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Management-Informationssysteme (MIS)


1. Charakterisierung (a) ein Forschungs- und Lehrgebiet, das sich mit   Informationssystemen für das   Management be­fasst; (b) eine Bezeichnung für diese Systeme an sich. Der Begriff hat sich mit dem Aufkommen der elektronischen Datenverarbeitung in Unternehmen (1950/60) herausgebildet. Induziert durch die Inno­vationen der Informations- und Kommunikationstechnik einerseits und durch in der Praxis gemachte Erfahrungen andererseits entwickelte er sich dynamisch fort. Inzwischen ist die Begriffsvielfalt gross. Beispiele teils synonym gebrauchter Begriffe sind:   Management Support Systems (MSS), Füh­rungs-Informationssysteme (FIS),  Executive Information Systems (EIS),  Führungsinformations­und Unternehmenssteuerungssysteme etc. Als Forschungs- und Lehrgebiet ist MIS sowohl Teil der   Wirtschaftsinformatik wie auch der betriebswirtschaftlichen Managementlehre (Unter­nehmensführung). Im Rahmen der Wirtschaftsinformatik stehen Computergestützte MIS im Vorder­grund. Im Rahmen der betriebswirtschaftlichen Managementlehre wird der MIS-Begriff inhaltlich er­weitert und als Oberbegriff für Computergestützte und Organisatorische MIS verwandt.
2. Computergestützte MIS (a) ein Oberbegriff für computergestützte Informationssysteme des Managements; ihre Nutzung kann unmittelbar, d.h. durch den Manager selbst, und/oder mittelbar, d.h. durch dessen Mitarbeiter etc., er­folgen (MIS, Nutzenpotentiale, unmittelbar/mittelbar); (b) eine Bezeichnung für Systeme des mittle­ren Managements gemäss Differenzierung des Management-Begriffs nach Unternehmens- bzw. Mana­gement-Ebenen. Weitere Bezeichnungen in diesem Kontext sind:   Corporate Governance Informati­on and Forecasting Systems (CGIFOS),   Executive Support Systems (ESS),   Decision Support Systems (DSS) und   Transaction Processing Systems (TPS), wobei die Systematik allerdings kei­neswegs zwingend ist (vgl. Abbildung 1). MIS und Computergestützte MIS werden vielfach als syn­onyme Begriffe verwandt. UNTERNEHMEN/ ORGANISATION Ebenen MANAGEMENT COMPUTERGESTÜTZTE M I S Spitzenorganisation Geschäftsführung, Vorstand, Aufsichtsrat etc. Corporate Governance Information and Forecasting Systems (CGIFOS) Strategische Ebene Oberes Management Executive Support Systems (ESS) Management-Ebene Mittleres Management Management Information Systems (MIS) Decision Support Systems (DSS) Operative Ebene Operatives Management Transaction Processing Systems (TPS) Abb. 1: Computergestützte MIS MIS-Funktionalität und MIS-Fokus entwickelten sich mit den Innovationen der Technik phasenweise fort (vgl. Abbildung 2). Computergestützte MIS wurden dabei immer leistungsfähiger, kostengünstiger und benutzerfreundlicher. Zur MIS-Funktionalität gehören aktuell u.a.: (a) Büroautomatisierung (Schreibsysteme, Tabellenkalkulation, elektronisches Postbuch, elektronischer Kalender etc.), (b) Elektro­nische Kommunikation (E-Mail, Electronic Conferencing etc.), (c) Modellrechnungen (What-if­Rechnungen, Szenario-Rechnungen, Sonderprogramme), (d) Sonderinformation (MIS, Sonderin­formationen; Information Retrieval,   OLAP,   Data Warehouse etc.), und (e) Grundinformation (MIS, Grundinformationen;   Briefing Book). IT-PHASE MIS-FUNKTIONALITÄT MIS-FOKUS 1950/60  Batch Grundinformationen Managementinformation 1970 Time-Sharing Grundinformationen, Modelle Entscheidungsunterstützung 1980 Desk-Top Grundinformationen, Sonderinformationen, Modelle, Büroautomatisierung, Kommunikation Executive-Unterstützung 1990 Netzwerk, Groupware, Multimedia „ 1 Integrierte Managementunterstützung 2000 Internet, Intranet „ Wissen, Qualitativ-ganzheitliche Information Abb. 2: MIS-Entwicklungslinien Inzwischen haben Computergestützte MIS praktisch alle Unternehmens-/Organisationsbereiche durch­drungen (Einkauf, Produktion, Vertrieb, Forschung und Entwicklung, Finanz- und Rechnungswesen, Strategie etc.). Viele der ursprünglich mit ihnen verbundenen Erwartungen wurden weit übertroffen. Lediglich auf der oberen und Spitzenebene des Managements haben sich die Visionen bislang nicht er­füllt. Lange Zeit wurde die Schuld hierfür bei den Topmanagern selbst gesehen und unterstellt, sie seien zuwenig willens und bereit, persönlich mit einem Computer zu arbeiten (MIS, Theorieentwicklung). Neuere, vermehrt betriebswirtschaftliche Forschungsergebnisse machen deutlich, dass diese Vorwürfe fehlgeleitet waren. Computergestützte MIS können zwar auch auf diesen Ebenen einen signifikanten Beitrag leisten. Dieser ist allerdings eng fokussiert und spezifisch bestimmt (Topmanagement­Informationssysteme,  MIS, Implementierung).
