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makroökonomische Modelle

beschreiben in formaler Sprache ein gedachtes oder reales wirtschaftliches System, wobei sie dessen meist sehr zahlreiche, miteinander verbundene Elemente zu Teilaggregaten vereinigen und durch Gleichungen oder Ungleichungen verknüpfen. Ein derartiges makroökonomisches Modell ist z.B. das KEYNESsche Standardmodell für den güterwirtschaftlichen Bereich einer geschlossenen Volkswirtschaft. Es bringt das System »Gütermarkt« zur Darstellung, bestehend aus dem Angebot zahlreicher in erster Linie (aber keineswegs ausschließlich) Sachgüter und Dienstleistungen produzierender Einheiten sowie aus der Nachfrage von Endverbrauchern und Investoren. Im Modell werden diese Einheiten zu den »reinen« Aggregaten Unternehmen, Haushalte, Vermögensbildungssektor zusammengefaßt. Die Legitimation zu einer derartigen theoretischen Konstruktion ergibt sich aus der Gleichartigkeit innerhalb der Sektoren und der Verschiedenartigkeit zwischen den Sektoren in bezug auf die ausgewählten Aktivitäten und Motivationen. Die in Betracht gezogenen, auf der Ebene der Aggregate ablaufenden Prozesse sind das Angebot aus der Produktion (im Modell nur Stromaggregat Y aller Individualangebote), die Nachfrage für Zwecke des Konsums und der (Netto-)Investition. Sie werden unter Heranziehung relevanter Teile der Wirtschaftstheorie erklärt (Erklärungsmodelle). Danach ist das Anbieter-verhalten durch Nachfrageorientierung gekennzeichnet (Y = Yo). Die Konsumnachfrage richtet sich an den in der Produktion entstehenden und auf die Haushalte verteilten Einkommen Y aus (C = C(Y)). Die Investitionsnachfrage ist exogen bestimmt (I = I). In struktureller Form, welche die einzelnen Aggregate, ihre Bestimmungsfaktoren und Verknüpfungen erkennen läßt, hat das Modell folgende Gestalt:
makroökonomische Modelle Fügt man z.B. bei der Nachfragefunktion eine Störvariable u für alle übrigen Einflüsse hinzu, erhält man ein sog. ökonometrisches Modell. Es ist nicht mehr deterministisch, sondern stochastisch. Das formulierte Modell ist statisch. Enthält mindestens eine Gleichung bzw. die durch Substitution gewonnene Form, also eine verzögerte Variable, Y, = C(Y,_1) + I, liegt ein dynamisches makroökonomisches Modell vor. Die drei Gleichungen erklären gemeinsam und simultan die Werte der endogenen Variablen Ya, Y,,, Y. Die Lösungsmenge des Gleichungssystems wird als reduzierte Form des Modells bezeichnet. Die Strukturbestandteile sind daraus i.d.R. nicht mehr ersichtlich. Im Fall einer Konsumfunktion C(Y) = c Y gilt z.B.:
makroökonomische Modelle Die Koeffizienten der unverzögerten exogenen - Variablen in der reduzierten Form spielen als sog. Multiplikatoren (Multiplikatoranalyse) für die Wirtschaftstheorie eine erhebliche Rolle; hier z.B. der Koeffizient 1/(1 - c), der sog. Investitionsmultiplikator. Angesichts der Komplexität realer Systeme kann in makroökonomischen Modellen nur ein Teil der tatsächlichen Elemente und Relationen Berücksichtigung finden. Durch deren Auswahl und Form unterscheiden sich die einzelnen Typen makroökonomischer Modelle. Obwohl z.B. keynesianische und klassische Modelle von derselben Vierteilung des gesamtwirtschaftlichen Systems ausgehen (Güter-, Faktor-, Geld- und Wertpapiermarkt) und kurzfristiger Natur sind (daher konstanter -# Kapitalstock K und fehlender technischer Fortschritt), weichen sie bei der Interpretation von Verhaltensweisen und Prozeßabläufen erheblich voneinander ab (vgl. Übersicht). a) Nach keynesianischer Auffassung bildet sich der Zins i als (partieller, d.h. unter der