeckenden Absatzpreis zu ermitteln. Mit Preiskalkulation als Nachkalkulatio-nen läßt sich feststellen, inwieweit Absatzpreise die in die Preiskalkulation einzubeziehenden Kosten abzudecken vermögen. Für eine kostenorientierte Preisplanung oder Preiskontrolle sind außer den entscheidungsrelevanten (variablen) Kosten auch die nicht entscheidungsrelevanten Kosten, wie z. B. die fixen Kosten, in die Preisermittlung einzubeziehen (Leitsätze für die Preisermittlung aufgrund von Selbstkosten). Jeder P., bei der fixe Kosten wie in der Vollkostenrechnung mit Hilfe des Durchschnittsprinzips (Kostenzurechnungsprinzipien) den absatzbestimmten Produkten zugerechnet werden, haften die gleichen Mängel an, wie sie alle auf Vollkosten basierenden Kosteninformationen besitzen. Für P-wesentlich besser geeignet erscheinen Deckungsbeitragsrechnungsansätze, insbesondere Ansätze der mehrstufigen Deckungsbeitragsrechnung, die unter Abwägung der Kostensituation einerseits und der Marktbedingungen des Unternehmens andererseits verslichen, möglichst kostendeckende Absatzpreise zu ermitteln (Deckungsbudget).

In der Gesundheitswirtschaft:

Kalkulation von lat. „calculare“ für rechnen, berechnen. Im kaufmännischen Sinne eine Berechnung, mit der die Kosten einer Leistungseinheit beziehungsweise der Selbstkostenpreis eines Produktes ermittelt werden. Der Selbstkostenpreis stellt gleichzeitig die untere Grenze des Marktpreises für ein Produkt dar. Man unterscheidet die Vorkalkulation, mit der vor der Herstellung einer Ware beziehungsweise vor dem Angebot einer Dienstleistung die voraussichtlichen Kosten errechnet werden, sowie die Nachkalkulation, mit deren Hilfe die tatsächlich entstandenen Kosten der Ware oder Dienstleistung überprüft werden, um sie mit der Vorkalkulation zu vergleichen sowie um eventuelle Anpassungen des Preises vorzunehmen.

Der Begriff Preiskalkulation bezeichnet auf dieser Basis die Berechnung eines Endverbraucherpreises, also des Preises, für den eine Ware oder Dienstleistung letztlich auf dem Markt angeboten wird. Je nach Art und Menge der Ware oder Dienstleistung kommen unterschiedliche Kalkulationsmethoden zum Einsatz, zum Beispiel die Kostenrechnung, die Äquivalenzziffernkalkulation oder die Zuschlagskalkulation.

Auf dem Gesundheitsmarkt kommt die hier dargestellte Preiskalkulation nur für nicht politisch bzw. administrativ festgesetzte oder stark beeinflusste Preise in Frage.

Betrachtet man das G-DRG-basierte Fallpauschalen-System, das zur Zeit in Deutschland in den Krankenhäusern eingeführt wird, als Preissystem, handelt es sich bei der Kalkulation der Kosten, die jährlich vorgenommen wird, um einen Basisschritt zur Preiskalkulation für den Krankenhausbereich. Im Kalkulationshandbuch1 für das deutsche DRG-System heißt es hierzu:

Ein wesentlicher Aspekt ist die Bestimmung bundesweiter Relativgewichte. Zur Ermittlung dieser Relativgewichte ist eine Kalkulation der Rohfallkosten in den Krankenhäusern durchzuführen. In den folgenden Jahren dienen weitere Kalkulationen zur Überprüfung und Anpassung der berechneten Relativgewichte. In den an den Kalkulationen teilnehmenden Krankenhäusern werden die DRG-relevanten Kosten unter Berücksichtigung sämtlicher DRG-relevanter Leistungen vollständig auf die DRG-Fälle verteilt (100%-Ansatz). Es handelt sich bei der Kalkulation um eine Vollkostenrechnung auf Istkostenbasis, wobei die Istkosten der Krankenhäuser aus dem testierten Jahresabschluss abzuleiten sind. Sämtliche DRG-relevanten Fälle eines Krankenhauses werden bei der Kalkulation erfasst und die fallbezogenen Datensätze – bestehend aus Kostendaten und medizinischen Informationen – werden an das DRG-Institut bzw. die unabhängige Datenstelle übermittelt.


Abb. 1: Arbeitsschritte zur Ermittlung der Rohfallkosten im G-DRG-System2

Quelle: Kalkulation von Fallkosten-Handbuch zur Anwendung in Krankenhäusern; Version 2.0, 31. Januar 2002

[s.a. Preispolitik; Target Pricingl Die Preiskalkulation dient der Ermittlung und Festsetzung (Preisstellung) von Preisen für die Leistungen eines Unternehmens. Sie kann als eine Entscheidungsheuristik der Preispolitik betrachtet werden.