3. Organisatorische MIS Oberbegriff für die sonstigen Informationssysteme des Managements. Zentraler Unterbegriff ist die Informationsmaschinerie (Linien, Stäbe, Berater etc.). Informationsmaschinerien sind vorrangig auf der oberen und Spitzenebene des Managements komplexer Unternehmen zu finden. Topmanager kom­plexer Systeme wären ohne sie nicht arbeitsfähig. Hauptaufgaben der Informationsmaschinerie sind (a) die Ermittlung des relevanten Informationsbedarfs (Informationsbedarf) „ihres” Topmanagers sowie (b) die Gewährleistung dessen optimaler Informationsversorgung (Informationsversorgung). Infor­mationsmaschinerien setzen intern zwar ebenfalls Computergestützte MIS ein, gegenüber ihrem Top­manager hingegen erfolgt dies, wenn überhaupt, nur begrenzt. Die Informationsversorgung von Topmanagern durch ihre Informationsmaschinerie erfolgt gleichsam nach dem Bienenköniginnen-Prinzip (Informationsversorgung, Bienenköniginnen-Prinzip). Computer­gestützte MIS können diese Versorgung ergänzen, jedoch nicht ersetzen. Ihre unmittelbaren Nutzenpo­tentiale (MIS, Nutzenpotentiale, unmittelbar/mittelbar) relativieren sich entsprechend. Auf nachge­ordneten Management-Ebenen sind organisatorische MIS kaum oder gar nicht ausgebildet. Die Infor­mationsversorgung auf diesen Ebenen erfolgt vorrangig nach dem Selbstversorger-Prinzip (Informa­tionsversorgung, Selbstversorger-Prinzip). Entsprechend umfassend sind die unmittelbaren Nutzenpo­tentiale Computergestützter MIS (vgl. Abbildung 3). In der MIS-Theorieentwicklung wurde dieser Grundzusammenhang lange Zeit vernachlässigt, was zu einer Reihe — teilweise noch heute verbreiteter — MIS-Mythen (MIS, Mythen) führte. MANAGEMENT- EBENE INFORMATIONS- MASCHINERIE Ausprägung INFORMATIONS- VERSORGUNG COMPUTERGESTÜTZTE MIS unmittelbare Nutzenpotentiale Oberes/Top-Ma- nagement komplexer Unternehmen hoch „Bienenkönigin”- Prinzip gering/aber signifikant Operatives Manage- ment gering/ nicht existent Selbstversorger- Prinzip hoch Abb. 3: Grundprinzipien der Informationsversorgung
4. Thesen zur weiteren Entwicklung Die Leistungsfähigkeit Computergestützter MIS wird weiter steigen. Mit den Innovationen der Technik werden neue Geschäftsmodelle mit erweiterten MIS-Anwendungen entstehen (Digitale Organisati­on). Haftungsrechtliche Belange werden zunehmend von Relevanz sein. Die Anforderungen an den Informationsfaktor werden sich weiter erhöhen, wozu auch die Vorgaben der neuen   Corporate Governance Vorschub leisten (Führungsinformation- und Unternehmens­steuerungssysteme,  RisikofrüherkennungssystemeMIS, Zertifizierung). Der Faktor Mensch und Organisatorische MIS werden durch den Computer auch mit weitem Blick in die Zukunft nicht zu ersetzen sein. Zudem werden kritische Restriktionen des Informationsmanage­ments als ständige Herausforderung bestehen bleiben (Datenmanagement, Datenintegrität). Die Überwindung dieser Restriktionen wird weniger durch noch leistungsfähigere