Ceteris-paribus-Bedingung in bezug auf Einkommens- und Preisniveau stehender) Gleichgewichtspreis auf dem Geldmarkt, wo die reale Kassenhaltungsnachfrage M„ (als Aggregat der zinsabhängigen Nachfrage nach Spekulationskasse L und der einkommensabhängigen Nachfrage nach Transaktionskasse) auf das reale Geldangebot Ma (als Quotient von exogen gegebenem nominalem Geldangebot M und Preisniveau p) trifft. Der Zins bestimmt seinerseits die Investitionsnachfrage I, die wieder zusammen mit der einkommensabhängigen Konsumnachfrage C eine entsprechende Produktion Ya anregt und in gleicher Höhe zu Einkommensentstehung Y führt. Es handelt sich um den von der Multiplikatoranalyse beschriebenen Prozeß, dessen Ergebnis ein gütermarktspezifisches, d.h. partielles Gleichgewicht ist, solange die in der Produktionsfunktion erfaßten Bedingungen der technischen Effizienz und das Anbieterverhalten nicht berücksichtigt sind. Letztere finden in der Arbeitsnachfrage bzw. Reallohnbestimmungsfunktion Ba eine Formalisierung. Das abermals nur partielle Gleichgewicht am sog. Arbeitsmarkt bildet sich im Zusammenspiel von Arbeitsnachfrage B„ und Arbeitsangebot Ba, das nach keynesianischer Auffassung vom Geldlohnsatz w abhängt und somit unter Geldillusion steht. Der Geldlohnsatz wird als nach unten fixiert betrachtet. Daraus folgt, dass im Unterbeschäftigungsgleichgewicht das Beschäftigungs- und Produktionsniveau von der Arbeitsnachfrage allein determiniert wird und nur nach Überschreitung eines bestimmten Schwellenlohnes »klassische« Gleichgewichtsbedingungen herrschen (Ba = Be). Im Bereich des Unterbeschäftigungsgleichgewichts wird auch signifikant, dass die im Gleichgewichtsprozess zustande kommende Reallohnbestimmung Preisniveaubestimmung impliziert. Das Preisniveau stellt aber seinerseits über das reale Geldangebot die Rückkoppelung zum Zinsniveau her. Eine weitere derartige Klammer bildet schließlich auch das Einkommen, auf dessen Änderung die Transaktionskassen-nachfrage reagiert. Das gesamtwirtschaftliche Gleichgewicht muss als simultanes Resultat der Interaktion aller Systemelemente gesehen werden. b) Klassische Modelle betrachten den Zins als Preis, der sich am Wertpapiermarkt bildet, wo auf der Angebotsseite zinsabhängige Investitionen I und auf der Nachfrageseite zinsabhängige Ersparnisse S zur Geltung gelangen. Beiderseits kommen allerdings auch zinsunabhängige Komponenten hinzu: Geldbedarf als Anlass für Wertpapieremission Wa, Geldangebot als Grund für Wertpapiernachfrage Wa. Sie bewirken einerseits, dass der Zinsmechanismus nur ein partielles Gleichgewicht herzustellen vermag, und andererseits, dass die Brücke zum Geldmarkt geschlagen wird. Dort erklärt die klassische Theorie das reale Angebot aus nominaler Geldmenge, die exogen fixiert ist, und aus dem Preisniveau. Die Geldnachfrage wird (abgesehen von »Zahlungssitten«, die im Kassenhaltungskoeffizienten k zum Ausdruck kommen) durch das Einkommen erklärt. Die Funktion des klassischen Geldmarkts ist die Preisniveaubestimmung, die aber offensichtlich unter der Ceteris-paribus-Klausel in bezug auf das Einkommen steht. Das Preisniveau stellt eine Rückkoppelung zur Wertpapiernachfrage her, das Einkommen bildet die Klammer zum Arbeitsmarkt im weiteren Sinn. Denn am Arbeitsmarkt führt das Zusammenwirken von Angebot und Nachfrage, die beide reallohnsatzabhängig sind, zu einem gleichgewichtigen Beschäftigungsniveau, das über die Produktionsfunktion ein entsprechendes Angebotsvolumen und Einkommensentstehung im selben Ausmass beinhaltet. Das gesamtwirtschaftliche Gleichgewicht kommt im simultanen Ausbalancieren aller dieser Kräfte