Bei der Preiskalkulation lassen sich die Kostenkalkulation und die Marktpreiskalkulation unterscheiden. Die Kostenkalkulation (vgl. Tietz, 1975, S. 9511.) berechnet den Preis auf der Grundlage von Kosten (Produktionskosten, Wareneinstandskosten, Handlingkosten). Der Preis wird durch einen Gewinnaufschlag auf die Kosten ermittelt. Das Hauptproblem ist hierbei die Frage der Zurechenbarkeit von Kosten zu Produkten bzw. Artikeln. Als Kalkulationsverfahren werden im Marketing angewendet:

- die Divisions- oder Durchschnittsfealfcula-tion

Kennzeichnend hierfür ist die Berechnung von Stückkosten, indem die Gesamtkosten durch die erzeugte Stückzahl dividiert werden. Ist der Leistungsprozess durch mehrere nicht vergleichbare Stufen gekennzeichnet, so wird eine mehrstufige Divisionskalkulation durchgeführt. Werden hingegen mehrere artverwandte Produkte in dem Fertigungssystem hergestellt, so arbeitet man mit Äquivalenzziffem, welche die Kostenunterschiede zwischen den Produkten berücksichtigen.

- die Stufen- oder ZusMagskalhdation

Bei diesem Verfahren werden alle direkt zurechenbaren Kosten und die Gemeinkosten mittels Schlüssel oder Prozentsätzen auf die Produkte umgelegt. Die Produkte werden also mit Gemeinkostenzuschlägen belastet.

Ziel der auf Vollkostenbasis arbeitenden Kalkulationsverfahren ist es, zumindest langfristig alle Periodenkosten zu decken und durch den Gewinnaufschlag die Erzielung eines angemessenen Gewinns sicherzustellen (vgl. Riebel, 1994, S. 209). Bei der Vollkostenkalkulation werden folgende systemimmanente Gefahren nicht beachtet (vgl. Riebel, 1994, S.210E):

- Durch die Berechnung von Zuschlagsund Verrechnungssätzen werden die fixen Kosten proportionalisiert und mit echten proportionalen Kosten zusam-mengefasst weiterverrechnet.

- Echte Gemeinkosten, d.h. Kosten, die für mehrere Leistungen gemeinsam entstehen, werden nach plausiblen Schlüsseln auf Kostenstellen und Kostenträger aufgeteilt, so dass die Leistungsverbundenheit ignoriert wird. - Es besteht auch die Gefahr, dass man sich »aus dem Markt kalkuliert«. Geht beispielsweise auf Grund einer Nachfrageverschiebung die Kapazitätsauslastung zurück - sinkt also die produzierte Stückzahl-, so werden die Fixkosten auf die verbleibende Menge verteilt, so dass der Preis - ermittelt nach dem Kostenkalkulationsverfahren- mit sinkender Nachfrage vom Unternehmen angehoben werden müsste. Dieses Verhalten bei rückläufiger Nachfrage würde jedoch den Nachfragerückgang weiter verstärken und die Absatzchancen zusätzlich verschlechtem. Eine kostenorientierte Preisbildung ist daher bei rückläufiger Nachfrage nicht realisierbar.

Eine Alternative zur Kostenkalkulation stellt die Marktpreiskalkulation dar (vgl. Tietz, 1975, S. 952t; Riebel, 1994 S. 253 ), bei der ohne explizite Berücksichtigung von Kosten der Preis einer Leistung nach der Markttragfähigkeit festgelegt wird. Als Grundlage wird die Decfeungsbeitrags-reehnung herangezogen. Durch marktgerechte Festsetzung des Preises wird ein Gesamtbetrag angestrebt, der zur Deckung der nicht den Leistungseinheiten zurechenbaren Kosten dient.

Bei dieser Preiskalkulation dürfen nur die relevanten Kosten einbezogen werden, d.h. die Kosten, die für eine bestimmte Leistungseinheit (z.B. ein Produkt oder einen Auftrag) zusätzlich entstehen. Die Preiskalkulation wird als Wirtschaftlichkeitsanalyse durchgeführt, wobei die jeweiligen Veränderungen von Kosten und Erträgen, Ausgaben und Einnahmen sowie die Nutzung knapper Mittel beachtet werden.