Hard-/Soft­warekomponenten zu erreichen sein, sondern neue inhaltliche Ansätze erfordern. Top-down orientierte Qualitativ-ganzheitliche MIS (MIS, Entwicklung, top-down/buttom-up;   MIS, Qualitativ-ganzheitliche), wie sie aktuell vermehrt aufkommen (MIS, President\'s Management Scorecard; CGIFOS), könnten hierfür richtungsweisend sein. Hinweis Zu den angrenzenden Wissensgebieten siehe   Balanced Scorecard,  Business Intelligence,   Bu­siness Networking,   Controlling,   Controlling-Informationssysteme,  Corporate Governance,   Data Warehouse,   Datenbanksysteme,  Electronic Government,   ERP-Systeme (Enterprise Resource Planning-Systeme),   Organisation,  Risikocontrolling,   Unternehmensführung,  Wirtschaftsinformatik, Grundlagen,   Wissensmanagement,   Workflow-Management.

Literatur: Boody, D., Boonstra, A., Kennedy, G.: Managing Information Systems. An Organisational Perspective. 2nd ed., Upper Saddle River 2005; Griffin, R.W., Ebert, R.J.: Business. 7th ed., Upper Saddle River 2004; Heinrich, L.J./Lehner, F., Informationsmanagement, Planung, Überwachung und Steuerung der Informationsinfrastruktur, 8. Auflage, München, Wien 2005; Krcmar, H. Informations­management, 2. Auflage, Berlin etc. 2000; Laudon, K.C., Laudon, LP. Management Information Sys­tems, Managing The Digital Firm, 9th ed., Upper Saddle River 2006; Mertens, P., Griese, J.: Integrierte Informationsverarbeitung 2, Planungs- und Kontrollsysteme in der Industrie, 9. Auflage, Wiesbaden 2002; Rechkemmer, K.: Corporate Governance, München, Wien 2003; Rechkemmer, K.: Topmanage­ment-Informationssysteme. Betriebswirtschaftliche Grundlagen. Stuttgart 1999; Theisen, M.R.: Grund­sätze einer ordnungsmässigen Information des Aufsichtsrats. 3. Auflage, Stuttgart 2002; Wigand, R.T., Mertens, P., Bodendorf, F., König, W., Picot, A., Schumann, M.: Introduction to Business Information Systems. Berlin 2003. Internetadressen: (CIO(Chief Information Officer)-Magazin) www.cio.com; (Corporate Gonvemance Code/Praxisanwendung) www.deutscher-corporate-governance-kodex.de; (Data Warehousing, Intra­nets) www.datawarehousing.com, www.intranet.com; (Enterprise Networks) www.reengineering. com; (Hard-Software-Anbieter) www.dell.com, www.apple.com, www.ibm.com, www.microsoft.com, www.oracle.com; www.deloitte.com, www.sap.com, www.siebel.com; (Institute für Wirtschafts­informatik in Deutschland, Österreich, Schweiz) www.dbai.tuwien.ac.at/staff/domNorlesungen/IM/ Institute.html; (Qualitativ-ganzheitliche MIS/President\'s Management Scorecard) www.cgifos.de, www.results.gov; (Wirtschaftsprüfungsgesellschaften/MIS-Angebote im Kontext Corporate Governance, Risikofrüherkennungssysteme, Integrierte Führungs- und Überwachungssysteme, Evaluierung/ Zertifizierung von Unternehmensprozessen etc.) www.deloitte.com, www.ey.com, www. kpmg.com, www.pwc.com (Zeitschrift WIRTSCHAFTSINFORMATIK) www.wirtschafts informatik.de.

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