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Österreichische Schule

von Carl Menger in bewusster Abgrenzung von der historischen Schule (Methodenstreit) und der Klassik begründeter Zweig der Grenznutzenschule. Mit Hilfe des Prinzips der Nutzenmaximierung zeigt Menger, wie einerseits Konsumgüter als "Güter erster Ordnung" zu verwenden und andererseits Kapitalgüter sowie Produktionsfaktoren als "Güter höherer Ordnung zur Erzeugung von Gütern niedrigerer Ordnung" einzusetzen sind. Auf der Basis dieser Lösung des Alloka- tionsproblems kann er - direkte Nachfrage (nach Konsumgütern) und indirekte oder abgeleitete Nachfrage (nach Kapitalgütern oder Produktionsfaktoren) unterscheidend und das Angebot jeweils aus Überschüssen der Bestände über die Eigennachfrage deutend — seine Preistheorie für alle Märkte nach einem einheitlichen Prinzip aufbauen, wobei im einzelnen freilich manche Fragen offenbleiben. Hier setzen seine Schüler Friedrich von Wieser und Eugen von Böhm-Bawerk mit ihrer Arbeit an. So versuchen beide das Zurechnungsproblem zu lösen, nämlich zu präzisieren, nach welchen Prinzipien sich der Wert der Konsumgüter auf die Güter höherer Ordnung überträgt. Wieser entwickelte auch eine Variante des Begriffs der Opportunitätskosten, wonach Kosten sich auf rein subjektivi- stischer Basis als entgangener Nutzen auffassen lassen. Böhm-Bawerk widmete sich vor allem dem Aufbau der temporalen Kapitaltheorie, um die Zusammenhänge zwischen Sparen, Kapitalbildung und Zinssatz aufzudecken. Auch der Frage des Einflusses wirtschaftlicher Macht auf die Preisbildung ging Böhm-Bawerk nach. Als Vertreter der sog. dritten bzw. vierten Generation der österreichischen Schule übertragen Ludwig von Mises und Friedrich A. von Hayek die Mengerschen Überlegungen auf die Geld- und Konjunkturtheorie, wobei sie zugleich auf die Arbeiten des Schweden Knut Wickseil zurückgreifen, der seinerseits der österreichischen Schule wesentliche Impulse verdankt. Auf andere Weise befasst sich auch der Österreicher Joseph A. Schumpeter mit dem Problem der wirtschaftlichen Entwicklung, indem er Konjunkturschwankungen und Wachstum auf das Auf und Ab der Innovationsaktivitäten der Unternehmer zurückführt. Mit der vierten Generation, der neben v. Hayek so namhafte Gelehrte wie Fritz Machlup (Preis- und Wettbewerbstheorie) Gottfried Haberler (Aussenhandelstheorie), Oskar Morgenstern (Spieltheorie) und auch noch Richard von Strigl (Kapitaltheorie) angehören, mündet die österreichische Schule verstärkt in den allgemeinen Strom neoklassischen Denkens ein. Mises und v. Hayek haben sich auch mit dem Problem der Wirtschaftsrechnung im Sozialismus befasst. In der Auseinandersetzung mit diesem Problem entstand die lange Reihe der Arbeiten v. Hayeks zur sozialphilosophischen Fundierung der liberalen Ordnung. Dabei formuliert er das "österreichische Paradigma" noch einmal in umfassender Weise. Es ist gekennzeichnet durch die Betonung der Rolle des Wissens (und zwar sowohl was seine Entstehung als auch was seine Diffusion betrifft), der Erwartungen, der Spontaneität, der Zeitdimension, des Prozesshaften und der Komplexität im Marktgeschehen, verbunden mit einer äussersten Zurückhaltung gegenüber dem Arbeiten mit Aggregaten, womit zugleich die Gegenposition zur Makroökonomik keynesianischer Provenienz bezogen wird. In dieser Tradition steht auch die sog. neo-österreichische Schule, die sich in den USA unter dem Einfluss von Ludwig v. Mises und Ludwig M. Lachmann gebildet hat und dezidiert sub- jektivistisch ausgerichtet ist.                 Literatur: Schumpeter, J. A., Geschichte der ökonomischen Analyse, Göttingen 1965. Issing, O. (Hrsg.), Geschichte der Nationalökonomie, 2. Aufl., München 1988.