zustande. Die unterschiedliche Einschätzung wirtschaftlicher Zusammenhänge drückt sich darin aus, dass in keynesianischen Modellen der Wertpapiermarkt, in klassischen Modellen der Gütermarkt als Strukturelement nur eine untergeordnete Rolle spielt. Meist wird, wie oben, bei der Darstellung des keynesianischen Systems der Wertpapiermarkt, bei der Darstellung des klassischen Systems der Gütermarkt unberücksichtigt gelassen. Man zieht auf solche Weise die Konsequenz aus dem - WALRASschen Gesetz. Tatsächlich kann man sehen, dass z.B. im Fall des keynesianischen Modells das Gleichgewicht von Wertpapierangebot Wa (zur Finanzierung von Investitionen und Transaktionskassenhaltung) und Wertpapiemachfrage Wa (zur Anlage von Ersparnissen, die nicht als Spekulationskasse gehalten werden, sowie zur Ermöglichung der Geldschöpfung seitens des Finanziellen Sektors) bereits in den Gleichgewichtsbedingungen des Gütermarkts enthalten ist. Analog folgt bei klassischen Modellen das Gleichgewicht des Gütermarkts aus den Gleichgewichtsbedingungen des Geldmarkts (im Sinne der Kassenhaltungstheorie modifizierte Form der - Verkehrsgleichung) und des Wertpapiermarkts. In der allgemeinen Form gleiche Funktionen, z.B. I(i), haben nach keynesianischer oder klassischer Provenienz unterschiedliche konkrete Gestalt und infolgedessen unterschiedliche Bedeutung für den Modelloutput, u.U. sogar für die Lösbarkeit des Gleichungssystems.
makroökonomische Modelle
makroökonomische Modelle Nicht zuletzt führt die unterschiedliche Problemsicht zu stark voneinander abweichenden Politikempfehlungen. Keynesianische Modelle, die in Umkehrung des SAYschen Theorems von Nachfrageorientierung ausgehen und auf dem Arbeitsmarkt eines zuverlässigen Clearing-Mechanismus entbehren, sehen in der Arbeitslosigkeit das beherrschende wirtschaftliche Problem. Als Mittel der Beschäftigungspolitik legen sie Nachfragesteuerung nahe. Im Gegensatz dazu ist nach klassischer Konzeption, die im Lohn einen effizienten Selbststeuerungsmechanismus zu besitzen glaubt, die Vollbeschäftigung kein vorrangiges, primär durch die Wirtschaftspolitik zu bewältigendes Problem, wohl aber das Preisniveau bzw. Veränderungen des Preisniveaus, die durch Regulierung des Geldangebots zu beantworten sind. Nicht geräumte Märkte finden in der - Neuen Makroökonomie konzentrierte Aufmerksamkeit. Erweitert man die Modelle in der Weise, dass man Bestandsgroßen, insbes. das reale Geldangebot, als erklärende Variable in sämtliche Nachfragefunktionen aufnimmt, erhält man sog. neoklassische makroökonomische Modelle. Sie betrachten die Geldmenge als dominierende strategische Größe. Der Erklärungs- oder Prognosewert makroökonomischer Modelle hängt außer von der Homomorphie des Modells und des realen Systems auch von den Konstanzannahmen für die Parameter in allen Perioden des betrachteten Untersuchungszeitraumes ab. In der Praxis werden solche Konstanzannahmen durch exogene Korrekturen, sog. »fine tuning«, abgeschwächt. Die Güte des Modelloutputs hängt dann allerdings nicht mehr nur von den Eigenschaften des Modells selber ab, sondern auch von der Intuition des mit dem Modell arbeitenden Ökonomen. Die makroökonomischen Modelle stellen sich immer mehr als Abbilder eines Subsystems des sehr viel umfassenderen politisch-ökonomischen Systems heraus. Den erweiterten sozialwissenschaftlichen Rahmen sucht die Neue Politische Ökonomie mit ihren Modellen abzustecken. Literatur: Dornbusch, R., Fischer, S. (1995). Klatt, S. (1989). Richter, R., Schlieper, U., Friedmann, W. (1981). Stobbe, A. (1987)

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