Konkurrieren verschiedene Produkte oder Aufträge um gegebenenfalls vorliegende Engpässe in der Produktion, so wird die Preisuntergrenze neben den zusätzlich entstehenden Kosten ebenfalls durch die von anderen Alternativen verdrängten Deckungsbeiträge (Opportunitätskosten) bestimmt (vgl. Riebel, 1972, S. 36t; 1994, S. 253ff.).

rechnerische Bestimmung des kurzfristig gültigen Angebotspreises (Preispolitik). Ursprünglich nur auf kostenrechnerischen Konzepten aufgebaut (progressive Kalkulation), werden dabei zunehmend auch marktbezogene Aspekte (retrograde Kalkulation) sowie marginalanalytische Optimierungsverfahren in den Planungsprozess einbezogen. (1) Die progressive Kalkulation erfolgt durch einen prozentual fixen oder auslastungs- bzw. marktabhängigen Gewinnaufschlag g auf die im Rahmen der Kostenträgerrechnung ermittelten Stück- oder Selbstkosten k. Es gilt also p = k(1 + g/100) (Kosten-plus-Regel, cost-plus-pricing). Handelt es sich bei k um Plankosten, so spricht man von Vorkalkulation, entsprechend bei Istkosten von Nachkalkulation. Die Ermittlung der Selbstkosten kann auf Voll- oder Teilkostenbasis erfolgen. Letzteres führt zu beschäftigungsunabhängigen Preisen; g stellt dann eine Dekkungsbeitragsrate dar. Unabhängig davon bleibt jedoch auch hier das Problem der Gemeinkostenschlüsselung und der Bestimmung des Gewinnaufschlags. Orientiert man sich dabei an der Tragfähigkeit, geht man implizit bereits auf ein marktbezogenes, also retrogrades Verfahren über. Entscheidender Nachteil der progressiven Kalkulation ist die Nichtberücksichtigung der — über die Absatzmenge — indirekten Abhängigkeit der Kosten von den Preisen. Dadurch entsteht ein logischer Zirkelschluss, der bei starrer Anwendung der Kosten-plus-Regel zu Fehlkalkulationen immer grösseren Ausmasses führen kann, weil die Fixkostenumlage pro Stück mengen- und damit preisabhängig ist. Trotzdem findet die progressive Kalkulation in der Praxis breite Anwendung, da sie der Fiktion vom gerechten Kostenpreis entspricht, scheinbar einfach anzuwenden ist und die mit Tragfähigkeitsüberlegungen verbundenen Unsicherheiten weitgehend ausklammert. (2) Grundprinzip der retrograden Kalkulation ist es, dass die Angebotspreise nicht rechnerisch bestimmt, sondern im Wege einer Rückrechnung auf ihre Erfolgswirkung hin überprüft werden. Dazu wählt man verschiedene, am Markt durchsetzbar erscheinende Preise (z. B. Konkurrenzpreise, Preise in der Nähe des bisherigen Preises, nutzenorientierte Preise usw.) aus, schätzt oder ermittelt (z.B. durch Preistests) die damit jeweils erzielbaren Absatzmengen bzw. Erlöse, bestimmt die hierfür erforderlichen Kosten und ermittelt schliesslich den jeweiligen Periodengewinn. Durch Vergleich der geprüften Preisalternativen ergibt sich der günstigste Preis, der allerdings keine Garantie für ein absolutes Optimum bietet, da es sich um ein heuristisches Vorgehen handelt. In der Regel greift man bei der Rückrechnung auf Deckungsbeitragskalküle, z. B. das direct costing, zurück. Als Kalkulationsregel gilt dann: p = max [pi • xi(pi)     k(xi) • xi (pi)] pi pi       = geprüfte Preisalternativen, xi (pi) = bei pi zu erwartende Absatzmenge xi, ki (xi) = bei xi (und damit pi) zu erwartende variable Stückkosten. Risikopolitische Überlegungen können über vergleichende Break-even-Analysen angestellt werden. Zur Bewältigung des Gemeinkostenproblems wird die retrograde Kalkulation in Mehrproduktunternehmen in aller Regel ferner durch Deckungsbudgets ergänzt. Sie bietet dann ein flexibles und sowohl kosten- als auch marktorientiertes Preisbildungsverfahren, das auch für preistaktische Überlegungen Raum lässt. (3) Bei der dritten Gruppe von Kalkulationsformen, den marginal analytischen Optimierungsverfahren, stützt man sich auf die in der Preistheorie entwickelten und jeweils für bestimmte Marktformen gültigen Entscheidungsmodelle. Grundprinzip ist die Maximierung einer Zielfunktion mit Hilfe der Differentialrechnung, wobei die Zielgrösse definitorisch in eine Kosten- und eine Erlösfunktion zerlegt wird. Bei Gewinnmaximierung ergibt sich der Optimalpreis im Schnittpunkt der Grenzkosten- und der Grenzerlösfunktion, was sich in der sog.  Amoroso-RobinsonRelation auch in Abhängigkeit von der Preiselastizität des Absatzes formulieren lässt. Der Optimalpreis ist bei allen Marktformen um so niedriger, je elastischer der Absatz auf Preisänderungen reagiert.   Literatur: Diller, H., Preispolitik, 2. Aufl., Stuttgart 1991.

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