(= Wiener Schule) Gruppe von Ökonomen zunächst vornehmlich österreichischer Herkunft, die an das Werk des Wiener Nationalökonomen Carl MENGER anknüpfen, der als Schöpfer einer Version der Neoklassischen Theorie gilt. Zu ihr zählen insbes. Eugen von BOHM-BAWERK, Friedrich von WIESER und Emil SAX in der ersten Generation; Joseph A. SCHUMPETER, Ludwig von MISES und Friedrich A. von HAYEK in der zweiten sowie Oskar MORGENSTERN, Fritz MACHLUP und Gottfried HABERLER in der dritten Generation. In der jüngeren Vergangenheit wurde die Tradition in verschiedenen Ländern von Ökonomen wie Israel M. KIRZNER, Ludwig M. LACHMANN und George L.S. SHACKLE fortgeführt. Gemeinsam ist den Vertretern der österreichischen Schule die Betonung des subjektiven - Nutzens für die Erklärung individuellen wirtschaftlichen Handelns (subjektive Wertlehre), ein Interesse an der vertikalen Interdependenz der Märkte und damit zusammenhängend an den zeitlichen Aspekten der Güter- und Faktorallokation sowie eine gewisse Frontstellung gegen sozialistische Ideen, die u.a. aus den ideologischen Konflikten innerhalb des österreichischen Staates erklärlich ist. Dazu kommt ein Interesse an methodologischen Fragen, das aus dem Wunsch zur Abgrenzung sowohl gegenüber der Klassischen Theorie als auch gegenüber der           Historischen Schule hervorging und seinen Höhepunkt im sog. Methodenstreit zwischen Carl MENGER und Gustav SCHMOLLER fand, in dem MEN-GER erfolgreich die Berechtigung theoretischen Arbeitens in den Sozialwissenschaften verteidigte. Heute richtet sich die methodologische Kritik einiger Vertreter der Österreichischen Schule v.a. gegen die (in vielen Bereichen der ökonomischen Theorie vorherrschende) Analyse zeitloser Gleichgewichtszustände sowie die Verwendung makroökonomischer Aggregate, die nicht aus zielgerichteten Handlungen der individuellen Akteure heraus erklärt werden (Methodologie). Obwohl in erster Linie auf MENGERs Werk aufbauend, hat die Österreichische Schule doch Vorläufer, insbes. im Werk von Herman H. GOSSEN (1810-1858) und in Überlegungen der in Deutschland entwickelten Tradition der Klassischen Theorie. GOSSEN hatte versucht, wirtschaftliches Handeln in der Art des Utilitarismus als Maximierung von Nutzen zu analysieren (GOSSENsche Gesetze), und dabei das Prinzip des Grenznutzens (nicht jedoch das Wort) eingeführt (Nutzentheorie). Subjektive Wertvorstellungen als Bestimmungsgründe für wirtschaftliches Verhalten und damit für die Preisbildung auf Märkten waren in Deutschland auch von Vertretern der Klassischen Theorie wie Friedrich B. W. von HERRMANN (1795-1868), Hans von MANGOLDT (1824-1868) und Albert SCHAFFLE (1831-1905) betont worden. Und Johann Heinrich von THÜNEN (1783-1850) hatte zwar nicht den Begriff, wohl aber das Prinzip der Grenzproduktivität zur Bestimmung der Faktorpreisbildung in einem Modell unternehmerischen Verhaltens herangezogen. Carl MENGER (1840-1921) entwickelte eine Theorie der Allokation und der Preisbildung, in der das Prinzip des Grenznutzens nicht nur auf die Wahl zwischen Konsumgütern (Güter erster Ordnung), sondern auch auf Kapitalgüter und Produktionsfaktoren (Güter höherer Ordnung) angewendet wird. Nach MENGER sind die subjektiven Vorstellungen der Individuen über die bestmögliche Deckung ihres Bedarfs bestimmend für die Preisbildung bei Konsumgütern, wobei er von einer Theorie hierarchischer Bedürfnisse (lexikographische Präferenzen) ausging. MENGER unterscheidet dann zwischen der direkten Nachfrage (nach Konsumgütern) und der indirekten oder abgeleiteten Nachfrage (nach Kapitalgütern und Produktionsfaktoren, die zeitlich früher für die Produktion von Konsumgütern eingesetzt werden müssen). Mit dem Konzept der abgeleiteten Nachfrage gelang es MENGER, ein einheitliches Prinzip zur Preiserklärung auf Güter- und Faktor-märkten heranzuziehen. Obwohl reich an Anregungen, blieb MENGERs Werk unvollendet. Sein Nachfolger Friedrich von WIESER (1851-1926) gilt v.a. als wichtigster Verbreiter der MENGERschen Ideen, führte aber auch die (von MENGER selbst nicht benutzte) Bezeichnung Grenznutzen sowie das Konzept der - opportunity costs ein. Darüber hinaus entwickelte er eine Theorie des sog. natürlichen Werts, dem die Preisbildung im Sinne des Marginalismus bei gleicher Einkommensverteilung zugrunde liegt. Er formulierte (aber löste keineswegs) das sog. Zurechnungsproblem, das nach der Ausschöpfung des Werts des Produktes bei Entlohnung der beteiligten Produktionsfaktoren nach dem Grenzprodukt fragt. Diese Fragestellung wurde auch von Eugen von BOHM-BAWERK (1851-1914) aufgegriffen, der v.a. durch die Entwicklung der - Österreichischen Kapitaltheorie sowie die Kritik der MARXschen - Arbeitswerttheorie Bekanntheit erlangte. Ausgehend von MENGERs Allokations- und Preistheorie entwickelte BÖHM-BAWERK eine intertemporale Allokationstheorie, mit der er den Zusammenhang zwischen Sparen und Kapitalbildung und die Höhe des Zinses bzw. der Profitrate zu erklären versuchte. Zur gleichen Zeit zeigte Emil SAX (1845-1927), wie MENGERs Allokationstheorie und insbes. der Grenznutzenbegriff für die Diskussion finanzwissenschaftlicher Probleme fruchtbar gemacht werden kann. Ludwig von MISES (1881-1973) bemühte sich um die Integration der Geld- und Kredittheorie in das von MENGER begründete Gedankengebäude. Er entwikkelte die Grundlagen für die später v.a. durch Friedrich A. von HAYEK (18981992) weiterentwickelte österreichische - Konjunkturtheorie (Überinvestitionstheorien) und ging der (bereits von WIESER ausgeworfenen) Frage nach, ob eine rationale Allokation in einer Wirtschaft ohne Märkte möglich sei. Wichtige Beiträge zu der von ihm ausgelösten Debatte über die Wirtschaftsrechnung in einer sozialistischen Wirtschaft lieferte HAYEK, der auf die Problematik der Informationsbeschaffung und -übennittlung bei zentraler Planung hinwies und argumentierte, dass eine Koordination der Wirtschaftsaktivitäten über Märkte effizienter sei, da der Wettbewerbsprozess eine dezentrale Informationsvermittlung über genau diejenigen Tatbestände herbeiführe, die ein einzelner Marktteilnehmer für eine rationale Allokationsentscheidung benötigt. Mit seiner Sicht des Wettbewerbsprozesses als einem effizienten Such-, Entdeckungs- und Lernverfahren gelang es HAYEK, das Interesse von statischen Effizienzüberlegungen auf dynamische Fragestellungen zu verlagern. Weniger erfolgreich war HAYEK bei seinem Versuch, MENGERs Theorie der Preisbildung in Verbindung mit der österreichischen Kapitaltheorie für die Konjunkturerklärung nutzbar zu machen; sein Hinweis auf die Bedeutung der Veränderungen relativer Preise im Konjunkturverlauf gab jedoch der weiteren Forschung wichtige Anregungen. Obwohl durchaus in der österreichischen Tradition stehend, fällt Joseph A. SCHUMPETER (1883-1950) aus der hier skizzierten Entwicklung insofern heraus, als er sein Hauptaugenmerk weniger auf statische Allokationsprobleme als auf Probleme der dynamischen Entwicklung richtete. In den Mittelpunkt seiner Überlegungen stellte er den innovierenden Unternehmer, der durch Einführung neuer Produkte oder Produktionsmethoden eine temporäre Monopolstellung erringt, die jedoch durch die Konkurrenz imitierender Unternehmer wieder verlorengeht. Dadurch wird die wirtschaftliche Entwicklung vorangetrieben, ohne dass die dazu nötigen Monopolstellungen verewigt werden. SCHUMPETER glaubte, die Konjunkturbewegungen des 19. Jh. als Wachstumszyklen interpretieren zu können, die auf solchen Innovationswellen beruhten, meinte jedoch, dass im 20. Jh. der dynamische, innovierende Unternehmer immer mehr verdrängt wird von risikoscheuen, auf Sicherheit bedachten Managern, was seiner Meinung nach das Ende des Kapitalismus herbeiführen wird. Vieles vom Gedankengut der Österreichischen Schule fand in den Jahren nach dem
2. Weltkrieg Eingang in die Neoklassische Theorie, u.a. durch Ökonomen wie Fritz MACHLUP (1902-1983) in der Preistheorie, Gottfried HABERLER (geb. 1902) in der Außenwirtschaftstheorie und Oskar MORGENSTERN (1902-1977) in der Kostentheorie sowie der (direkt auf der MENGERschen Preistheorie beruhenden) Spieltheorie. Nachdem die Österreichische Schule nach dem
2. Weltkrieg zunächst fast in Vergessenheit geriet, ist seit Anfang der 70er Jahre die Neuetablierung einer eigenständigen österreichischen Ökonomik zu beobachten, wobei sich drei unterschiedliche Entwicklungsrichtungen abzeichnen: a) die an BÖHM-BAWERK, STACKELBERG und HAYEK anknüpfenden Versuche zur Reformulierung der österreichischen Zins- und Kapitaltheorie unter Verwendung eines gleichgewichtstheoretischen Ansatzes (Moderne österreichische Kapitaltheorie); b) die an MENGER, MISES und HAYEK anknüpfenden Versuche zur kausalen Erkläreng systematischer Marktergebnisse aus der Analyse des Wettbewerbsprozesses, verbunden mit einer entschiedenen Ablehnung des gleichgewichtstheoretischen Instrumentariums; sowie c) die radikale Kritik der traditionellen ökonomischen Theorie unter Verweis auf - Risiko und Unsicherheit, unter denen ökonomische Entscheidungen von den individuellen Akteuren getroffen werden müssen (»Radikaler Subjektivismus«). Literatur: Leser, N. (1986). Faber, M. (1979). Hicks, J.R., Weber, W. (1973)

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